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Gutachten zur geplanten Ausbaggerung läuft : Noch keine Lösung für Darß-Hafen

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Die viel zu lange Planungsgeschichte eines Etappenhafens auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst bekommt ein neues Kapitel. Heute findet die "Regionalkonferenz "Etappenhafen zwischen Warnemünde und Barhöft" statt.

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erstellt am 01.Feb.2013 | 11:31 Uhr

Stralsund/Zingst | Die viel zu lange Planungsgeschichte eines Etappenhafens auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst bekommt am Freitag ein neues Kapitel. Der Landrat des Kreises Vorpommern-Rügen, Ralf Drescher (CDU), hat Bürgermeister, Verwaltungsbeamte und Kurdirektoren zur Regionalkonferenz "Etappenhafen zwischen Warnemünde und Barhöft" eingeladen. Drescher weiß, dass sich am Thema Ersatz für den Nothafen Darßer Ort schon viele Politiker Wunden geholt haben, ohne dass irgendeine Bewegung festzustellen war. "Um ein Projekt dieser Größe umzusetzen, bedarf es des Zusammenhalts der ganzen Region", fordert er deshalb.

Seit Monaten ist die Zufahrt zum Nothafen Darßer Ort wieder versandet, der Seenotrettungskreuzer "Theo Fischer" liegt vorübergehend bei Großenbrode (Fehmarn), wie Christian Stipeldey, Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sagt. Ende Februar soll er wieder an der mecklenburgischen Küste festmachen, wahrscheinlich in Barhöft bei Stralsund. "Es gibt wenig Fortkommen beim Thema Hafen", zuckt er mit den Achseln.

Bisherige Ausbaggerungen der Zufahrt haben jedes Mal zu heftigem Streit zwischen Landesregierung und Umweltschützern geführt.

Die größte Hoffnung der vergangenen Jahre lag im Neubau eines Inselhafens vor Zingst. Die Planungen waren weit fortgeschritten, dann kam im August 2012 das "Nein" aus Schwerin - zu teuer. Die Enttäuschung darüber ist bei vielen in der Region noch zu spüren.

Die Landesregierung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem die Auswirkungen einer Ausbaggerung der Hafenzufahrt auf die Umwelt untersucht wird. "Wir rechnen damit, dass bis Ende März der Gutachter soweit sein wird, dass eine Bestandsaufnahme da ist. Wenn keine FFH-Belange berührt sind, können wir die Baggerung in Auftrag geben", sagt Steffen Wehner, Sprecher des Verkehrsministeriums. "Wir rechnen damit, dass wir durch das Gutachten die Sicherheit haben, dass wir baggern dürfen", fügt er hinzu. Unter Berücksichtigung von Planungszeit und Vogelbrut könnte Ende Mai/Anfang Juni begonnen werden.

"Wir rechnen nicht damit, dass ein Gutachter zum Ergebnis kommt, dass die Baggerung unter Berücksichtigung von Naturschutzbelangen möglich ist", sagt Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin der Umweltschutzorganisation BUND. Seit Jahren ist Umweltverbänden die Nutzung des Nothafens mitten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ein Dorn im Auge. Sollte der Gutachter doch die Baggerung für möglich halten, kündigt Cwielag schon Widerstand an.

Die anhaltenden Probleme sind Wasser auf den Mühlen des Vereins Boddendurchstich. Der Verein setzt sich unter Vorsitz des FDP- Bundestagsabgeordneten Hagen Reinhold dafür ein, westlich von Zingst eine Durchfahrt zwischen der freien Ostsee und dem Bodden zu schaffen und dann den Boddenhafen zu nutzen. Reinhold geht von Kosten in Höhe von rund 35 Millionen Euro für den Durchstich aus, also vergleichbar mit denen eines Hafenneubaus. Ein Bürgerentscheid ab März ist angestrebt, um die Sache politisch voranzubringen.

Der Zingster Bürgermeister, Andreas Kuhn (CDU), winkt bei den Durchstich-Plänen ab, die Risiken seien viel zu groß. Problematische Auswirkungen auf die Natur, Küsten- und Artenschutz oder fehlende Ausgleichsflächen listet er auf. Auch die Gemeindevertretung habe dem Ansinnen schon eine Absage erteilt.

Bei dem Gespräch beim Landrat werden auch kleinere Varianten wie ein von einer Mole geschützter Steg diskutiert. Doch DGzRS- Sprecher Stipeldey warnt, eine solche "Minimalvariante" zu unterschätzen. "Die Frage ist, ob der Steg bei schwerem Wetter sicher ist." Der Kreuzer müsse ausreichend geschützt sein und die Übernahme von Verletzten müsse auch bei Sturm gewährleistet sein - dazu gehöre auch eine Zufahrt für Rettungswagen. Auch kleinere Varianten versprechen, teuer zu werden.

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