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Hansa-Rostock-Fan vor Gericht : „Niederträchtige Genugtuung“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mithäftling belastet angeblichen Steinewerfer schwer / Gericht will morgen Polizisten über Ausschreitungen bei Hansa-Spiel befragen

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Eine „niederträchtige Genugtuung“ hat angeblich ein als brutaler Steinewerfer angeklagter Hansa-Rostock-Fan über die Verletzung von Polizisten bekundet. Das jedenfalls behauptete ein Mithäftling gestern vor dem Landgericht Rostock. Der 45-jährige Zeuge gab auch zu Protokoll, der Angeklagte habe ihm während eines Gesprächs gestanden, Gewalt gegen den Staat „als vollkommen legitim“ zu erachten. Der Mann gab sich äußerst selbstbewusst und versuchte, die Richter und die Staatsanwaltschaft mit höflichen Floskeln und gestelzten Formulierungen zu beeindrucken. Inhaltlich waren seine manchmal doch recht verschrobenen Antworten nicht immer nachzuvollziehen.

Der 32 Jahre alte angeklagte Nautische Offizier muss sich wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung verantworten. Während der Ausschreitungen beim Spiel Hansa Rostock gegen Dynamo Dresden Ende November vergangenen Jahres soll er mehrmals Steine geworfen haben. Ein zwei Kilogramm schweres Geschoss traf nach Ansicht der Staatsanwaltschaft einen 32 Jahre alten Polizisten. Der leidet noch heute unter den psychischen Folgen des Angriffs.

Der mutmaßliche Täter wurde am 16. Dezember festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Die Ankläger glauben, ihm weitere Steinwürfe und den Einsatz von Reizgas am Rande des Spiels Hansa gegen RB Leipzig im Frühjahr 2014 nachweisen zu können.

Der als Zeuge geladene Mithäftling sitzt für drei Jahre im Gefängnis, weil er eine illegale Hanf-Plantage betrieben hat. Bei seinem ersten Auftritt vor Gericht hatte er den Angeklagten schwer belastet. Der habe ihm quasi die vorgeworfenen Taten gestanden. Zudem, so der Zeuge damals, wollte der Hansa-Fan angeblich Richter und Polizisten ausspionieren, um sie offenbar unter Druck zu setzen. Als gestern die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger Details nachfragten, schienen seine Vorwürfe gegen den Fußballfan nicht mehr ganz so fundiert wie beim ersten Mal. Die Staatsanwaltschaft gründet ihre Anklage nicht auf diesen Zeugen. Sie will mit Videoaufnahmen, Bewegungsanalysen und anderen Spuren nachweisen, dass der Angeklagte schuldig ist. Morgen will das Gericht mehrere Polizisten hören, die beim Dresden-Spiel im Einsatz waren.

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