Schnelles Internet : Noch weiße Flecken im Nordosten

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Schnelles Internet auf dem Land kommt endlich in Schwung. In Teilen Mecklenburg-Vorpommerns fehlt es aber noch

svz.de von
09. Mai 2017, 05:00 Uhr

Für Jürgen Grützner ist die Sache klar: „Das Problem waren von Anfang an die letzten 30 Prozent. Voraussichtlich werden wir davon gerade mal gut die Hälfte schaffen“, resümiert der Geschäftsführer des Telekom-Verbandes VATM. Es geht um den Ausbau des schnellen Internets und die Bundesregierung hat die Latte hoch gelegt: In gut eineinhalb Jahren soll bundesweit für jeden Haushalt ein Anschluss mit einem Surftempo von mindestens 50 Mbit pro Sekunde verfügbar gemacht werden. Das heißt: Im ganzen Land ruckelfreies Video und TV über Internet, Musik hören ohne Aussetzer oder Daten verschicken ohne lange Wartezeiten.

Ein aktueller Blick auf den Breitbandatlas der Bundesregierung verrät allerdings: Viele ländliche Regionen sind vom schnellen Netz zum Teil noch abgeschnitten. Weniger als zehn Prozent der Haushalte erreichen hier derzeit die angesteuerte Zielmarge von 50 Mbit pro Sekunde. Das gilt zum Beispiel für Teile der Eifel, des oberbergischen Kreises, das ländliche Umfeld von Freiburg im Breisgau und größere Gebiete um den Bayerischen Wald, im südlichen und östlichen Sachsen sowie vor allem in weiten Teilen von Mecklenburg-Vorpommern. Für Alexander Dobrindt (CSU), Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur, ist das kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Bei der Vorstellung des Stands der digitalen Agenda zeigte sich der Minister Ende April zuversichtlich: Rund 75 Prozent der Haushalte hätten bereits einen Zugang, ein Viertel müsste noch geschlossen werden. Dobrindt: „Wir werden dieses Ziel erreichen.“ Dabei verwies er unter anderem auf die zugesagten Fördergelder von 2,3 Milliarden Euro und die 210 000 Kilometer Glasfaserkabel, die genehmigt worden seien.

Derzeit ist Nordrhein-Westfalen mit einer Abdeckung von mehr als 82 Prozent beim schnellen Internet führend unter den Flächenländern.

Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mit jeweils 57 Prozent. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, gab sich vorsichtig optimistisch: „Ich glaube an die 50 Mbit“, sagte er gestern bei der Vorstellung seines Jahresberichts. Allerdings sei „Glaube nicht Wissen“. Die Bundesnetzagentur werde den Ausbau jedenfalls nach Kräften unterstützen.

Erreichbar oder nicht – die Vorgaben von Dobrindt sind nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in die sogenannte Gigabit-Gesellschaft. Stephan Albers, Chef des Breitbandverbandes Breko: „Wir müssen jetzt mit Digitalcourage ein langfristiges, tragfähiges Ziel auf Basis reiner Glasfaseranschlüsse bis in alle Gebäude setzen.“ Sprich, ein flächendeckendes Glasfasernetz aufbauen mit mindestens 1 Gbit Geschwindigkeit bis 2025.

Doch so weit denkt Helmut Berscheid, Experte für schnelles Internet im Eifelkreis Bitburg-Prüm, noch nicht. Er weiß, wie aufwendig es ist, in der Region schnelle Netze zu etablieren. Aber der Kreis hat es fast geschafft.

In Mecklenburg-Vorpommern fordern allein die schiere Fläche und geringe Besiedelungsdichte den Netzausbau heraus. Nach Angaben der Landesregierung liegt die ländliche Abdeckung mit schnellen Internetanschlüssen derzeit bei rund 15 Prozent. Fünf Prozent der Haushalte landesweit müssten noch angeschlossen werden, heißt es. Nach Umsetzung der 77 geförderten Ausbauprojekte würde die Versorgungsquote hier auf 82 Prozent ansteigen.

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