Protest vor Molkerei Waren : Niedrige Preise: Milchbauern in Finanznot

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Krise im Kuhstall: Auf einen Tiefstand gefallene Milchpreise und explodierende Futter- und Energiekosten bringen MV Milchbauern in Existenznot. Gestern protestierten sie vor den Werktoren der Molkerei in Waren.

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06. September 2012, 07:15 Uhr

Waren | Krise im Kuhstall: Auf einen Tiefstand gefallene Milchpreise und explodierende Futter- und Energiekosten bringen Mecklenburg-Vorpommerns Milchbauern in Existenznot. Die Molkereien zahlten den Bauern im Land derzeit gerade noch 25 bis 28 Cent je Liter Milch, kritisierte Friedrich Rüße vom Landesvorstand des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) gestern die Dumpingpreispolitik der Milchwirtschaft. Damit sei keine auskömmliche Produktion mehr möglich. Bei jedem Liter Milch zahlen die Bauern derzeit zehn Cent zu. Für eine gewinnbringende Milchwirtschaft seien etwa 36 Cent notwendig, erklärte Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl gestern: "Die Lage ist schwierig." Die Futterpreise hätten sich verdoppelt, die Energiekosten seien um ein Drittel gestiegen. Sinkende Milchpreise, steigende Kosten - nach BDM-Berechnungen sind Deutschlands Bauern dadurch in den letzten Monaten bereits Schäden von mindestens vier Milliarden Euro entstanden. "Wer die Ausfälle nicht durch Einnahmen im Ackerbau oder von Biogasanlagen ausgleichen kann, für den ist bald Schluss", meinte BDM-Vorstand Rüße. Die Landwirte hätten in den vergangenen Monaten alles an Liquidität in die Unternehmen gesteckt, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Die finanzielle Notlage habe im vergangenen Jahr bereits etwa 40 Betriebe zur Aufgabe gezwungen. Jetzt seien weitere fünf Prozent der etwa 800 Milchbetrieben in MV in der Existenz bedroht - zu Lasten der Dörfer. Mit jedem Betrieb, der dicht machen müsse, gingen im ländlichen Raum Arbeitsplätze verloren und leide die Attraktivität der Dörfer, meinte Rüße. Um überleben zu können, hätten die Betriebe inzwischen alle Neuinvestitionen gestoppt, erklärte Tietböhl.

Die Preistalfahrt bringt die Bauern jetzt auf die Straße: Gestern protestierten sie vor den Werktoren der Molkerei Müritz Milch in Waren und forderten von den Verarbeitern, das Milchgeld anzuheben. Der BDM kündigte weitere Aktionen an. Der Bauernverband kritisierte das Vorgehen: Demonstrationen lösten die Probleme nicht, sagte Tietböhl. Der Protest dürfe sich weniger gegen die Molkerei richten als vielmehr gegen den Einzelhandel. Dort müsse die Milchwirtschaft höhere Preise durchsetzen, forderte er.

Die Milchwirtschaft wies die Kritik zurück: Ein Überangebot an Milch in Australien und Neuseeland habe die Weltmarktpreise und damit den Markt in Deutschland unter Druck gesetzt, sagte Roland Frölich, Geschäftsführer der Hansano-Molkerei Upahl, die den Bauern nach eigenen Angaben derzeit 30 Cent je Lieter zahlt. Allerdings: Der Markt erhole sich langsam. Im vierten Quartal deuteten sich steigende Preise an.

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