Fritz-Reuter-Bühne : Nich bloots een Hart un Schockelor

Simon Grundbacher, Christoph Reiche, Stefanie Fromm, Andreas Auer (v.l.)
Simon Grundbacher, Christoph Reiche, Stefanie Fromm, Andreas Auer (v.l.)

Premiere der Fritz-Reuter-Bühne mit leichter Komödie um lauter süße Sachen

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21. Mai 2018, 21:00 Uhr

Sind auch, so zumindest Brecht, zu „Pfingsten die Geschenke am geringsten“, überrascht doch die Fritz-Reuter-Bühne ihr Publikum ausgerechnet zum „lieblichen Fest“ (Goethe) mit Pralinen, Sanddornbällchen, Trüffeln mit und ohne Rum, Baisers, also mit lauter süßen Köstlichkeiten – entnommen aus „Coeur Chocolat“, dem theatralischen Erstling der Frankokanadierin Valerie Setaire. Die Komödie wird deutschlandweit rauf und runter gespielt, und Ulrike Stern fügte dem nun die niederdeutsche Fassung hinzu: „Ein Hart ut Schokolaad“. Am Sonnabend hatte diese in der Inszenierung von Jörg Schade im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin Premiere.

Doch bevor auf der Bühne das große Naschen beginnen kann, gibt’s reichlich Probleme. Christoph Reiche spielt den maitre chocolatier mit dem beziehungsreichen Namen Hinrich Seute, dem nicht nur die Frau, sondern – viel schlimmer – auch Geschmacks- und Geruchssinn abhanden gekommen sind. Eigentlich das Aus für den Traditionsladen „Säutes Läben“. Eine neue Frau muss ran für Hinrich, befinden Freund und Hausarzt Ludwig Mager (Andreas Auer) und Praktikant Patrick (Simon Grundbacher). Der Rettungsversuch, von beiden initiiert, führt ins Chaos, die Vermengelierung von Kontakt- und Stellenanzeige zur Fraueninvasion in Hinrichs sympathisch altmodischem Schokoladenladen (Bühnenbild von Norbert Drossel). Und mit dieser schlägt frei nach Graham Greene die „Stunde der Komödiantin“ Stefanie Fromm, die als einzige Frau im Darsteller-Quartett in gleich sechs Rollen schlüpfen darf. (in „Harald un Maud“ waren es bereits deren vier gewesen). Mit sichtlichem Vergnügen an diesem Spiel wechselt sie von der Elsa, einem derben Landei mit unverstellter Erotik, zur selbstbewussten Bikerbraut Charlotte, taucht wenig später als ätherisch schwebende New-Age-Tusse Jackelin im Hippie-Look wieder auf, wuselt als kurzberockte hektisch Fragen stellende Isabell über die Bühne und macht noch mit einer Stippvisite als russische Domina Tatjana das Chaos um den gebeutelten Chocolatier Hinrich komplett. Großes Kompliment für diese Leistung. Und Kompliment auch an Kostüm (Christine Jacob) und Maske, die diese schnellen Wechsel möglich machen. Das waren nur fünf Rollen? Die sechste kriegen wir später.

Christoph Reiche kann man in der Rolle des verzweifelten Mittelständlers am Rande des Ruins deutlich zurückgenommener erleben als in vielen anderen Stücken. Er kann eben auch die leiseren Töne. Lediglich im Dauerzwist mit seinem zum Kreativen neigenden Praktikanten Patrick, lässt er einige Male den Dullbrägen von der Leine. Simon Grundbacher als Patrick liefert in „Ein Hart ut Schokolaad“ eine ansprechende, solide Leistung ab. Andreas Auer agiert als dem geistigen Getränk durchaus nicht abholder Hausarzt Ludwig mit gewohnt gutem Plattdeutsch und mimischer Präzision.

Zurück zur Handlung. „Wenn die Not aufs höchste steigt....“ Dann lässt ein Komödienautor den deus ex machina aus dem Schnürboden herab. In unserem Fall kommt dieser durch die Tür in Gestalt der patenten und beglückend normalen Sophie (wiederum Stefanie Fromm in Rolle Nr.6). Und „nun muß sich alles alles wenden“ (Ist von Uhland, deshalb das muß mit ß). Hinrichs „Hart ut Schokolaad“ erweicht. Vollständig. Alle Wogen glätten sich. Ende gut, alles gut. Hinrich kann vielleicht nicht mit Sophie in Baden-Baden baden, aber er kann sie ja in seinen Schokoladenladen laden. (Dissen ollen Snack hew ick siet de Premiere nich ut mien Kopp rutkrägen. Tschülliung!)

Fazit: „Ein Hart ut Schokolaad“ bietet eine leichte, sommerliche Kost, vermutlich bekömmlicher als zu viele Pralinen. Das Premierenpublikum spendete jedenfalls herzlichen Beifall.

Die nächsten Vorstellungen: 20.5.,18 Uhr, 24.5., 19.30 Uhr, 26.5., 19.30 Uhr, 27.5.,18. Uhr, 30.5., 19.30 Uhr, E-Werk, 3.6., 15 Uhr, 10.6.,18 Uhr  im Großen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters - Kartentelefon: 0385 53 00–123

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