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Tierschutz vs. Windkraft : Neun weitere Greifvogel-Horste zerstört

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Die Zerstörung von Greifvogel-Horsten in Vorpommern-Greifswald geht weiter - und wieder befanden sich die Nester in potenziellen Windeignungsgebieten.

svz.de von
erstellt am 14.Mär.2017 | 20:45 Uhr

In potenziellen Windeignungsgebieten im Kreis Vorpommern-Greifswald werden offenbar weiter Greifvogel-Horste mutwillig zerstört. Das Umweltamt habe neun weitere zerstörte Horste entdeckt, sagte ein Sprecher des Kreises am Dienstag. Es sei Anzeige erstattet worden. Bei den zerstörten Nistplätzen in der Nähe von Blesewitz südlich von Anklam handle es sich um zwei Rotmilan-, zwei Schwarzmilan- und fünf Mäusebussardhorste. Für diese geschützten Arten gelten Abstandsregelungen für den Bau von Windkraftanlagen.„Bei der Vielzahl der Fälle deutet alles auf zielgerichtete und flächendeckende Zerstörungen hin“, sagte der Sprecher des Kreises, Achim Froitzheim. Im Kreis wurden bis Dienstag 28 Fälle von Zerstörungen bekannt. Darunter seien zwei Hinweise, die noch vom Kreis geprüft werden müssten. Die zerstörten neun Horste befanden sich in einem Gebiet, in dem ein Planungsverfahren für Windkraftanlagen läuft, wie Froitzheim sagte. Dort waren die Bäume gefällt worden. An einem Baum wurden Steigeisenspuren gefunden.

Der Kreistag Vorpommern-Greifswald hatte am Montag als erster Landkreis im Nordosten größere Abstände zwischen Windeignungsgebieten beschlossen. Der Mindestabstand soll von 2,5 auf fünf Kilometer verdoppelt werden, um eine zu hohe Windparkdichte vor allem im Süden des Landkreises zu vermeiden. Dieser Mindestabstand soll nun im Planungsverband Vorpommern durchgesetzt werden.

Seit einigen Monaten häufen sich Fälle von umgestürzten Bäumen oder zerstörten Horsten. Auch in anderen Kreisen waren Vorfälle gemeldet worden. Im Kreis Vorpommern-Rügen waren im vergangenen Jahr zwei zerstörte Horste in der Nähe von Windparkgebieten gemeldet worden.

Bei der Prüfung seien jedoch keine verfolgbaren Spuren von mutwilligen Zerstörungen entdeckt worden, sagte ein Kreissprecher.

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ging im vergangenen Jahr einem Hinweis auf einen zerstörten Rotmilan-Horst nach. Die Experten seien nach einer Besichtigung zu dem Schluss gekommen, dass der Horst infolge der Witterung vom Baum stürzte, sagte Kreissprecherin Haidrun Pergande. Der Milan habe in der Nähe einen neuen Horst gebaut.

Der Sprecher des Landkreises Rostock, Michael Fengler, berichtete von ebenfalls einem Fall in den Jahren 2015 und 2016, in einem Wald nördlich von Gnoien. Zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Verlust des Schreiadler-Horstes und Windkraft-Vorhaben lägen keine gesicherten Erkenntnisse vor, sagte er.

Das Energieministerium, das den Ausbau der Windkraft in Mecklenburg-Vorpommern voranbringen will, distanzierte sich zuletzt von kriminellen Aktionen, die im Zusammenhang mit dem Bau von Windkraftanlagen stehen könnten. „Versuche, Windkraftanlagen durch solche Handlungen zu ermöglichen, sind nicht nur Straftaten sondern auch unsinnig“ sagte Energieminister Christian Pegel (SPD). Es sei zu hoffen, dass die Verursacher gefasst und zur Verantwortung gezogen werden.

Froitzheim warnte vor der Zerstörung von Horsten. Damit werde keine Planungsfreiheit geschaffen, da der Schutzstatus weiter bestehen bleibe. Beim Rotmilan beträgt der Schutzstatus drei Jahre, bei Schreiadlern sogar zehn Jahre. Zerstörte Horste sind Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz und können mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren und Geldstrafen geahndet werden.

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