Landwirtschaft MV : Nitratvorwurf ärgert Bauern

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Verband fordert Überarbeitung des Messstellennetzes, Vertragsverletzungsverfahren droht von EU

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18. Juni 2016, 05:00 Uhr

Bauern in Mecklenburg-Vorpommern sind sauer. Sie haben zusehends den Eindruck, dass die Landwirtschaft politisch schlechtgeredet wird. Jüngstes Beispiel: Die Bauern trügen die Hauptverantwortung für die Nitratbelastung des Grundwassers. Das hatte am Mittwoch Agrarminister Till Backhaus (SPD) bei der Vorstellung des Gewässergüteberichts gesagt. Demnach ist fast jeder zweite Grundwasserspeicher durch zu viel Nitrat belastet – laut Minister vor allem durch Gülle, Überdüngung und fehlende Fruchtfolgen, etwa bei Mais.

Der vorpommersche Landwirt Marco Gemballa, Mais-Bauer und Vorsitzender des Agrar-Landesfachausschusses der CDU, findet das diskriminierend. Manche Messwerte erklären sich eben nicht durch landwirtschaftliche Nutzung. So sind an einer Messstelle im Bereich Anklam/Pasewalk die Werte sehr hoch, obwohl dort seit 20 Jahren ökologische Landwirtschaft betrieben wird, so Gemballa. „Diese ,Ungereimtheiten’ sollte der Minister kennen.“ Ursache hier könnte das angrenzende Niedermoor sein. „Dort leben viele Einzeller. Wenn die absterben, entsteht unter anderem Stickstoff.“ In Vegetationspausen könnten Pflanzen die gelösten Nitrate nicht verwerten. Durch ständig schwankenden Wasserspiegel im Moor werde das Nitrat verteilt und führe zu den hohen Messwerten. „Da könnte man die landwirtschaftliche Nutzung komplett einstellen – es würde sich nichts ändern.“ Gemballa bestreitet nicht, dass es Bauern gibt, die zu viel düngen. „Aber alle unter Generalverdacht zu stellen, das ist nicht in Ordnung.“

Der Landesbauernverband setzt sich laut Gemballa seit Jahren dafür ein, Messstellen, die nicht eindeutig verifizierbar sind und wo nicht geklärt ist, warum die Nitratbelastung so hoch ist, aus dem Messkatalog zu nehmen. Erst im April gab es dazu eine Beratung im Landesamt für Umwelt (LUNG) mit Vertretern des Ministeriums. „Da wurde verabredet, die problematischen Messstellen zu untersuchen. Passiert ist aber bisher nichts.“

Bauernverbands-Vizepräsidentin Heike Müller hält „jedes Kilogramm Stickstoff, das im Grundwasser landet, für ein Kilo zu viel“. Doch auch sie hält zwei Dinge für erforderlich: Ein repräsentativeres Messnetz sowie intensive Forschung, um auch mit weniger, dafür effizienterem Dünger Qualitätsgetreide erzeugen zu können. „Sonst ergeht es uns wie den Dänen, die ihr Brotgetreide importieren müssen.“

Im Oktober 2013 hatte die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet wegen Nichteinhaltung der Nitrat-Richtlinie. Minister Backhaus warnte jüngst: „Wenn der Bund die Düngeverordnung nicht endlich vorlegt, droht uns eine dreistellige Millionenstrafe, die wir Länder mitbezahlen müssten.“ Notfalls wolle er eine Bundesratsinitiative ergreifen. Das aber wird knapp: Am 4. September ist Landtagswahl.


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