Radwege in MV : Nicht überall rollt es rund

Laut Fahrrad-Club entspricht kein Weg den aktuellen Richtlinien. dpa
Laut Fahrrad-Club entspricht kein Weg den aktuellen Richtlinien. dpa

Mit mehr als 7000 Kilometern ausgeschilderten Radwegen ist MV ein Mekka für Pedalritter. Doch nicht ein einziger Radweg entspricht laut Fahrrad-Club den aktuellen Richtlinien.

svz.de von
17. Januar 2013, 05:55 Uhr

Rostock | Masse statt Klasse: Mit mehr als 7000 Kilometern ausgeschilderten Radwegen ist Mecklenburg-Vorpommern ein Mekka für Pedalritter. "Doch nicht ein einziger Radwege im Land entspricht den aktuellen Empfehlungen für den Radwegebau, wenn man die Strecken von Anfang bis Ende betrachtet", kritisiert Thomas Möller, Vorsitzender des Landesverbandes des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Da würden Radwege einfach irgendwo enden und die Radler sich selbst überlassen. Straßenquerungen seien nicht vernünftig gesichert, die Oberflächen zum Teil schlecht und die Trassen zu schmal. "Wenn ich mehr Radverkehr haben möchte, kann ich mit so schmalen Wegen und engen Kurvenradien nichts anfangen", so Möller. "Und mit dem Trend zu Pedelecs, die deutlich schneller als der durchschnittliche Radfahrer sind, wird das sogar zum Sicherheitsrisiko."

Acht Radfernwege und 21 Rundtouren stehen radelnden Touristen im Land zur Auswahl. "Fast jeder zweite Gast in MV will in seinem Urlaub mindestens einmal aufs Rad steigen", sagt Marianne Schulz vom Landestourismusverband. "Jeder fünfte ist sogar ein Radwanderer im eigentlichen Sinne." Und so gehöre Mecklenburg-Vorpommern laut ADFC-Radreiseanalyse seit zehn Jahren stets zu den beliebtesten Radreiseregionen Deutschlands. Den absoluten Spitzenplatz musste man im Vorjahr allerdings an Bayern abtreten. Mit dem Elberadweg führt zudem der beliebteste deutsche Radfernweg durchs Land. "Wer auf Radfernwegen unterwegs ist, will jedoch beste Qualität", sagt Marianne Schulz. "Und da sind andere Regionen zum Teil besser." Wer in Brandenburg über Asphalt rollt, sei nicht gerade begeistert, wenn er in MV plötzlich nur auf einem Weg mit wassergebundener Decke steht. Auch bei der Ausschilderung, bei der mancher Landkreis sein eigenes Süppchen gekocht hat, gebe es Defizite. Das Problem sei, dass viele Kommunen den Eigenanteil nicht aufbringen können, um Fördermittel für den Radwegebau zu nutzen, so Schulz. "Tourismus ist eben eine freiwillige Aufgabe…" Dabei bringen gerade Radtouristen viel Geld ins Land. Laut ADFC geben sie unterwegs pro Kopf und Tag rund 70 Euro aus.

Das Land hat dieses Potenzial durchaus erkannt. Seit 2008 wurden 58 Maßnahmen mit Zuschüssen von insgesamt rund 21 Millionen Euro gefördert. Allein im Vorjahr waren es 8,3 Millionen Euro. "Aber es gibt noch eine Menge zu tun", räumt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ein. Wichtig seien auf die Zielgruppe abgestimmte Angebote. "Hierzu gehören eine gut ausgebaute Infrastruktur, aber auch touristische Angebote wie Hotels und Pensionen, Pannenservice oder Radvermietungen."

ADFC-Experte Möller fehlt allerdings ein klares, von Fachleuten erstelltes Konzept, wohin das Land in puncto Radwegenetz kommen will und wie man das erreichen kann. "Es reicht nicht, Kommunen und Verbände mit entsprechenden Erhebungen zu beauftragen", so Möller. Und so erfolge die Förderung aus seiner Sicht häufig nach dem Prinzip "Wer am lautesten schreit…".

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