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Kita-Vollverpflegung : Nicht nur gesund und vollwertig

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vernetzungsstelle: Qualität der Kita-Vollverpflegung ist vielerorts noch verbesserungswürdig / Problem: Verbindliche Vorgaben fehlen

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Gesund und vollwertig soll sie sein, die Vollverpflegung, die seit Jahresbeginn in allen Kindertagesstätten im Land Pflicht ist. Wenn in den letzten Monaten über Frühstück, Mittagessen und Vesper in der Kita diskutiert wurde, ging es allerdings vor allem um Abrechnungsmodalitäten und Preise. Jetzt rückt endlich auch die Qualität des Essens in den Fokus, so die Leiterin der in Schwerin ansässigen Vernetzungsstelle Kita-Verpflegung, Roswitha Bley. Von dem im Kindertagesförderungsgesetz (Kifög) formulierten Anspruch – gesund und vollwertig – ist das tatsächliche Angebot nämlich mitunter noch weit entfernt. Das, so Roswitha Bley, liegt auch daran, dass das Gesetz lediglich die Orientierung an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt. „Es gibt aber keine Festlegungen, was gemeint ist – und was überhaupt in die Grundversorgung hineingehört“, bedauert Bley. Das ginge nicht nur zu Lasten der Qualität, es mache es auch schwer, die Konditionen einzelner Essens-Anbieter zu vergleichen. „Eine Muster-Ausschreibung vom Land wäre hier wirklich hilfreich.“

Das Bewusstsein dafür, Kinder vollwertig und gesund zu ernähren, sei durchaus da. Entsprechende Weiterbildungsangebote der Vernetzungsstelle seien stets ausgebucht, betont Roswitha Bley. Immer mehr Eltern und Kita-Träger würden zudem bei ihr nachfragen, ob es in ihrer Region DGE-zertifizierte Caterer gibt. Derzeit hätten allerdings erst acht Anbieter im Land das Zertifikat erworben, so Bley – was auch an dem aufwendigen, über ein Jahr dauernden Verfahren liegt. Und sie weiß auch, dass es gerade auf dem Land oft schwierig ist, überhaupt irgendeinen Anbieter zu finden, der bereit ist, täglich nur 20 bis 30 Kinder in einer Einrichtung zu beliefern. „Es gibt inzwischen viele Anbieter, die aus der Kita- oder Schulverpflegung aussteigen, weil sie sich einfach nicht rechnet“, so Roswitha Bley. Da seien dann oft der örtliche Fleischer oder der Imbiss um die Ecke die letzte Rettung – „aber Grundsätze wie der, dass Kinder nicht täglich Fleisch essen sollten, bleiben dann meistens auf der Strecke“.

Maximal zwei Fleischtage pro Woche, dafür wenigstens einmal Seefisch und zweimal vegetarischer Mittagstisch – das gehört Bley zufolge genauso zu den Grundsätzen gesunder und vollwertiger Ernährung wie der tägliche Verzehr von Vollkornprodukten und Rohkost. Stark gesüßte und fetthaltige Lebensmittel – beispielsweise Streichwürste – sind dagegen nach den Grundsätzen der DGE für Kinder verzichtbar. In der Realität allerdings entscheiden zu häufig noch geschmackliche Vorlieben der Erzieherinnen darüber, was bei den Kindern auf den Teller kommt, bedauert Roswitha Bley. „Zu Frühstück und Vesper wird noch immer zu viel Fleisch und Wurst angeboten“, zählt sie weitere Missstände auf. Überhaupt sei die „Mahlzeitendichte“ in den meisten Kitas viel zu hoch, „dass es auch längere essensfreie Zeiten geben muss, wird gar nicht mehr berücksichtigt – wohl auch aus Angst, die Eltern könnten sich darüber beschweren, dass ihre Kinder nicht satt werden.“

Änderungsbedarf sieht die Ernährungsexpertin auch bei der Einbeziehung der Kinder in die Vor- und Nachbereitung der Mahlzeiten: „Sie bekommen viel zu häufig einfach alles vorgesetzt, statt zum Beispiel selbst in die Vorbereitung des Obstfrühstücks einbezogen zu werden.“

 

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