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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 01:33 Uhr

Schwerin : Neuer Schiffsanleger in der Kritik

vom

Eigentlich sollte der neue Schiffsanleger in der Schlossbucht längst fertig sein. Nach dem Beschluss der Stadtvertreter wollten die Bauleute bereits im vergangenen Herbst loslegen. Doch passiert ist nichts.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2012 | 07:06 Uhr

Ostorf | Eigentlich sollte der neue Schiffsanleger in der Schlossbucht längst fertig sein. Nach dem Beschluss der Stadtvertreter - damals hatten 26 Kommunalpolitiker dafür und zehn dagegen gestimmt - wollten die Bauleute im Auftrag der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin (SDS) bereits im vergangenen Herbst loslegen. Bis Jahresende sollte am Franzosenweg, wo während der Bundesgartenschau die Schwimmende Brücke endete, bereits der neuen Steg in die Schlossbucht ragen, an dem auch größere Schiffe anlegen können. Doch passiert ist nichts.

Das ruft jetzt erneut die Kritiker auf den Plan. Angesichts "der desaströsen Planungen" hat der Kreisverband von Bündnis 90 / Die Grünen jetzt die Absage dieser Baumaßnahme gefordert. Kreisvorsitzende Simone Rudloff: "Die Landeshauptstadt hat gewaltige finanzielle Probleme und muss Mitarbeiter des Theaters entlassen, will aber gleichzeitig 51 000 Euro in einen völlig unnötigen Schiffsanleger investieren. Wir haben seit vielen Jahren die Anlegestelle der Weißen Flotte neben dem Schloss. Ein zweites Bauwerk, nur wenige Meter entfernt, ist sinnlos und verzichtbar."

Eine Auffassung, die verständlicherweise auch die Weiße Flotte teilt. "Der von der Stadt gewünschte Pendelverkehr zwischen der Anlegestelle an der Werderstraße, dem neuen Steg, Kaninchenwerder und Zippendorf ist nur effektiv, wenn auch in Leezen eine Anlagemöglichkeit bestünde", hatte Weiße-Flotte-Inhaber Hans-Ulrich Getz bereits im vergangenen Jahr erklärt. Dort müsste aber der vorhandene Steg wegen des flachen Wassers am Ostufer des Schweriner See verlängert werden. Darüber werde jedoch noch nicht gesprochen. "Ohnehin wäre ein Pendelverkehr ein Zuschussgeschäft", sagte Getz. "Das kann die Weiße Flotte nicht leisten."

Baudezernent Dr. Wolfram Frieders dorff sieht das anders. Er ist überzeugt, dass er einen Unternehmer findet, der den Pendelverkehr betreiben kann. "Zur Buga haben mich mehrere Interessenten angesprochen." Doch am Anleger der Weißen Flotte in der Werderstraße dürften die keine Haltestelle einrichten. "Ich hole mir doch nicht die Konkurrenz auf den Hof", so Getz.

Südlicher Teil der Bucht Lebensraum bedrohter Vögel

Die Bündnisgrünen fahren jetzt noch weitere Geschütze gegen die von der Mehrheit der Stadtpolitik gewünschten Schiffsanleger-Pläne auf. Mit der Vorlage der Planungsunterlagen hätte sich gezeigt, dass der Bau eines zweiten Schiffsanlegers auf der Südseite der Schweriner Schlossbucht massiv gegen die Schutzziele des EU-Vogelschutzgebietes "Schweriner Seen" verstößt, so die Kreisvorsitzende. Die Stadtverwaltung habe die Erkenntnisse einer von ihr beauftragten und erst jüngst vorgestellten Wasservogelkartierung gar nicht genutzt. Sie weist die südliche Schlossbucht als wichtigen Lebensraum für bedrohte Wasservögel aus.

Zudem spielte in den bisherigen Planungen überhaupt keine Rolle, dass die Stadt Schwerin mit dem Schloss ensemble den Titel Unesco-Weltkultur erbe erlangen will. Frank Fiedler, der gemeinsam mit Rudloff an der Spitze Kreisverbandes von Bündnis 90 / Die Grünen, steht, ergänzte: "Bauliche Eingriffe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss sind angesichts der Bewerbung um den Weltkulturerbe-Titel völlig kontraproduktiv." Mit dem Projekt Schiffsanleger werde wieder einmal deutlich, welche Prioritäten Stadt- und Landespolitik für die Landeshauptstadt setzen. "Offenbar sind Bootsliegeplätze für Privilegierte am Schloss wichtiger, als zum Beispiel Arbeitsplätze am Theater. Die Verquickung von Einzelinteressen in der Landes- und Stadtverwaltung in der Arbeitsgruppe ,Schweriner Gartensommer, die dann solche Projekte als vorrangig einstuft und öffentliche Gelder aus dem Wirtschaftsministerium organisiert, ist unerträglich", sagte Fiedler. Die Bündnisgrünen wollen das Thema in der Stadtvertretung wieder aufrufen.

Der Schiffsanleger in der Schlossbucht soll zehn öffentliche Kurzzeitliegeplätze für Wassertouristen und zehn Dauerliegeplätze für das Schloss buchtcafé erhalten und zudem eine Anlegemöglichkeit für das Kreuzfahrtschiff aus Berlin sein. Die Gebühren für Kurzzeitliegeplätze sollen über einen Parkscheinautomaten eingenommen werden. Die Baukosten in Höhe von 250 000 Euro belasten die Stadtkasse mit 51 300 Euro, das Schlossbuchtcafé zahlt knapp 40 000 Euro, der Rest wird durch Fördermittel finanziert.

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