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Prozess gegen Ex-KZ-Sanitäter : Neuer Streit droht: Nebenkläger ausgeschlossen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Landgericht Neubrandenburg lässt die Söhne einer im KZ ermordeten Frau nicht als Nebenkläger zu.

von
erstellt am 15.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Im Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz droht neuer Streit. Das Landgericht Neubrandenburg hat die Söhne einer dort ermordeten Frau erneut von der Nebenklage ausgeschlossen. Der Zug, mit dem die Frau deportiert wurde, sei nicht von der Anklage der Staatsanwaltschaft erfasst, so das Landgericht am Dienstag. Darum könnten die Söhne nicht als Nebenkläger zugelassen werden. Der Rechtsanwalt eines der Söhne, Thomas Walther, legte Beschwerde beim Oberlandesgericht (OLG) ein. Es will darüber „zeitnah“ entscheiden.

Walther prüft zufolge, ob er die Neubrandenburger Richter wegen Rechtsbeugung anzeigt, da sie den Prozess offenbar boykottieren wollten, wie er erklärte. Die Kammer hatte sich mit Verweis auf den Gesundheitszustand des 96 Jahre alten Angeklagten geweigert, den Prozess überhaupt zu eröffnen. Dies wurde von der höheren Instanz angeordnet.

Auch hatte das Landgericht schon einmal mit einer anderen Begründung die beiden Nebenkläger ausgeschlossen, was vom OLG zurückgenommen wurde. Das Gericht genehmigte Rechtsanwalt Walther außerdem Reisekosten, um seinen betagten Mandanten in den USA aufsuchen zu können. Dies war ihm von den Neubrandenburger Richtern verweigert worden. Derzeit ist der Prozess unterbrochen, weil der Angeklagte erneut untersucht werden soll, ob er verhandlungsfähig ist.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem KZ-Sanitäter Beihilfe zum Mord in 3681 Fällen vor. Der ehemalige Landarbeiter habe gewusst, dass im KZ im Sommer 1944 Menschen systematisch und industriell getötet wurden. Die Zahl der vorgeworfenen Mordfälle entspricht der der später ermordeten Deportierten, die laut Anklage mit 14 Zügen während des Einsatzes des SS-Mannes in Auschwitz-Birkenau eintrafen. Der Zug mit der Mutter der Nebenkläger kam an dessen erstem Arbeitstag an und ist trotzdem in der Anklage nach Angaben des Landgerichts nicht erwähnt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, sich in die Lagerorganisation eingefügt und so die Vernichtung von Leben befördert zu haben. Die Verteidigung bestreitet eine Schuld ihres Mandanten.

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