Peter Lohmeyer im Theater Schwerin : Nicht nur Suff und Absturz

Schauspieler Peter Lohmeyer (M.) und der „Club der toten Dichter“
Schauspieler Peter Lohmeyer (M.) und der „Club der toten Dichter“

Peter Lohmeyer gastiert mit dem „Club der toten Dichter“ und dem Programm „Charles Bukowski – Gedichte neu vertont“ im Staatstheater

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10. Mai 2017, 12:00 Uhr

Der Schauspieler Peter Lohmeyer ist Gastsänger im „Club der toten Dichter“, der sich diesmal Charles Bukowski widmet. Der amerikanische Kultautor ist der fünfte Dichter, dessen Werke der Musiker Reinhardt Repke in den letzten zehn Jahren vertonte. Gunnar Leue sprach mit Peter Lohmeyer über die Faszination und den Respekt vor der Vertonung der Gedichte des berühmten amerikanischen Outsider-Poeten

Wie konnten Sie sich als Gastsänger qualifizieren, durch Sufferfahrungen oder Scheißjobs im Leben á la Bukowski?
Ich habe mal in einer Kokerei gearbeitet und nach drei Wochen gewusst: Danke, das reicht. Aber dass ich am Rande der Gesellschaft gelebt hätte, wie Bukowski, ne, das kann ich nun wirklich nicht behaupten.

Bukowski wurde 1962 von einer amerikanischen Literaturzeitschrift zum „Outsider of the Year“ gekürt. Haben Sie Outsider-Erfahrungen?
Zum Outsider wirst du ja gemacht. Bukowski hatte eine Scheißkindheit, weil er nicht nur mit schwerer Akne gestraft war, sondern ihm auch sein Vater das Leben zur Hölle machte. Ich habe mich höchstens selbst ausgegrenzt, durch lange Haare, freakige Klamotten und durch Gedanken. In unserem erzkonservativen Gymnasium bin ich mit dem „Manifest“ von Karl Marx in der Hand und in einer roten Daunenjacke mit den draufgesprühten Worten „Red Rat“ rumgerannt. So habe ich versucht, mich selber an den Rand zu stellen, um besonders zu sein. Und warum? Bukowski hat darauf im Prinzip die Antwort gegeben: Wenn du am Rande stehst, meinte er, kannst du auf das andere runter oder auch rauf schauen.

Live: „Club der Toten Dichter“ mit Peter Lohmeyer am 13. Mai um 19.30 Uhr im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin. Kartentelefon: 0385 5300 - 123
 
Wie war Ihre erste Berührung mit dem Dichter Bukowski?
Wie wohl bei jedem in meiner Generation. Irgendwo lag mal ein Buch von ihm auf dem Klo oder man hat eins geklaut oder einer, der schon weiter war, hat einem ein Buch zum Lesen mitgegeben. Dass ich jetzt Bukowski im „Club der toten Dichter“ interpretiere – das ist, als hätte jemand eine Tür in einen Raum aufgemacht, in dem man schon mal zu tun hatte.

Hätte Sie auch die Vertonung eines anderen Dichters als Bukowski interessiert?
Schwer zu sagen. Auf jeden Fall hatte sein Name bei mir gleich etwas angestoßen, was ich gar nicht genau definieren kann. Ich bin ja eh so ein Bauchmensch und hatte sofort dieses Gefühl: Bukowski, hey, da war doch mal was vor 30 Jahren.

Gab das auch den Anstoß, sich noch mal intensiv mit ihm zu beschäftigen?
Jein. Wenn ich ein Drehbuch kriege und einen Taxifahrer spielen soll, lege ich auch keine Zwölfstundenschicht als Taxifahrer hin, um mich in die Rolle einzufühlen. Allerdings bin ich durchaus noch mal in den Bukowski-Kosmos eingetaucht, klar. Wenn du die Gedichte intensiv liest und hörst, ziehen die dich automatisch voll in ihre Welt hinein. Zumal in ihnen immer auch ein Stück der eigenen Erfahrungen enthalten sind.

Es gibt sicher Erwartungshaltungen, wenn man Bukowski singt. Wahrscheinlich denken viele gleich an etwas Tom Waits-Mäßiges....
Klar, das hat natürlich mit seinem Werk zu tun und den ganzen Klischees Saufen, Ficken, Absturz.

Sie bedienen mit ihrem Gesang die eben erwähnte Erwartungshaltung überhaupt nicht.
In der Hinsicht fühle ich mich total frei. Ich behaupte in meiner Naivität und mit einem gewissen Selbstbewusstsein, dass ich alles spielen kann. Und beim Singen versuche ich eben auch meinen eigenen Stil. Außerdem werden sich die Musiker etwas dabei gedacht haben, die Nummer mit mir zu machen. Selbstverständlich hätte es jeder andere Sänger anders interpretiert. So ein Gedicht steht ja erst mal nur auf dem Papier, und wir versuchen halt, das Papier schweben zu lassen.

Romanverfilmungen gehen oft in die Binsen, das Vertonen von Gedichten dürfte mindestens genauso so schwierig sein. Hatten Sie gar keinem Bammel?
Natürlich, ist ja schließlich Neuland für mich, wobei ich schon Musik gemacht habe. Ich hatte den Jungs auch gleich gesagt: Ihr könnt mich sofort rausschmeißen, wenn es nicht hinhaut.

Als Musiker sind Sie ja keineswegs unerfahren.
Ich hatte mit Nils Koppruch, dem leider verstorbenen Sänger von Fink, und mit Günther Märtens das Bandprojekt Hotel Rex. Begonnen hatte das mit einem Johnny Cash-Tribut, einem Hörbuch. Wir waren auch ein paar Mal auf Tour. Ich habe mich dann selber ein bisschen an Melodien und Songtexten versucht, und einmal habe ich auch einen Song bei den Fehlfarben auf ihre Platte gesungen. Insofern bin ich nicht ganz grün. Aber natürlich höre ich schon die Mäkler: Jetzt muss der Herr Schauspieler auch noch singen! Doch das ist Bullshit, denn erstens gibt’s Crossover auch andersrum und zweitens muss sich das ja niemand anhören. Und ich muss auch niemandem was beweisen. Ich bin jedenfalls froh und stolz, dass es gut geworden ist, was wir gemacht haben.

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