zur Navigation springen

Debatte um Dirk Friedriszik : Neuer Zeuge: SPD-Mann war in AfD

vom
Aus der Onlineredaktion

Abgeordneter wehrt sich: Mitgliedschaft per Newsletter

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 20:55 Uhr

Hat die AfD über Newsletter-Dienste Mitglieder rekrutiert? Die Debatte um die Parteivergangenheit den SPD-Politiker Dirk Friedriszik aus Ludwigslust wird immer abstruser. Nachdem der Landtagsabgeordnete gestern ohne Wenn und Aber erklärte: „Ich war nie Mitglied in der AfD“, meldete sich der ehemalige Landesschatzmeister und Gründungsmitglied des AfD-Landesverbandes, Klaus-Peter Last, in unserer Redaktion. „Ich bestätige Ihnen, dass Herr Dirk Friedriszik mindestens im Frühjahr 2013 Mitglied in der AfD war. Er hatte die Mitgliedsnummer 9641. Ich hatte in meinen damaligen Funktionen Zugriff auf die Personendaten aller Mitglieder in MV.“ Last berichtet von einem Aufnahmeprocedere auf einer Internetplattform, bei dem der Antragsteller neben dem Namen auch Telefonnummer, E-Mail und Adresse angeben musste. Das alles sei in den Unterlagen vorhanden.

Der SPD-Abgeordnete Friedriszik, jetzt Rechts- und Europaausschussvorsitzender im Parlament, sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, seine Partei bei seinem Eintritt 2014 und danach getäuscht zu haben, weil er eine Mitgliedschaft in der AfD verbarg. Gestern wiederholte er gegenüber unserer Zeitung seine Version: „Wenn ich als Mitglied geführt wurde, dann stelle ich das mit Entsetzen fest. Ich bin von der AfD so weit entfernt wie die Erde vom Mond.“ Seine förmliche Kündigung sei im November 2013 lediglich zustande gekommen, weil er nach einer Newsletteranmeldung ständig Rechnungen mit einem Parteieintrittsdatum vom 1. April 2013 erhielt. Der 45-Jährige holt seinerseits die Keule raus: „Ich bin kein Einzelfall. Es gab mehrere Fälle, bei denen nach einer eventuellen Newsletteranmeldung AfD-Post kam.“ Das sei ihm „ganz konkret“ zugearbeitet worden.

Für den AfD-Landesvorsitzenden Leif-Erik Holm wenig glaubhaft. „Sicherlich ist am Anfang manches chaotisch gelaufen, aber das höre ich das erste Mal.“ Holm ist selbst im März 2013 in diese Partei eingetreten. Er behauptet, dass man ein unterschriebenes Antragsformular von der AfD-Website zur Parteizentrale nach Berlin senden musste. „Wenn uns Herr Friedriszik vom Datenschutz befreit, dann werden wir das gerne aufklären.“

„Für uns ist die Sache erledigt“, sagte bereits am Dienstag ein SPD-Fraktionssprecher. Friedriszik hatte sich stets pointiert gegen die AfD geäußert. Rechtspopulismus oder Europafeindlichkeit passten nicht zu ihm, sagt er. „Wer mich politisch kennt, weiß das. Ich war als Berufssoldat von 2002 bis 2007 beim Europacorps stationiert.“ Im Februar 2014 wurde er erstmals für die SPD als Kandidat für den Kreistag aufgestellt. Erst später trat er in die SPD ein, für die er nun im Landtag sitzt.

Unabhängig von der aktuellen Causa gibt es immer wieder Landespolitiker, die während ihrer Karriere die Partei wechseln. Allein in der AfD-Fraktion sitzen Ex-Mitglieder von CDU, SPD, Neuen Forum und FDP. So kam der Greifswalder Uni-Professor Ralph Weber aus der CDU, wie auch Uni-Wissenschaftler Gunter Jess oder Jörg Strohschein aus Pasewalk. Der Grevesmühlener Christoph Grimm trat erst 2013 aus der SPD aus. Der Neubrandenburger Rechtsanwalt Enrico Komning kommt aus der FDP und war schon in der Schill-Partei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen