Vollverpflegung : Noch Wünsche offen beim Kita-Essen

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Frische schlägt vorgekochtes Mittagessen. Doch Letzteres ist in MV die Regel

Karin.jpg von
16. Januar 2018, 05:00 Uhr

Gesund und vollwertig soll sie sein, die Vollverpflegung, die seit Anfang 2015 in allen Kindertagesstätten im Land Pflicht ist. Doch nach einer Befragung der Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung gibt es bei der Qualität des Essens noch einiges zu tun. So bewerteten zwar immerhin 22,5 Prozent der an der Umfrage beteiligten Einrichtungen die Qualität des Mittagessens mit sehr gut. Stark gestiegen ist aber der Anteil der Kitas, deren warmes Essen nur zufriedenstellend ist: Waren es bei einer früheren Befragung 2011 nur sieben Prozent, gaben aktuell 31 Prozent dieses Urteil ab. Und 7,8 Prozent der Einrichtungen sagten sogar, ihr Essen sei mangelhaft. Grund kann laut Vernetzungsstelle tatsächlich gesunkene Qualität sein – es kann aber auch ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein dahinterstehen.

Hauptsächlich (78,8 Prozent) beziehen die Kitas im Land ihr Mittagessen von externen Anbietern, die es bereits gegart in Thermobehältern anliefern. Diese Speisen sollten maximal für drei Stunden bei mindestens 65 Grad warmgehalten werden – doch das klappt nicht überall, was Qualitätseinbußen bedeutet.

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„Offenbar wird in vergleichsweise wenig Kitas frisch vor Ort gekocht. Dies wäre aber im Hinblick auf die Speisenqualität der empfehlenswerte Weg“, erklärt Arndt Müller, Leiter der Vernetzungsstelle. Nach seiner Einschätzung ist der im Gesetz verankerte Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Kita-Verpflegung zwar inzwischen in fast allen Einrichtungen bekannt, doch falle es oft noch schwer, ihn umzusetzen. Die Ursachen seien vielschichtig: Mal fehle es an der Finanzierung von Hauswirtschaftskräften, mal an einem schlüssigen Verpflegungskonzept als Grundlage für den Leistungsvertrag mit einem Speisenanbieter. „Auch die Einbindung der Eltern bei der Speisenplanung kann noch deutlich besser werden“, so Müller.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) betont, dass es eine „Lösung für alle“ in der Frage nach dem besten Versorgungssystem nicht gibt. Wichtig seien Fortbildungsangebote, z.B. über die Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung, die vom Land jährlich mit 45 000 Euro gefördert wird.

Die kinder-, jugend- und familienpolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Jacqueline Bernhardt, fordert ein Investitionsprogramm des Landes für Ausstattung und Fachpersonal in Kita-Küchen, um tatsächliche Frische des Essens zu gewährleisten.

Kommentar von Karin Koslik: Qualität beim Kita-Essen: Die Eltern gefragt

Könnten kleine Kinder allein bestimmen, was bei ihnen auf den Tisch kommt, gäbe es wohl jeden Tag Nudeln mit Tomatensoße. Vielleicht auch einmal Milchreis. Oder Chicken-Nuggets mit Pom-mes. Aber sicher weder Brokkoli noch Möhren.

Doch kleine Kinder dürfen aus gutem Grund nur ausnahmsweise selbst bestimmen, was es zu essen gibt: Die ersten 1000 Tage ihres Lebens sind prägend für ihre ganze weitere Entwicklung. In den darauffolgenden 1000 Tagen wird das Erlernte noch einmal gefestigt. Und wenn sie dann in die Schule kommen, müssen die Grundlagen gelegt sein – auch in Bezug auf eine gesunde Ernährung.

Der im Gesetz verankerte Anspruch, dass Kinder in einer Betreuungseinrichtung nach den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vollwertig und gesund verpflegt werden sollen, ist daher richtig und wichtig. Doch das Gesetz muss auch umgesetzt werden, und da hapert es in vielen Kindertagesstätten noch. Nach Angaben der DGE-Bundesgeschäftsstelle gab es Ende des Jahres hier im Land gerade einmal 17 nach den Kriterien der Gesellschaft zertifizierte Kitas. Dazu weist die Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung lediglich drei Caterer im Land aus, die ein DGE- Zertifikat besitzen. Fortbildungsangebote die die Vernetzungsstelle zu den Verpflegungsstandards angeboten hat, wurden in den zurückliegenden beiden Jahren nur von gerade einmal einem Drittel der Einrichtungen genutzt. Was also tun? In erster Linie sind hier die Eltern gefragt. Schließlich zahlen sie je nach Einrichtung für die Vollverpflegung ihrer Kinder im Monat zwischen 64 und 102 Euro. Eine Stange Geld, für das sie auch verlangen können, dass ihren Kindern abwechslungsreiches, gesundes und vor allem frisches Essen vorgesetzt wird.

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