Chance für Investruine : Neustart in Hohen Wieschendorf

Seit zehn Jahren stehen die Häuser der Ferienanlage Hochen Wieschendorf leer.
Seit zehn Jahren stehen die Häuser der Ferienanlage Hochen Wieschendorf leer.

Vergleichsvertrag zu Yacht-Hafen und Ferienanlage – größte Investruine an der mecklenburgischen Ostseeküste bekommt Chance

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11. März 2015, 21:00 Uhr

Die 83 Ferienwohnungen stehen seit zehn Jahren leer. Zwischen den verklinkerten Häusern hinterm Bauzaun wuchern Gestrüpp und Unkraut. Auch im fast fertigen Segelhafen mit 120 Liegeplätzen und drei Gebäuden für Hafenmeisterei, Restaurant, Ladenzeile und Appartements herrscht Flaute. Hohen Wieschendorf, 12 Kilometer westlich von Wismar, ist derzeit die größte Investruine an der mecklenburgischen Ostseeküste.

Eine Investorengruppe um den Salzburger Unternehmer Oliver Soini hatte die Marina und das Feriendorf Ende 2011 aus einer Insolvenzmasse für 3,5 Millionen Euro ersteigert. Doch 2013 sprach der Landkreis einen Baustopp aus. Grund: Die baurechtlichen Verhältnisse seien ungeklärt und der alte Bebauungsplan ungültig.

Jetzt soll das Projekt eine neue Chance bekommen. „Der Knoten ist zerschlagen“, freut sich Kerstin Weiß (SPD), seit Juli vergangenen Jahres Landrätin in Nordwestmecklenburg. Nach jahrelangem Streit hatten sich am Dienstag der Landkreis, die zuständige Gemeinde Hohenkirchen und die Eigentümer Oliver Soini und Michael Schäfer auf einen Vergleichsvertrag geeinigt.

Die wichtigste Ergebnisse: 1. Auf dem Anleger mit den 120 Liegeplätzen darf weiter gebaut werden. Der Eigentümer Michael Schäfer ist glücklich: „Von April an wollen wir dort endlich Gastronomie anbieten.“ In dem ersten Haus auf dem Anleger, dem Passagengebäude, würden demnächst Sanitäranlagen für Gäste der Marina und Standbesucher, eine Naturschutzstation und Flächen für kleine Geschäfte entstehen.

Zweiter Punkt der Vereinbarung: Die Gemeinde Hohenkirchen erstellt für die Ferienanlage mit den 83 Ferienwohnungen in 21 Häusern eine Bauleitplanung. Das ist nicht einfach, denn Hohen Wieschendorf liegt im „Europäischen Vogelschutzgebiet Wismarbucht“. Das Umweltministerium in Schwerin erarbeitet gerade einen Managementplan für das Vogelschutzgebiet. „Die Ergebnisse sollen im April vorliegen“, sagt Landrätin Weiß. Danach kann die Gemeinde in ihrer Bauleitplanung entscheiden, wie groß die Ferienanlage sein darf und welche weiteren Auflagen erteilt werden müssen. Bislang durfte aus Naturschutzgründen beispielsweise die Marina nur von April bis Oktober genutzt werden.

Die Investoren wären bereit, die Ferienanlage bei entsprechenden Auflagen zu verkleinern. „Den Verlust könnten wir möglicherweise dadurch ausgleichen, dass das Areal baulich aufgelockert wird und die Wohnungen damit an Wert gewinnen“, erklärt Investor Soini.

Die Gemeinde will sofort nach Bekanntgabe des Managementplans für das Vogelschutzgebiet mit der Bauleitplanung beginnen. Planaufstellung und Genehmigungsverfahren brauchen aber erfahrungsgemäß ein bis zwei Jahre. Der Beginn des Weiterbaus im Ferienpark ist deshalb nicht vor 2016 möglich. Der Vergleichsvertrag erlaubt den Investoren deshalb schon in diesem Jahr, eines der stehenden Gebäude als Musterhaus auszubauen. „Unabhängig von der Bauplanung werden wir in den nächsten Wochen das Äußere des Areals ansehnlicher gestalten“, kündigt Soini an. Die Anlage soll für potenzielle Käufer der Ferienwohnungen attraktiver gestaltet werden. Interessenten für die Wohnungen gebe es bereits.

Die Häuser und die Marina in Hohen Wieschendorf waren fast fertig, als der damalige Investor Michael Veit Iwanschitz 2005 in die Pleite ging. Der Lübecker Hotelier wollte die Anlage mit 17,65 Millionen Euro aufbauen – 10,5 Millionen sollten von seiner Bank kommen und 7,15 Millionen als Fördermittel vom Land. Das Landesförderinstitut bewilligte die Summe und zahlte davon 3,7 Millionen für die Marina aus. Das Geld steckte der Investor aber in zusätzliche Ferienwohnungen, die nicht förderfähig waren. Das Land forderte sein Geld zurück und Iwanschitz bekam wegen Subventionsbetrugs vom Schweriner Landgericht eine Bewährungsstrafe.

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