Lubmin : Neues Castorlager zum Terrorschutz

„Längst überfällige Entscheidung“: Mitarbeiter des „Zwischenlager Nord“ arbeiten auf dem Gelände des EWN in Lubmin.
„Längst überfällige Entscheidung“: Mitarbeiter des „Zwischenlager Nord“ arbeiten auf dem Gelände des EWN in Lubmin.

Bundeseigenes Entsorgungswerk setzt nach mehr als sechs Jahren Sicherheitskonzept in Lubmin um. Auch Zerlegehalle für Atomabfall geplant

svz.de von
13. Dezember 2017, 20:45 Uhr

Als Schutz vor Terrorangriffen plant das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) in Lubmin den Bau eines neuen Atomlagers für die im Zwischenlager Nord (ZLN) deponierten 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall. Das sei Ergebnis einer mehrjährigen Optionenprüfung infolge der veränderten Sicherheitsbewertung, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes gestern in Lubmin.

Als freistehendes Ersatzlager soll der Bau die in Lubmin eingelagerten Behälter voraussichtlich ab Ende 2024 aufnehmen. Mittel- und schwachradioaktiver Abfall werde weiter im Zwischenlager Nord verwahrt. „Durch den Bau eines Ersatzlagers für die Halle 8 ergeben sich radiologisch am Standort Lubmin keine Veränderungen“, sagte Cordes. Unverändert bleibe neben der Anzahl der Castoren auch die Befristung der Aufbewahrungsdauer für die Castoren bis 2039. Das EWN habe Generalplaner beauftragt, Angebote zu erarbeiten. Voraussichtlich Anfang 2019 soll der Antrag beim zuständigen Bundesamt für kerntechnische Entsorgung gestellt werden, wie Cordes sagte.

Nach den Terroranschlägen in New York sowie mehreren europäischen Staaten, der Bewertung von Täterprofilen und Waffensystemen waren 2011 alle Betreiber von Atom-Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, ihre Sicherungsmaßnahmen zu verschärfen. Das EWN – damals unter dem Namen Energiewerke Nord – hatte 2015 seinen Antrag an das Bundesamt zurückgezogen, nachdem sich dieser als nicht genehmigungsfähig erwiesen hatte. Die Grünen warfen dem Unternehmen deshalb Verschleppung vor. „Die heutige EWN-Entscheidung ist längst überfällig“, sagte die Atomexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl. Die geplante Inbetriebnahme 2024 sei aber zu spät.

Cordes wies Befürchtungen einer Ausweitung der Castor-Lagerung zurück. Die Anzahl der Castoren bleibe unverändert. „Auch die derzeit genehmigte Aufbewahrungsdauer der Castor-Behälter von 40 Jahren, die sich aus dem Atomgesetz ergibt, wird in unserem Genehmigungsantrag unverändert bleiben.“ Von den 74 Castoren stammen 65 aus den stillgelegten DDR-Kraftwerken Lubmin und Rheinsberg. In neun weiteren sind Abfälle aus den Alt-Bundesländern deponiert.

Parallel zu den Planungen für das Castor-Ersatzlager will EWN bis 2021 zudem eine Zerlegehalle für radioaktiven Abfall errichten. In der rund 35 Millionen Euro teuren Halle sollen bis in die späten 50er-Jahre hinein Großkomponenten zerlegt, dekontaminiert und entsorgt werden, sagte Cordes. Diese sollen in das Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall „Schacht Konrad“ gehen. Eine Eröffnung des Endlagers Schacht Konrad sei ab 2022 zu erwarten.

Das Akw Lubmin ging 1973 in Betrieb und erzeugte etwa elf Prozent des in der DDR benötigten Stroms. 1990 wurde es abgeschaltet. Bis Ende der 2020-er Jahre soll der Rückbau der radioaktiv belasteten Areale abgeschlossen sein, danach beginne der Abriss.

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