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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 00:20 Uhr

Neustart für Yachthafen Hohen Wieschendorf

vom

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erstellt am 12.Apr.2012 | 11:00 Uhr

Wismar | Wenn Geld stinken würde, dann müsste es im Yachthafen Hohen Wie schendorf an der Wismarbucht verbrannt riechen. 83 Ferienwohnungen stehen seit acht Jahren leer. Zwischen den verklinkerten Häusern wuchern Gestrüpp und Unkraut. Rot-weiße Absperrbänder flattern im Wind, und auch der fast fertige Hafen mit 120 Liegeplätzen und drei Gebäuden für Hafenmeisterei, Restaurant, Ladenzeile und 12 Appartments schlummert im Dornröschenschlaf. Kein Schiff. Baustopp seit 2004.

Doch in vier Wochen soll alles anders werden. "Ein wunderbarer Ort", schwärmt Immobilienfachmann Reinhold Dierkes. "Mitten in nahezu unberührter Natur ein Yachthafen und ein Feriendorf, das findet man kaum noch an der Ostsee", sagt der gebürtige Hamburger. Seit November 2011 gehört ihm und seiner Firma GST Service GmbH gemeinsam mit dem Geschäftsmann Oliver Soini aus Salzburg die Anlage auf der kleinen idyllischen Halbinsel nur 15 Kilometer von Wismar entfernt. Erworben hatten sie das Objekt bei einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht Grevesmühlen für drei Millionen Euro.

"Gemessen an den bereits getätigten Investitionen ein Schnäppchen", meint Dierkes. Etwa 13 Millionen Euro wurden zwischen 2002 und 2004 in der Marina verbaut. Trotzdem wollte jahrelang niemand kaufen und investieren. Zwei Zwangsversteigerungen blieben ohne Ergebnis. Denn die Risiken sind unübersehbar. In den Jahren des Stillstands ist das Baurecht erloschen. Außerdem darf die Marina zwischen Oktober und April nicht betrieben werden - Auflagen im Vogelschutzgebiet Wismarbucht. Auch sind vom Vorbesitzer die 12 Appartmentwohnungen am Hafen und einiges mehr ohne Genehmigung gebaut worden. Zudem ist der Schutz der Liegeplätze bei kräftigem Wind unzureichend.

Die Investoren kennen die Risiken. Dierkes ist kein Unbekannter in der Region. Er baut mit seiner Firma aus dem bayrischen Pullach 86 Wohnungen in Grevesmühlen. Den Hinweis auf Hohen Wieschendorf bekam er in der Kreisstadt von Landrätin Birgit Hesse (SPD) selbst.

Der Plan für Hohen Wieschendorf steht inzwischen. "Wir wollen die Ferienwohnungen mit Innenausbau und Außenanlagen fertigstellen und verkaufen", sagt Dierksen. Neben den drei Millionen Euro Kaufsumme sollen weitere sieben Millionen investiert werden. Der größte Teil davon wird für den Hafen gebraucht.

Dort soll schon am 1. Mai die Wismarer Kogge als erstes Schiff anlegen und die Saison eröffnen. Die Genehmigung für den Hafenbetrieb hat das Wasser- und Schifffahrtsamt in Lübeck bereits erteilt.

Auch mit den Bauarbeiten wollen die Investoren spätestens in ein bis zwei Monaten beginnen. Dazu muss der alte Bebauungsplan neu aufgelegt werden. Die Landrätin habe Unterstützung zugesagt, so Dierkes. "Ende dieser Woche soll den Invstoren die Entscheidung mitgeteilt werden", sagte eine Sprecherin des Landkreises Nordwestmecklenburg auf Nachfrage.

Im Landratsamt glaubt man, dass die Investruine Hohen Wieschendorf in guten Händen ist. "Solide Geschäftsleute", lautet dort die Einschätzung.

Das war nicht immer so. Millionen wurden auf der Halbinsel an der Wismarbucht durch den sprichwörtlichen Schornstein gejagt. Michael Veit Iwanschitz, ein Lübecker Hotelier, wollte das Feriendorf und die Marina mit 17,65 Millionen Euro aufbauen - 10,5 Millionen sollten von seiner Bank kommen und 7,15 Millionen als Fördermittel vom Land. Die Marina war fast fertig als das Bauverbot kam, weil dem Geschäftsmann Subventionsbetrug vorgeworfen wurde.

Er hatte einen Teil der Fördergelder, die für die Marina und 30 versprochene Dauerarbeitsplätzen genehmigt worden waren, illegal in die Ferienwohnungen gesteckt, die er verkaufen wollte. Einem Steuerprüfer waren die Ungereimtheiten aufgefallen.

Es folgte ein Mammut-Prozess mit 30 Verhandlungstagen, an denen mehr als 50 Zeugen gehört wurden. Unter ihnen auch der damalige Schweriner Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD). Im Februar 2006 platzte der Prozess, nachdem Iwanschitz wegen einer Herzkrankheit für verhandlungsunfähig erklärt wurde.

Bislang letzter Akt der gerichtlichen Auseinandersetzung ist eine zivilrechtliche Entscheidung des Oberlandesgerichts in Rostock vom September 2010, in der der einstige Bauherr zur Rückzahlung von 3,7 Millionen Euro Fördergeld an das Land verdonnert wurde.

Vor wenigen Tagen hatte Iwanschitz bei den neuen Investoren angerufen und seine Hilfe angeboten. Diese hatten sich höflich bedankt.

Nicht nur in der Marina wurden Millionen verbrannt. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen ein Golfhotel und ein Golfplatz zum Verkauf. "Sonderpreis" steht auf einem Schild am Hotel. Der Holzhändler Peter Tollgreve, ebenfalls aus Lübeck, hatte hier Anfang der 90-er Jahre 13 Millionen Euro investiert - sechs Millionen Eigenkapital und sieben Millionen von der Bank. 2010 mussten das Hotel und der 93 Hektar große Golfplatz Insolvenz anmelden.

Der Neustart der Marina könnte auch für die Golf-Anlage eine neue Chance bedeuten. "Wir wollen kaufen", bestätigt Reinhold Dierkes. Aus seiner Sicht könnten sich beide Projekte ideal ergänzen.

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