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Landesrabbiner William Wolff wird heute 85 Jahre alt : Nimmermüder Optimist

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Wenn der Rabbi durch die Stadt eilt, haben selbst jüngere Leute Mühe, Schritt zu halten. Wehender Mantel, schwarzer Hut mit Krempe und immer ein freundlicher Blick für Passanten. William Wolff wird heute 85 Jahre alt.

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erstellt am 13.Feb.2012 | 04:16 Uhr

Schwerin | Wenn der Rabbi durch die Stadt eilt, haben selbst jüngere Leute Mühe, Schritt zu halten. Wehender Mantel, schwarzer Hut mit Krempe und immer ein freundlicher Blick für Passanten. Andere haben sich in seinem Alter längst zur Ruhe gesetzt. Landesrabbiner William Wolff wird heute 85 Jahre alt und ist noch immer für "seine" Gemeinde unterwegs. Im März 2002 hat er die Betreuung der Religionsgemeinschaft in MV übernommen. Rund sechs Jahrzehnte nach Kriegsende hatten damit auch im letzten deutschen Bundesland Juden einen "Lehrer". Und seitdem ist das Leben der jüdischen Gemeinde eng mit dem Namen von Rabbi William Wolff verbunden.

Ansehen genießt er weit über die Gemeinde hinaus. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) ehrt ihn anlässlich der offiziellen Festveranstaltung zum Geburtstag in Schwerin als "prägende Persönlichkeit", die er für viele Mecklenburger und Vorpommern "unabhängig von Glaubensrichtungen und Religionszugehörigkeiten" geworden sei. Ähnlich äußerte sich Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU), als sie jüngst eine Fotoausstellung in Berlin besuchte. "Abraham war Optimist" heißt die Schau, die dem Rabbi und seiner Gemeinde gewidmet ist. Im Vorjahr war sie in Schwerin erstmals gezeigt worden und zwischenzeitlich auch in Brüssel. Ein Motto, das auch auf den Rabbi zutrifft. "Nur die Hoffnung, dass mein Leben einmal besser wird, hat mir Trost gebracht", sagte er einmal. "Und dann wurde es auch besser".

1927 in Berlin geboren, emigrierte William Wolff 1933 mit seinen Eltern zunächst nach Holland, später nach Großbritannien, und entging so dem Holocaust. In London arbeitete er lange Jahre als Journalist und war dann als Rabbi tätig. Zwischen England und Schwerin pendelt der agile Mann noch immer hin und her. Im Nordosten existierte die jüdische Landesgemeinde zur Wendezeit kaum mehr. Heute zählt sie in Schwerin, Wismar und Rostock etwa 2000 Mitglieder - und damit laut Sellering mehr als vor 1933. Die meisten Gemeindemitglieder kommen aus der ehemaligen Sowjetunion. Für sie hat der Rabbi extra Russisch gelernt.

Geht es um die Gemeinde, nimmt es der Rabbi mit jeder Herausforderung auf. Auch den Bau der neuen Synagoge trieb er mit voran. Seit Dezember 2008 haben Schwerins Juden wieder einen würdigen Ort für ihre Gottesdienste, gebaut auf den Fundamenten des alten Gotteshauses. Nach Rostock der zweite Neubau einer Synagoge im Land. "Möge dieses Haus uns immer daran erinnern, Verantwortung füreinander zu übernehmen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Juden, Christen, Moslems und Nichtgläubigen zu stärken", hatte er zur Eröffnung gesagt. Eine Synagoge als Ort der Versöhnung. Das friedliche Miteinander der Menschen zu fördern, ist eine Mission des Rabbis. Und dafür wird er auch weiter unterwegs sein.

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