zur Navigation springen

Prozess in Neubrandenburg : Neugeborenes getötet

vom
Aus der Onlineredaktion

Prozess gegen Mutter beginnt in Neubrandenburg mit Geständnis

Der Prozess gegen eine junge Frau, die sich in Neubrandenburg wegen Tötung ihres Neugeborenen verantworten muss, hat mit einem Geständnis begonnen. Die 32-Jährige räumte die Tat gestern vor der Schwurgerichtskammer ein. Das Gericht hatte die Öffentlichkeit nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen.

Der 32 Jahre alten Frau aus einem kleinen Dorf bei Waren an der Müritz wird Totschlag vorgeworfen. Das Urteil soll wieder öffentlich verkündet werden.

Laut Anklage soll die alleinstehende Frau ihr Baby am 12. Dezember 2016 lebend in ihrer Wohnung zur Welt gebracht und dann getötet haben. Sie habe nach der Geburt die Nabelschnur durchtrennt, das Neugeborene dann abgelegt und gewürgt, sagte Staatsanwalt Stefan Gandert. Danach habe die Frau dem Kind ein Handtuch auf den Mund gelegt und es stark auf den Körper gedrückt. Dadurch sei es zu inneren Verletzungen wie einem Leberriss gekommen, woran das kleine Mädchen starb.

Nach Hinweisen aus dem Umfeld der arbeitslosen Frau hatten Ermittler vier Tage später die Wohnung durchsucht und die Leiche in einem Schrank im Schlafzimmer entdeckt. Der Freund der Frau und mutmaßliche Vater des Kindes soll von der Schwangerschaft gewusst haben. Welche Rolle er in dem Fall spielte, dazu äußerte sich eine Gerichtssprecherin nicht. Der junge Mann wurde nach dem Geständnis der Angeklagten als erster Zeuge gehört.

Nach Angaben des Psychiatrieexperten Frank Häßler aus Rostock gibt es in Deutschland jährlich 140 bis 160 solcher Fälle. Meist befänden sich die Mütter in psychischen Ausnahmesituationen. Häßler begutachtete auch die Angeklagte und wird sein Gutachten voraussichtlich am 27. Juni vorstellen. Davon soll abhängen, ob die Frau voll oder vermindert schuldfähig ist.

Vor Gericht trat die Angeklagte mit gesenktem Kopf auf. Ihre Verteidigerin Katja Schade hatte den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit damit begründet, dass ihre Mandantin psychische Vorerkrankungen gehabt habe. Auch der persönliche Intimbereich von Angeklagten sei in solchen Fällen gesetzlich geschützt, sagte die Gerichtssprecherin.

Auf Totschlag steht eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren.

Für den Prozess sind noch zwei Verhandlungstage geplant. Im Zentrum des Verfahrens steht nun die psychische Verfassung der Frau zur Tatzeit und die Ergründung ihres Motivs. Mit einem Urteil wird frühestens am 27. Juni, spätestens am 6. Juli gerechnet. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen