Waren: Geld liegt brach : Niemand will die Millionenspende

„Es bleibt keine andere Wahl als zu bitten, die Beträge zurückzusenden“, sagt Jost Reinhold, der Spender.
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„Es bleibt keine andere Wahl als zu bitten, die Beträge zurückzusenden“, sagt Jost Reinhold, der Spender.

Noch immer kein beschlossener Plan: Trotz vieler Stunden hitziger Debatten in der Warener Stadtvertretung - das Geld von Jost Reinhold für das Jugendzentrum schmort ungenutzt auf dem Konto.

svz.de von
24. Januar 2013, 11:02 Uhr

Waren | Trotz zweier Untersuchungsausschüsse, einer Arbeitsgruppe Jugendzentrum in der Warener Stadtvertretung und vieler Stunden hitziger Debatten: Die Stadt an der Müritz hat noch immer keinen beschlossenen Plan, was mit den geschenkten Millionen des in der Schweiz lebenden ehemaligen Industriellen Jost Reinhold geschehen soll. Dabei hat alles so gut angefangen.

Zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit im Herbst 2010 verkündeten Warens Bürgermeister Günter Rhein (SPD) und die Landrätin des seinerzeit noch existierenden Müritzkreises, Bettina Paetsch (CDU), Stadt und Kreis hätten eine Spende in Höhe von zwei Millionen Euro für ein Jugendzentrum in Waren erhalten. Absender war der in Groß Flotow geborene Jost Reinhold, der sich schon in den Jahren zuvor als Mäzen in der Region einen Namen gemacht hatte.

Einen Haken hatte die Angelegenheit allerdings von Beginn an. Nach dem Willen des Spenders sollten Landkreis und Stadt gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Darin lag das Problem. Nach Ansicht der Warener Stadtväter hatte die ehemalige Verwaltungsspitze des Müritzkreises die Initiative für sich in Anspruch genommen, im Rathaus wartete man ab. Viel Papier wurde beschrieben, Konzepte geprüft und verworfen, die Rede war unter anderem von einer Stätte mit Hostel und Diskothek, Grundstücke sind in Augenschein genommen worden, hitzige Debatten wechselten einander ab.

Bis im Januar 2012, als je eine Million Euro schon 16 Monate lang auf den Konten der Stadt und des Kreises schmorten, dem Mäzen der Geduldsfaden riss. Des ständigen Kompetenzgerangels und des Stillstands überdrüssig, forderte Jost Reinhold in einer bislang beispiellosen Aktion sein Geld zurück. "Es bleibt mir keine andere Wahl", schrieb Reinhold seinerzeit in einem Brief, "als Sie zu bitten, die Beträge an mich zurückzusenden. Ich werde sie, in der Zwischenzeit mit Profit angelegt, für andere zukünftige Projekte der Stadt Waren oder aus dem Stiftungsgebiet zur Verfügung halten."

Mindestens so hoch wie die Blamage war die Schadenfreude anderer. Umgehend meldeten sich Bürgermeister anderer Kommunen, die, so die Statements, der Gelegenheiten viele besäßen, die Millionen auszugeben. Der Blamage in Waren folgte die Wut an der Müritz. Schuldzuweisungen flogen hin und her, nach zähem Ringen entschloss sich die Stadtvertretung, wie später auch der Kreistag, zeitweilige Untersuchungsausschüsse ins Leben zu rufen. Umfragen unter Warens Jugend ergaben, dass eine Diskothek gewünscht wird. "Die Stadt kann aber keine Diskothek unterhalten", wettert Bürgermeister Rhein und verweist auf Diskotheken, die mangels Publikum dichtmachen mussten. Nunmehr hat der Verwaltungschef während des Neujahrsempfangs der Stadt, dem auch der Spender der Millionen beiwohnte, Jost Reinhold einen Vorschlag des Rathauses übergeben. Mit dem Geld soll ein bereits vorhandener Jugendtreff wieder auf Vordermann gebracht werden.

Dieser "Alleingang" hat in der vergangenen Woche wieder die Stadtvertreter auf den Plan gerufen, die sich und ihre Arbeit vom Bürgermeister missachtet sehen. Das Ende bleibt offen.

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