Filmgespräch in Schwerin : Neues Bollywood im Norden

Anushka Manchanda, Amrit Maghera, Rajshri Deshpande und Sarah Jane Dias
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Anushka Manchanda, Amrit Maghera, Rajshri Deshpande und Sarah Jane Dias

Seit heute läuft der indische Film „7 Göttinnen“ im Kino. Vorab gab es ein Filmgespräch im Schweriner Filmpalast Capitol

svz.de von
16. Juni 2016, 21:00 Uhr

Hollywood-Filme über Junggesellen-Partys gehen normalerweise so: Alle Kerle treffen sich in Las Vegas und stellen verrückte Dinge an. Doch wie sieht eine solche Geschichte im indischen Kino aus – und dazu noch mit Frauen in den Hauptrollen? „7 Göttinnen“ gibt die passende Antwort. Und wirft dabei auch die klassischen weiblichen Rollenbilder des Bollywood-Kinos über Bord.

Mit dabei bei der deutschlandweiten Kinotour am Mittwochabend, das Publikum im Schweriner Filmpalast Capitol. Es durfte eine völlig neue Seite von Bollywood-Kino erleben. Keine Frauen als dekoratives Element mit enger Kleidung und aufgebauschtem Haar und falschen Wimpern. In „7 Göttinnen“ lässt Regisseur Pan Nalin fast keine Männer auf die Leinwand. Es sei denn, sie sind Objekt der weiblichen Begierde, oder dienen dazu, den gewaltigen Kontrast zwischen der Frauenrunde und der Männerwelt um sie herum zu beleuchten. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Homosexualität, Karrierehürden, Geschäfte mit Stammesrechten, Kastenunterschiede sowie sexuelle Gewalt an Frauen. Mal leichter, mal schwerer Stoff, der in die malerische Szenerie Goas kunstvoll eingebettet wird.

Nach der Filmvorführung stellten sich vier der sieben angereisten Hauptdarstellerinnen sowie Regisseur Pan Nalin und Produzent Gaurav Dhingra den Fragen der Schweriner. Es ging hauptsächlich um die nur sechswöchigen Dreharbeiten, in denen das Team „gemeinsam ein Konzept erarbeitet“, so Nalin, der durch seine Dokumentation Samsara bekannt wurde. Schauspielerin Sarah-Jane Dias zeigte sich überrascht von dessen Regieführung. „Ich wusste erst kurz vorher, in welche Richtung sich meine Figur entwickelt“, erinnert sie sich. Nalin bat die Darstellerinnen beim Dreh, die Rollen mitzugestalten. An einigen Stellen wird die Spontanität der Handlung sichtbar. An anderen entsteht der Eindruck, Nalin wollte zu viel erzählen.

Der Regisseur hingegen findet nicht, dass er sich mit der Themenvielfalt übernommen hat. „Die Liste der Probleme, die Frauen in Indien mit sich herumtragen, ist wirklich groß“, sagt er vor dem Publikum. „Jedes Mal, wenn wir ein paar Frauen für ein Vorsprechen zusammenbrachten, schleppte jede einzelne von ihnen zwölf solcher Themen privat mit sich herum.“ Auch Schauspielerin Gujral erzählt, der Film sei „ein Stückchen aus dem echten Leben“. Ihre Kollegin Deshpande fügt hinzu: „Wir sind selbst diese Frauen, wir haben diese Geschichten.“ Viele der Szenen, in denen die Charaktere diskutieren, streiten, durcheinander reden, standen nicht im Skript, sondern entstanden während des Drehs.

„Ein mutiger Film, der bei aller Ernsthaftigkeit trotzdem unterhaltsam bleibt“, sagt Zuschauer Axel Gasché aus Schwerin nach der Vorstellung. Er habe sich spontan für den Besuch des Films entschieden. Beeindruckt habe ihn die tiefe emotionale Nähe zwischen den Schauspielerinnen, die „offensichtlich noch bis heute besteht“. Denn, während sich Anushka Manchanda an die gemeinsame Arbeit erinnert, kann sie schließlich ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Ihre Schauspiel-Kolleginnen spenden ihr mit einer Umarmung Halt. Der Abend im Capitol gipfelte schließlich in einer musikalischen Einlage der vier Schauspielerinnen mit anschließenden Standing Ovations. Danach sagten sie „Thank you Schwerin, you brought tears to our eyes and love to our hearts“ - Danke Schwerin, du brachtest uns Tränen in die Augen und Liebe in unsere Herzen.



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