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„Kaffeebrenner“ soll 2014 wieder dampfen : Neustart für historische Bahnstrecke

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Die stillgelegte historische Bahnstrecke „Kaffeebrenner“ im Klützer Winkel soll wiederbelebt werden. Jetzt werden neue Gleise verlegt - aber nur in Schmalspurweite auf sechs Kilometern Strecke. Der Name gibt Rätsel auf.

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2012 | 05:57 Uhr

Klütz | Auch Regen und Matsch halten den Gleisbau nicht auf: Sechs Kilometer wird der neue Schienenstrang messen, der bis Jahresende vom nordwestmecklenburgischen Klütz über Stellshagen und Reppenhagen bis Hof Gutow führen soll. Bauherr ist die Stiftung Deutsche Kleinbahnen. Sie wolle die historische Bahnstrecke „Kaffeebrenner“, die 1905 zwischen Klütz bei Boltenhagen und Grevesmühlen eröffnet wurde, teilweise wiederbeleben, sagte Stiftungsvorstand Ludger Guttwein am Mittwoch. Allerdings sollen auf der früheren Normalspur-Trasse nur 600 Millimeter breite Schmalspur-Schienen verlegt werden.

Mitte der 1990-er Jahre hatte Guttweins damalige Klützer Ostsee-Eisenbahn (KOE) GmbH den „Kaffeebrenner“ von der Deutschen Bahn AG (DB) übernommen. Die ursprünglich 16 Kilometer lange Gleisstrecke wurde aber 2004 wegen Verschleiß stillgelegt und 2006 abgebaut, wie der Unternehmer erklärte. Guttwein besitzt in Mecklenburg-Vorpommern außerdem den denkmalgeschützten Bahnhof in Klütz und das Eisenbahnmuseum Prora auf Rügen. Seine Deutsche Privatbahn GmbH (Hameln/Niedersachsen) organisiere bundesweit Gütertransporte, sagte Guttwein.

Im Klützer Winkel hatte am 6. Juni 1905 die Bahn den Betrieb aufgenommen. Die Gründung der Strecke ging aber nicht auf den Bädertourismus, sondern den Agrarhandel zurück. Somit fehlte stets die nur wenige Kilometer lange Verbindung bis zur Küste im Ostseebad Boltenhagen.

Der Mangel an Fahrgästen führte 1995 zur Aufgabe des „Kaffeebrenners“ durch die DB und zur Privatisierung. Guttwein indes sieht heute wieder gute Chancen für eine Renaissance der Strecke als Touristenmagnet. „Die kurzweilige Fahrt mit einem historischen Dampfzug wird bei kühlem Wetter viele Familien mit Kindern vom Strand weglocken“, hofft er.

Laut dem Schweriner Ministerium für Infrastruktur gab es in Mecklenburg-Vorpommerns Eisenbahnnetz seit 1990 nur kleinere Neubauten vornehmlich für den Tourismus. Beispiele seien die Gleise auf der Wolgaster Brücke nach Usedom, die Schienen von Heringsdorf über Ahlbeck nach Swinemünde in Polen, die Verlängerung der Rügener Schmalspurstrecke „Rasender Roland“ von Putbus nach Lauterbach-Mole und die Verbindung vom Bahnhof Ueckermünde zum Stadthafen, erklärte ein Sprecher.

In Klütz denkt Bahnunternehmer Guttwein an ein ganzheitliches Angebot. Eine der letzten per Handkurbel betriebenen Drehscheiben Deutschlands zum Umsetzen der Loks auf den Gleisen könne wieder in Betrieb genommen werden. Originalgetreu saniert werde derzeit bereits der historische Lokschuppen im Bahnhof, schilderte er.

Unklar bleibt allerdings die Herkunft des Namens „Kaffeebrenner“. Ob einst die Kaffeekanne des Lokführers auf dem heißen Kessel im Zug, die Malzfabrik an der Strecke oder die äußerlich an eine alte Kaffeemühle erinnernde Dampflok ausschlaggebend war, lässt sich nicht mehr klären.

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