zur Navigation springen

Prozess in Stralsund : „Nicht zu entschuldigen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weil ein Mann seine Ex-Freundin mit einem Messer getötet haben soll, muss er sich vor Gericht verantworten

Ein knappes halbes Jahr nach dem gewaltsamen Tod einer 33-Jährigen aus Greifswald hat gestern vor dem Stralsunder Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Dem 37 Jahre alten Ex-Freund wird vorgeworfen, am Abend des 27. Dezember 2013 die Frau in deren Wohnung mit Schlägen und Messerstichen getötet zu haben, wie Staatsanwalt Christoph Schäfer sagte. Zuvor habe sie ihm per SMS angekündigt, ihn wegen einer Vergewaltigung anzuzeigen.

Der Hartz-IV-Empfänger bestritt, die Frau vergewaltigt zu haben. In einer Erklärung räumte er die gewalttätige Auseinandersetzung ein. Er berichtete von einem „hitzigen Streit“, einem Messer, das seine Ex-Freundin plötzlich in den Händen gehalten habe und von einem Handgemenge. An den genauen Tatablauf könne er sich nicht mehr erinnern. „Ich wollte Stefanie nicht verletzen oder wehtun. Dass sie gestorben ist, tut mir leid.“ Die Frau hinterlässt eine fünfjährige Tochter. Der wegen mehrfacher Körperverletzung vorbestrafte Mann ist wegen Totschlags angeklagt. Die Staatsanwaltschaft prüft, einen Antrag auf Sicherungsverwahrung zu stellen.

Laut der Richterin hatte das spätere Opfer im Laufe des Tages 129-mal versucht, ihren Ex-Freund per SMS oder Anruf zu kontaktieren. Berauscht von Alkohol und Drogen war der Angeklagte am Abend zu der Verabredung in die Wohnung der Frau gegangen, wo es dann zum Streit kam. Laut Anklage soll er zunächst mehrfach auf die Frau eingeschlagen haben, dann habe er mit einem Messer mindestens zehn Mal auf den Hals der Frau und deren Arme eingestochen.

Der mutmaßliche Täter war am 28. Dezember nach einer Verfolgungsjagd auf der A20 festgenommen worden. Er hatte laut Polizei einen Alkoholwert von 1,3 Promille. Bei ihm wie auch später bei der Toten wurden Drogen im Blut festgestellt. In einem Brief entschuldigte sich der Angeklagte später bei den Eltern der Toten: „Ich weiß, es gibt nichts, das den Verlust gutmachen kann.... Es hätte nie soweit kommen dürfen.“

Der Vater der Toten, der gestern als Zeuge aussagte, erklärte, er könne die Entschuldigung nicht annehmen. „So eine Tat kann man nicht entschuldigen“, sagte er. Der Prozess soll am 17. Juni mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt werden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen