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Neue Hermann-Kant-Biografie : "Nicht ohne Utopie"

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Der Autor Hermann Kant feiert am Freitag seinen 87. Geburtstag. Nun ist eine neue Biografie über ihn erschienen. "Nicht ohne Utopie - der Schriftsteller Hermann Kant" gibt ganz neue Einblicke in sein Leben.

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erstellt am 13.Jun.2013 | 06:33 Uhr

Eine Hermann-Kant-Biografie und noch viel mehr, möchte ich es nennen. Mir war nach der Lektüre, als käme ich gerade von der Demonstration auf dem Alexanderplatz am 4. November 1990. Dieses Buch rührt an den "Schlaf der Geschichte" und - mit den Worten der Autorin - "ist mir ins Getriebe geraten". An Hand einer Ost-Biografie erzählt eine West-Frau deutsche Vergangenheit. Ihre Fabel ist das Leben von Hermann Kant.

Die Autorin Linde Salber ist über Kants Roman "Der Aufenthalt" gestolpert. Sie wusste von DDR-Literatur wenig und von Kant gar nichts. Nun liest sie sein Buch. Über das Stöbern in fremden Revieren entsteht eine Annäherung an die andere Lebensart. Gleichzeitig entfernt sie sich von der Gewissheit eigenen Lebens. Es mag ihr wie Hermann Kant ergangen sein, der mit 18 nach vier Wochen Soldatsein vier Jahre in Gefangenschaft saß, der fähig war, in Frage zu stellen, was er meinte, für immer zu wissen, und später sagte: "Es war der wichtigste Abschnitt meines Daseins geworden. Denn er hat mich für den Rest des Lebens verlässlich ausgestattet." "Nicht ohne Utopie" - Linde Salber, die versierte Rechercheurin, erspart uns, selbst den Wust, "die ganze Haspelei gelebten Lebens" in den Kontext zu bringen zu Kriegsereignissen, Kindsgeburten, Neuland unterm Pflug, Machtgewinn und Machtverlust, Ehescheidung, neuer Liebe, Müdewerden, sozialistischem Alltag und Kaltem Krieg. Im Mittelpunkt von 630 Seiten - Hermann Kant, der Autor von Weltliteratur, und Hermann Kant, der Funktionär. Sein Leben zeigt, wie Kunst und Politik für ihn immer zusammengehören. Die Fragen, die wir ihm stellen, kommen zum Rufer zurück. Das ist die Kunst der Autorin. Sie hat Biografie und Zeitgeschehen so zueinandergefügt, dass eine Dreier-Beziehung entsteht: Er (Hermann Kant), es (das Zeitgeschehen) und ich (der Leser). Utopie klingt wie "undurchführbar". Dieses Buch aber und Kants Biografie erzählen von der alltäglichen Auseinandersetzung für ein realistisches Ziel. Im "Nach-Worte" sagt Kant: "Wir strauchelten und sind für lange Zeit aus unseren Träumen gestürzt." Das ist nicht das Ende vom Sozialismus; das Ziel ist fern, aber nicht utopisch. Linde Salber: "Nicht ohne Utopie - der Schriftsteller Hermann Kant", Bouvier-Verlag Bonn, 2013, 630 S., ISBN 978-3-416-03340-4

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