Ansturm Älterer auf den Bundesfreiwilligendienst : Noch viele Plätze frei für das FSJ

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Weniger Schulabgänger, bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz - die Folgen bekommen auch die Wohlfahrtsverbände im Land zu spüren, die sich um die Besetzung freier Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr sorgen.

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29. Juli 2012, 06:56 Uhr

Schwerin | Weniger Schulabgänger, bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz - die Folgen bekommen auch die Wohlfahrtsverbände im Land zu spüren, die sich um die Besetzung freier Stellen für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) sorgen. "In früheren Jahren hatten wir bereits im Mai und Juni alle Verträge für September unter Dach und Fach", so Kartrin Mirgeler, die bei der Diakonie Mecklenburg-Vorpommern für die Freiwilligendienste zuständig ist. Bereits im vergangenen Jahr seien erst im Juli und August die meisten Bewerbungen eingegangen, Ähnliches erwarte sie in diesem Sommer. "Die jungen Leute schauen erst einmal, ob es mit einem Ausbildungsplatz klappt. Wenn nicht, bewerben sie sich fürs FSJ." Auch bei der Motivation der Bewerber habe es einen Wandel gegeben: Standen früher Selbstfindung oder persönliche Weiterentwicklung im Mittelpunkt, habe heute bei den meisten Bewerbern ganz klar die berufliche Orientierung den Vorrang.

"Unsere Bewerber um einen FSJ-Platz wollen sich ganz bewusst sozial engagieren - oder sie haben ihren Wunsch-Ausbildungsplatz im sozialen Bereich nicht bekommen", bestätigt auch Stefan Beutel, Geschäftsführer der DRK Soziale Freiwilligendienste Mecklenburg-Vorpommern gGmbH. "Tatsächlich erhöhen sie durch den Freiwilligendienst ihre Chancen für eine spätere Ausbildung enorm, denn sie gewinnen in diesem Jahr spürbar an Reife." Das DRK als der größte Träger für das FSJ im Land bietet 215 Einsatzstellen an. "40 bis 50 davon sind zum 1. September noch zu besetzen", so Beutel. Bewerber würden landesweit, aber dennoch wohnortnah eingesetzt - beispielsweise in den Schweriner Helios Kliniken, dem DRK-Krankenhaus Grevesmühlen, aber auch in der Seniorenpflege, in Kitas und päda gogischen Einrichtungen.

Dass Bewerber statt ins FSJ lieber in den Bundesfreiwilligendienst (BFD) einsteigen, wo eine höhere Aufwandsentschädigung gezahlt werden kann, sehen die Wohlfahrtsverbände nicht. Um keine Konkurrenzsituation zu schaffen, halten sowohl Diakonie als auch DRK die Vergütungen möglichst gleich. "Es zeichnet sich ab, dass der Bundesfreiwilligendienst sowieso eher die über 27-Jährigen - die fürs FSJ sowieso nicht mehr in Frage kommen - anzieht", so Katrin Mirgeler. Die Hälfte des aktuellen Jahrgangs von 82 Freiwilligen, die ihren Dienst bei der Diakonie versehen, sei schon jetzt über 27 Jahre alt. Noch deutlicher wird das beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Mehr als zwei Drittel unserer älteren Freiwilligen sind nicht nur über 27, sondern sogar über 50 Jahre alt", so Annette Damrath. Gerade in dieser Altersgruppe würde sehr gern das Angebot genutzt, sich in Teilzeit zu engagieren. Der Wohlfahrtsverband würde seit Jahren 40 Stellen für das FSJ und seit 2011 auch 40 Stellen für den BFD anbieten. "Für den Bundesfreiwilligendienst können wir allerdings kaum noch Plätze vergeben", so Annette Damrath.

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