Prozess in Schwerin : Nichts dazugelernt

dpa_14929600f8e6f0fe
Foto:

Schneller Prozess nach Widerstand und Beleidigung

von
21. September 2017, 21:00 Uhr

Nur eine Woche nachdem er Polizisten bei der Festnahme eines Straftäters behindert und die Beamten beleidigt hatte, wurde ein 21-jähriger Mann zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Richterin am Amtsgericht Schwerin sah gestern keinen Grund, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft und die Bewährungszeit nach seiner letzten Verurteilung war noch nicht abgelaufen. Eindringlich appellierte die Richterin zudem an den jungen Mann, endlich „erwachsen“ zu werden. Schließlich stamme er aus einer rechtschaffenden Familie.

Am helllichten Tag erkannten zwei Polizisten vor acht Tagen einen per Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen Straftäter, der mit dem angeklagten jungen Mann über den Schweriner Marienplatz ging. Er steht im Verdacht, im Dezember 2016 eine Spielhalle überfallen zu haben. Als er im Februar festgenommen werden sollte, wehrte er sich heftig, und es gelang ihm zu fliehen. Als die Polizisten ihn am Marienplatz aufforderten sich auszuweisen, wollte er sich wieder aus dem Staub machen. Die Beamten hatten Mühe, ihn zu Boden zu bringen und ihm Handschellen anzulegen.

Aus nächster Nähe beobachteten der Angeklagte und einige Bekannte den Polizeieinsatz. Vollkommen aufgebracht rief unter anderem der Angeklagte: „Hört auf, lasst ihn los!“ Er trat in Richtung des einen Beamten, griff ihm an die Schulter und versuchte, ihn von seinem Kumpel wegzuziehen. Mehrfach beleidigte er die Beamten als „Bullenschweine“.

Die Staatsanwaltschaft sah darin auch den Versuch, einen Gefangenen zu befreien und seine Bestrafung zu vereiteln. So weit wollte die Amtsrichterin nicht gehen. Widerstand gegen Polizisten im Einsatz, versuchte Körperverletzung und Beleidigung reichten ihr jedoch aus, den 21-jährigen zu sechs Monaten Haft zu verurteilen.

Warum er mit dem gesuchten Straftäter, den er aus einer gemeinsamen Haftzeit in Neustrelitz kennt, überhaupt „Umgang pflegte“, wollte die Richterin vom Angeklagten wissen, und warum er „sich nicht einfach raushält, wenn die Polizei eingreift“. Sie warf ihm vor, seit seiner letzten Haftentlassung im Januar dieses Jahres „nichts auf die Reihe“ gebracht zu haben. Er sei auf die Unterstützung seiner drei Brüder angewiesen, die alle redlich Steuern zahlten. Und auch auf seine „wunderbare Mutter“, die ihre vier Söhne weitgehend allein großgezogen habe.

Der Angeklagte hat inzwischen einen festen Job angenommen. Außerdem will er sein Abitur nachholen. Wenn dieser Plan wegen eines weiteren Aufenthalts im Gefängnis scheitert, so die Amtsrichterin, dann sei das seine eigene Schuld.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen