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Filmfestleitung weiter in Kritik : „Nicht warten, bis der Ruf endgültig ruiniert ist"

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Jetzt müsse das nächste Filmkunstfest im Fokus stehen, so der Wunsch von Filmland-Chef Jahn. In der Filmbranche ist es anders - so verstummen die Stimmen nicht, mit ihrer Kritik an den Zuständen in der Filmfestleitung.

svz.de von
erstellt am 10.Jan.2012 | 10:26 Uhr

Schwerin | Jetzt müsse das nächste Filmkunstfest im Fokus stehen, so der Wunsch von Filmland-Chef Torsten Jahn gestern in unserer Zeitung. In der Filmbranche sieht man das offensichtlich anders - und so verstummen die Stimmen nicht, die nach der Demontage von Stefan Fichtner als Künstlerischem Leiter - dem dritten in zwei Jahren - mit ihrer Kritik an den Zuständen in der Filmfestleitung nicht hinter dem Berg halten.

Regisseur Dieter Schumann ("Flüstern & Schreien"), der 1991 das Filmkunstfest Schwerin als Gründungsdirektor mit aus der Taufe hob, hat natürlich eine besondere Beziehung zu diesem Festival. Es sei in den mehr als 20 Jahren zu einem "wunderbaren Publikumsfestival" geworden, mit einer Atmosphäre, die Filmemacher, Zuschauer und Stars gleichermaßen fasziniere. "Diesen Kredit darf man nicht verspielen. Mitansehen zu müssen, wie das Festival nach und nach in seiner künstlerischen Substanz bröckelt, tut weh."

In Deutschland gibt es mehr als 200 Festivals, so Schumann, der 2011 mit "Wadans Welt" einen der erfolgreichsten deutschen Dokumentarfilme in die Kinos brachte. Werde der Ruf des Festivals weiter ruiniert, verschwände Schwerin in der Bedeutungslosigkeit. Die Karawane ziehe weiter zu einem anderen Filmfest. Es würde Jahre dauern, verloren gegangenes Renommee wieder aufzubauen.

Als einzigen Weg, die Erosion zu stoppen, so Schumann, sei ein Befreiungsschlag in der Leitung. "Das Festival unter Leitung Torsten Jahns ist keine Garantie für künstlerische Kompetenz und damit die Zukunft des Filmkunstfestes MV." Regisseur Dieter Schumann regt an, über eine neue Organisationsstruktur außerhalb der Filmland gGmbH nachzudenken. Das Filmfest müsse von Leuten repräsentiert und geleitet werden, die sich vorrangig von künstlerischen Ambitionen leiten ließen.

Auch Ulrich Matthes hält die neue Konstruktion - Programmredaktion und ein auch für den künstlerischen Bereich verantwortlicher Geschäftsführer - für problematisch. "Meine Lebenserfahrung spricht dagegen, dass es so funktioniert", sagt der Schauspieler ("Der Untergang", "Novemberkind"). Außerdem habe er den nun abgesetzten Künstlerischen Leiter Stefan Fichtner und dessen Arbeit sehr geschätzt. Er sei von Fichtner für die Jury des Filmkunstfestes angefragt gewesen, er habe auch zugesagt, betonte Matthes gegenüber unserer Zeitung, "aber jetzt mache ich definitiv nicht mehr mit. Das ist für mich ganz normal und eine Frage der Solidarität".

Nicht glücklich ist auch Filmkritiker Klaus Dieter Felsmann, den das Filmkunstfestpublikum aus Filmtalks, Kinoseminaren und als Moderator von Publikumsgesprächen kennt. "Ich möchte betonen: Meine Kritik hat nichts mit Personen zu tun. Aber es ist schon ein Zeichen, wenn der Künstlerische Leiter einfach abgeschafft wird", sagt Felsmann. Mit den neuen Strukturen werde nun Grundsätzliches geändert: "Der künstlerische Aspekt wird zurückgedrängt, es herrscht der Primat des Ökonomischen." Das sei die "Ideologie der Optimierung" und sehr bedenklich. Felsmanns Fazit fällt angesichts der Veränderungen klar aus: "Ich bin nicht mehr dabei."


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