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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 04:36 Uhr

Nicht nur Schmalspurdenken

vom

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erstellt am 18.Jan.2012 | 10:24 Uhr

Rostock | Stefanie Wild ist eine angehende Ärztin, wie sie sich Landespolitiker wünschen: Sie ist in Jürgenstorf bei Stavenhagen aufgewachsen, hat in Rostock studiert und möchte auch nach der Facharztausbildung zur Allgemeinmedizinerin im Land bleiben. "Ich finde die Allgemeinmedizin reizvoll, man fährt nicht nur auf einer Schiene wie in anderen Facharzt-Richtungen, und vor allem: Man hat engen familiären Kontakt zu den Patienten, das gefällt mir", erzählt die junge Frau, die seit September 2010 am Rostocker Universitätsklinikum ihre Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin absolviert. Nach zwölf Monaten in der Inneren Medizin arbeitet sie zur Zeit in der unfallchirurgischen Ambulanz. Fünf Jahre wird die Facharztausbildung insgesamt dauern - Stefanie Wilds Tochter wird schon zur Schule gehen, wenn ihre Mutter sich entscheiden muss, ob und wo sie einmal eine Praxis eröffnen möchte.

Und genau da liegt der Haken in der Zukunftsplanung der jungen Medizinerin: "Die Hausärztin bei meinen Eltern hat mir schon ihre Praxis angeboten - aber ehrlich gesagt würde ich lieber in Rostock bleiben", gesteht die junge Frau. Denn auch wenn sie es genossen hätte, auf dem Land aufgewachsen zu sein - heute seien die Bedingungen einfach anders. Es gäbe oft weder Kita noch Schule, man müsse die Kinder überall hinfahren - das mit dem beruflichen Pensum unter einen Hut zu bekommen, sei sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich. Aus diesem Grund würde sie darum später auch lieber in eine Gemeinschaftspraxis einsteigen, statt allein zu arbeiten.

So sieht es auch Christian Klein, der bereits 2009 mit der Facharztausbildung in Rostock begonnen hat. "Eine Gemeinschaftspraxis ist einfach günstiger für die Patienten und auch für einen selbst, denn es gibt immer noch einen zweiten Ansprechpartner in der Praxis - das macht auch Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen leichter."

Christian Klein hatte bisher das Glück des Tüchtigen: Als Rostocker bekam er in seiner Heimatstadt einen Medizinstudienplatz und anschließend eine Weiterbildungsstelle zum Allgemeinmediziner. "Ich konnte mich schon im Studium nicht für eine einzelne Richtung entscheiden, da kommt mir die Allgemeinmedizin entgegen", erzählt er. "Ich will einfach kein Schmalspurmediziner werden, sondern mit allen Generationen und mit möglichst allen Krankheitsbildern in Berührung kommen." Das Bild vom Hausarzt als Lotse im Gesundheitssystem gefällt ihm, doch um diese Lotsenfunktion ausfüllen zu können, muss er - um im Bild zu bleiben - auch die umliegenden Gewässer aus dem Effeff kennen. "Hier in Rostock sind mir die die Versorgungsstrukturen aus der Ausbildung vertraut, hier würde es mir also leicht fallen, Patienten gegebenenfalls an den richtigen Spezialisten weiterzuverweisen." Das sei ein Punkt, der dafür sprechen würde, sich als Hausarzt in Rostock niederzulassen. Ein weiterer wäre die Familie: Auch seine Freundin stammt aus Rostock, dort zu bleiben würde zudem die Betreuung des gemeinsamen Kindes erleichtern.

Er sei "vom Lebensgefühl her ein Stadtmensch", und doch gebe es auch Dinge, die dagegen sprechen würden, sich später in Rostock niederzulassen: "Die Arbeit auf dem Land ist einfach interessanter", glaubt Christian Klein. Zum einen würde das Spektrum der Erkrankungen, mit denen man dort zu tun bekommt, viel größer sein. Zum anderen müsse ein Landarzt einfach mehr selbst machen als seine Kollegen in der Stadt - denn eine Überweisung zum Spezialisten sei für Patienten auf dem Land oft eine wahre Odyssee .

Endgültig entscheiden will sich Christian Klein erst, wenn er den Praxisteil seiner Ausbildung absolviert - bei einem Hausarzt in der Rostocker Region. Dann wird er sich auch ein Bild davon machen können, ob ausufernde Bürokratie und überfüllte Wartezimmer den Arztberuf tatsächlich so unattraktiv machen, wie viele "fertige" Mediziner heute beklagen.

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