NS-Raketenversuchsanstalt Peenemünde : Neues Konzept für Museum

Das Kraftwerk der einstigen Heeres-
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Das Kraftwerk der einstigen Heeres-

Über die NS-Raketenversuchsanstalt Peenemünde informiert direkt am Ort ein Museum. Nun soll die im Jahr 2000 eröffnete Ausstellung überarbeitet werden. Wissenschaftler und Museumsleute diskutieren Ideen bis Samstag.

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21. September 2012, 10:40 Uhr

Rund 40 Fachleute aus dem In- und Ausland diskutieren von heute (Donnerstag/1900) über die künftigen inhaltlichen Schwerpunkte des Museums Peenemünde. "Wir erwarten von den Wissenschaftlern viel Input für unser neues Gesamtkonzept", sagte der Museumsdirektor Michael Gericke am Donnerstag. Das Konzept, das nach jetzigen Planungen im Frühjahr 2013 in der endgültigen Fassung vorliegen könne, baut auf der bestehenden Konzeption auf und sieht eine Überarbeitung der Dauerausstellung vor. Es gehe auch weiter darum, die Ambivalenz des Ortes historisch korrekt abzubilden, sagte Gericke.


Die Tagung nimmt zugleich Bezug auf zwei historische Ereignisse: Am 23. März wäre der technische Direktor der NS-Heeresversuchsanstalt, Wernher von Braun, 100 Jahre alt geworden.


Vor 70 Jahren, am 3. Oktober 1942 startete im Testgelände von Peenemünde die erste V2-Rakete. Der Flugkörper steht als Terrorwaffe für die NS-Vernichtungsmaschinerie, war aber auch die weltweit erste Rakete, die das All erreichte.


Wie Gericke sagte, solle die Ausstellung stärker mit interaktiven und visuellen Elementen gestaltet werden. Zudem soll der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt seit der im Jahr 2000 erarbeiteten Konzeption in die Ausstellung integriert werden, um den bislang erreichten Qualitätsstandards langfristig gerecht zu werden.


Ein Vorschlag aus dem Konzeptentwurf ist der Aufbau eines eigenen Forschungsschwerpunktes, der sich auf wirtschaftsgeschichtliche Fragestellungen der Raketenproduktion konzentriert.


Nach Auffassung des Museums sollte auch die 25 Hektar große Denkmallandschaft mit den Ruinen der NS-Versuchsanstalt weiterentwickelt werden. Zu klären sei dabei die Frage, wie viele Besucher das Areal vertrage, und was in der Ausstellung im Kraftwerk visualisiert werden könne, um den Druck aus der Landschaft zu nehmen, sagte Gericke. Große Areale Peenemündes sind nach dem Bombenangriff von 1943 stark munitionsbelastet und dürfen deshalb nicht oder nur mit fachkundiger Begleitung betreten werden.


Die Geschichte Peenemündes im Kalten Krieg nach 1945 könne, so die vorläufige Auffassung, an der dort stationierten 1. Flottille der NVA und dem Jagdgeschwader 9 deutlich gemacht werden. Dabei solle herausgearbeitet werden, welche Stellung Peenemünde in der Doktrin des Warschauer Paktes hatte.


Zur Tagung werden unter anderem der amerikanische Wissenschaftler Michael Neufeldt vom Smithsonian Institution Washington, der Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sowie der Politikwissenschaftler Rainer Eisfeld und Historiker Thomas Stamm-Kuhlmann erwartet.

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