Malchow : Neues Leben in altem Kloster

Blick auf das Klostergelände in Malchow
Blick auf das Klostergelände in Malchow

Kreative Köpfe wollen das 700 Jahre alte Zisterzienser-Nonnenkloster in Malchow als Kulturzentrum und Wohnstätte auferstehen lassen

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03. Mai 2017, 12:00 Uhr

Im Schein der Sonne haben die bröckelnden Fassaden des 700 Jahre alten Zisterzienser-Nonnenklosters der kleinen Inselstadt am Malchower See durchaus etwas Romantisches. „Die Leute stehen auf Ruinen“, sagt die Vorstandsvorsitzende des Trägervereins „Kultur- und Sportring Regenbogen e.V.“, Kathleen Stutz. Verein und Stadt haben sich auf die Fahnen geschrieben, das um 1300 errichtete riesige Stift mit neuem Leben zu erfüllen.

Von den sieben Gebäuden des denkmalgeschützten Ensembles sind bisher zwei saniert sowie Dach und Fassade der imposanten, 52 Meter hohen Klosterkirche erneuert worden. Der neugotische Backsteinbau dient heute als Konzertraum und Standesamt. „Alte Fassaden beflügeln die Fantasie, regen zum Nachdenken an. Dieser besondere Charme soll nicht verloren gehen“, wünscht Kathleen Stutz sich.

Bei den Renovierungen der letzten Jahre sei darauf geachtet worden, Altes zu erhalten. Im Kunstmuseum blieben Kachelöfen stehen und Teile von Decken und Wänden im Urzustand. Alte Malereien und Putze wurden freigelegt, doch nicht überpinselt, sie bilden nun einen eigenartigen Kontrast zu neuen, den Originalen nachempfundenen Tapeten. Eine Stiftung kümmert sich um Rettung und Erhalt der Anlage. 2013/14 flossen knapp 454 000 Euro Landesmittelunter anderem in die Treppe zum Malchower See hinunter.

Das 2008 im ehemaligen Refektorium eröffnete Museum beherbergt eine Dauerausstellung mit Werken der regionalen Künstler Sieghard Dittner (1924-2002), Friedrich-Franz Pingel (1904-1994) und Rudolf Gahlbeck (1895-1972). Dazu gibt es drei bis fünf Wechselschauen im Jahr. Seit März sind Fotografien kaputter ostdeutscher Gebäude des Berliner Künstlers Hassan Richter zu sehen. Er habe das alte, teils marode Kloster bewusst für seine Werke ausgesucht, solche Orte hätten eine magische Anziehungskraft, sagte Richter bei der Ausstellungseröffnung. Man könne auf Entdeckungs- und Erinnerungsreise in die Vergangenheit gehen.

Diese „magnetische“ Wirkung unentwickelter Orte lockte dieser Tage auch das Team um Corinna Hesse vom Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern und Teilnehmer eines Gründerseminars nach Malchow. „Das Kloster hat Potential, ein Kreativstandort zu werden“, sagt sie. Neue Geschäftsmodelle könnten entwickelt werden, Ateliers ließen sich einrichten, Kurse und Seminare anbieten. Trägervereinschefin Stutz plant künftig nicht nur geistige Nahrung: Eine ganzjährige, attraktive Gastronomie möglichst mit Blick auf den See solle entstehen.

Modernes Wohnen im alten Kloster ist seit dem Jahr 2000 für 20 Mieter möglich. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft sorgte für die Sanierung eines im 19. Jahrhundert entstandenen, verklinkerten Hauses auf dem Klostergelände. „Die einzigartige Lage der historischen Gebäude am See mit großen hohen Räumen machen das Leben hier so attraktiv“, sagt Hausverwalter Christian Prestel. In einem Haus am „Damenplatz“ sollen in den nächsten Jahren zwölf weitere Wohnungen entstehen, der Bedarf sei groß in dem staatlich anerkennten Luftkurort, meint Prestel.

Bereits zwei freischaffende Künstler ließen sich im Kloster Malchow nieder und gründeten Galerien. Michael Voss, geboren in Nordrhein-Westfalen und in Berlin ausgebildet zum Bildhauer, betreibt seit 2007 am Kreuzgang seine Werkstatt für Schmuck- und Metallgestaltung. Inzwischen habe er sich etabliert, sagt er. „Seit drei Jahren kommen Kunstkenner aus der ganzen Bundesrepublik hierher, darunter auch Stammkunden.“

Karin Voelsch, gebürtige Malchowerin und Autodidaktin, entschied sich vor acht Jahren bewusst für den Umzug in das sanierungsbedürftige Konvent. „Mich fasziniert das Unfertige, es braucht nicht alles so perfekt zu sein.“ Obwohl ihr Atelier nicht renoviert und im Winter schwer zu heizen sei, fühle sie sich geborgen. "Ich mag den Kontakt mit den Leuten hier", sagt die Malerin. Viele Besucher kämen zwar wegen der Kirche, doch der eine oder andere verirre sich dann in ihre Malstube und kaufe ein Bild quasi direkt von der Staffelei.

 

Kloster Malchow

Das Zisterzienser-Nonnenkloster am Malchower See wurde 1298 gegründet und nach der Reformation 1572 – wie auch die Mecklenburger Landesklöster Ribnitz und Dobbertin – zum Damenstift umgewandelt. Adlige, unverheiratete Frauen konnten sich in das Konvent einkaufen und hatten lebenslanges Wohnrecht, eine Rente sowie Einnahmen aus den bewirtschafteten Ländereien. Die letzte Bewohnerin des Klosters Malchow starb 1972.

Heute sind in MV 26 Klosterstätten erhalten. Sie werden als Museen, Konzertsäle, Herbergen oder für Märkte genutzt. Im ehemaligen Franziskanerkloster St. Katharinen Rostock hat die Hochschule für Musik und Theater ihren Sitz, im früheren Klarissenkloster Ribnitz-Damgarten das Deutsche Bernsteinmuseum und im Dominikanerkloster St. Katharinen Stralsund das Meeresmuseum.

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