Ortsschilder im Fokus von Dieben : Nicht bloß Schildbürgerstreiche

Nur noch ein leerer Rahmen am Ortseingang aus Richtung Hohen Viecheln. Zwei solche Ventschow-Ortsschilder sind verschwunden.  Fotos: Michael Beitien
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Kuriose Ortsnamen und Geschwindigkeitsbegrenzungen wecken so manche Begehrlichkeit – Dieben drohen Geld- oder im Extremfall sogar Gefängnisstrafen

Karin.jpg von
07. August 2015, 06:30 Uhr

Aalbude, Kummer, Dümmer, Sorgenlos, Schabernack: Viele Ortsnamen in Mecklenburg-Vorpommern lassen den Reisenden schmunzeln – und so manchen offenbar auch zu Schraubenzieher und Zange greifen, um sich mit dem Ortsschild ein einmaliges Souvenir zu sichern.

„Nicht alltägliche Ortsnamen sind bei Schilderdieben beliebt“, bestätigt der Sprecher des Schweriner Verkehrsministeriums, Steffen Wehner. Doch auch andere Ortsschilder weckten als „besondere Andenken“ Begehrlichkeiten. Schließlich gibt es nicht wenige Orte im Nordosten, die man eigentlich viel weiter entfernt vermutet – Salem, Troja, Kamerun oder Rom. Und nicht selten heißen Orte so wie Familien – Badow, Grabow, Gramkow, Barth. Auch hier mag der Eine oder Andere einen Anreiz sehen, sich das entsprechende Schild mit nach Hause zu nehmen.

„Am häufigsten aber werden Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung entwendet“, hat Wehner in einer Umfrage bei den drei Straßenbauämtern im Land in Erfahrung gebracht. Ob 30, 40, 50, 70 oder 80 – entsprechende Schilder werden offenbar gerne mal als Geschenke zu runden Geburtstagen „mitgebracht“. „Der Diebstahl wird grundsätzlich angezeigt. Aber von einer Aufklärung ist nicht auszugehen“, muss der Ministeriumssprecher eingestehen.

Wie hoch die entstandenen Schäden sind, sei schwer zu beziffern. „Neben der Neubeschaffung der Schilder müssen auch die Lohn- und Fahrzeugkosten für das Neuaufstellen bzw. den Anbau an die Schilderpfosten und der Verwaltungsaufwand für Bestellung, Buchhaltung, Anzeige etc. berücksichtigt werden.“ Das Straßenbauamt Neustrelitz habe eine umfängliche Kostenschätzung gewagt und komme auf einen jährlichen Schaden von rund 25 000 Euro. Das Straßenbauamt Schwerin vermag Wehner zufolge keine Schadenssumme zu schätzen. Im Straßenbauamt Stralsund gehe man von weniger als 5000 Euro pro Jahr aus – dabei seien allerdings nur die reinen Materialkosten berücksichtigt.

Die Polizei wertet den Schilderklau als gefährlichen Eingriff in den Verkehr. Wenn das Leben anderer Menschen durch die Beseitigung der Zeichen gefährdet werde, liege eine Straftat vor, sagt Carolin Radloff, die Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg.

Ihr Schweriner Kollege Steffen Salow ergänzt: „Grundsätzlich ist die Entwendung ein Diebstahlsdelikt gemäß § 242 Strafgesetzbuch (StGB). Wer mit Kraftaufwand bzw. ,großer Mühe‘ so ein Schild abbaut, aus dem Boden reißt, aus einer Verankerung zieht, kann nach Prüfung des Einzelfalls den Tatbestand eines besonders schweren Falls des Diebstahls erfüllt haben.“ Der Gesetzgeber sehe in Fällen des Diebstahls eine Strafandrohung bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder Geldstrafe vor. „Im Fall eines besonders schweren Falls des Diebstahls gemäß § 243 StGB droht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren an“, so Salow weiter. Die Höhe der Strafe sei immer einzelfallabhängig und an die Umstände gebunden. Die Wegnahme von Stop- oder Vorfahrtsschildern und eine damit verbundene Gefährdungssituation könnte den Tatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erfüllt haben, so der Polizeisprecher. In diesen Fällen drohe eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug bis zu fünf Jahren.

Allerdings: Im gesamten vergangenen Jahr hat in Schwerin niemand Anzeige wegen gestohlener oder zerstörter Schilder erstattet. Möglicherweise rechnen sich Diebe im ländlichen Raum eher Chancen aus, unbeobachtet zu bleiben. „Auch für Rostock ist Schilderklau kein Thema“, erklärt die Sprecherin der dortigen Polizeiinspektion, Yvonne Hanske. Sie könne sich nur an einen einzigen, auch schon sehr weit zurückliegenden Fall erinnern, „wo wir die Leute mit dem Schild auf der Schulter erwischt haben“. Das Diebesgut konnte daraufhin sofort zum Bauhof zurückgebracht und das Schild wieder angebaut werden.

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