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Nicht gezahlt: Yachthafen ohne neuen Besitzer

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erstellt am 17.Mai.2010 | 09:24 Uhr

Grevesmühlen | Der Yachthafen Hohen Wieschendorf bleibt vorerst, was er seit mehr als sechs Jahren ist: eine Investruine. Zwar hatte es bei der zweiten Zwangsversteigerung der idyllisch an der Wismarbucht gelegenen Marina Mitte April einen Bieter gegeben. Doch gestern nahm das Amtsgericht Grevesmühlen allen noch verbliebenen Optimisten den Wind aus den Segeln. Die zuständige Rechtspflegerin versagte dem Unternehmer Eckart Bucher den endgültigen Zuschlag. Er hatte die geforderte Sicherheitseinlage von rund einer halben Million Euro nicht gezahlt - und damit die wichtigste Bedingung der Gläubigerbank für den Erwerb nicht erfüllt. Der potentielle Investor, eigenen Angaben nach in der Tourismusbranche tätig, war bei der Zwangsversteigerung der einzige Interessent und hatte knapp über vier Millionen Euro geboten. Ein Gutachten hatte den Verkehrswert der fast fertigen Anlage mit Hafen und rund 80 Ferienwohnungen direkt am Strand auf 5,3 Millionen Euro beziffert. Beobachter der Zwangsversteigerung hatten sich gewundert, warum Bucher bietet - ohne bereits für die übliche "Anzahlung" in Höhe von etwa zehn Prozent gesorgt zu haben. Außerdem hatte der Unternehmer bei der Zwangsversteigerung keinen aktuellen Auszug aus dem Handelsregister für die "Marina Hotel Hohen Wieschendorf GmbH" vorgelegt, die als neuer Besitzer der Anlage ins Grundbuch eingetragen werden sollte. Die Bank hatte dann für die Zahlung der Sicherheitseinlage die Frist bis gestern gesetzt. In etwa einem Monat wäre der gesamte Kaufpreis fällig gewesen. Eckart Bucher selbst sprach gestern von Problemen bei der "technischen Abwicklung" des Geldtransfers. "Wir haben die Bank um mehr Zeit gebeten, aber keine Antwort erhalten." Er und sein Geschäftspartner, der niederländische Bauunternehmer Esper van Heesewijk, seien weiter am Erwerb der Anlage interessiert. Elf Millionen Euro wolle er investieren, um den Yachthafen samt Hotel in der kommenden Saison zu eröffnen. Auf das Objekt habe ihn der frühere Investor aufmerksam gemacht - der Lübecker Geschäftsmann Michael Veit Iwanschitz. Gegen den hatte die Staatsanwaltschaft 2004 Anklage wegen Subventionsbetruges erhoben.
Das Procedere einer Zwangsversteigerung hätte Bucher schon von der ersten Veranstaltung im vorigen Jahr her bekannt sein müssen. Da war er überraschend von einem illustren Rostocker mit Pass aus dem Steuerparadies Andorra ausgebootet worden. Doch der war genauso plötzlich wieder verschwunden wie er aufgetaucht war. Innerhalb von sechs Monaten muss die Bank nun entscheiden, ob der Yachthafen ein drittes Mal in einer Zwangsversteigerung unter den Hammer kommen soll. Bucher will dann wieder mitbieten.

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