P+S Werften: Reederei DFDS storniert Aufträge : Neuer Rückschlag für Werft

Volkswerft in Stralsund.
Volkswerft in Stralsund.

Die zahlungsunfähigen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast müssen mit weiteren Problemen kämpfen. Die dänische Reederei DFDS hat den 134 Millionen Euro schweren Auftrag über den Bau von zwei Spezialfrachtern storniert.

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14. September 2012, 08:25 Uhr

Stralsund | Die zahlungsunfähigen P+S-Werften in Stralsund und Wolgast müssen mit weiteren Problemen kämpfen. Die dänische Reederei DFDS hat den 134 Millionen Euro schweren Auftrag über den Bau von zwei Spezialfrachtern storniert, hält sich aber weitere Verhandlungen mit den Schiffbaubetrieben über die bereits begonnenen Neubauprojekte offen.

Nach der Kündigung der Verträge gebe es eine neue Grundlage, mit vermindertem Risiko mit der Werft zu sprechen, sagte der Sprecher der dänischen Reederei Gert Jakobsen gestern. Die Reederei hatte der Werft die Aufträge entzogen, nachdem deutlich wurde, dass sich die Auslieferung der beiden je 195 Meter langen RoRo-Schiffe um mehr als ein Jahr auf Mitte 2013 verschiebt. Zudem befürchtet die Reederei DFDS, dass die Frachter - ähnlich wie die Scandlines-Fähren - zu schwer sind.

Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann erklärte gestern im NDR, die Gespräche mit DFDS fortzusetzen. Die Reederei habe weiter Interesse an den Frachtern bekundet, sagte er. Möglicherweise verhandelt DFDS jetzt über deutliche Preisnachlässe. Wie DFDS-Sprecher Jakobsen weiter sagte, hat die dänische Reederei bereits mehr als die Hälfte der 134 Millionen Euro gezahlt. Die Zahlungen seien über Bankgarantien gesichert. DFDS wolle sich das Geld nach der Kündigung der Verträge zurückholen. Dann sei eine neue Grundlage für Gespräche gegeben. Möglich ist, dass auch andere Auftraggeber ihre Verträge kündigen. Bereits Ende August hatte Insolvenzverwalter Brinkmann erklärt, dass fast alle Projekte mit "Schwierigkeiten belastet" seien, weil Vertragsfristen überschritten seien.

Die ebenfalls von Lieferverzögerungen und Gewichtsproblemen betroffene Reederei Scandlines hält bislang an den Verträgen fest. "Scandlines hat die Entscheidung von DFDS zur Kenntnis genommen", sagte Scandlines-Chef Søren Poulsgaard-Jensen. "Wir erwarten Auskunft vom Insolvenzverwalter der P+S Werften über mögliche Auswirkungen auf den Bau unserer Fähren." Werft und Scandlines stünden in Kontakt. Das Wirtschaftsministerium wollte sich am Freitag zu den neuen Entwicklungen auf der Werft mit 1800 Beschäftigten nicht äußern. Am Donnerstag hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Rüdiger Fuchs, seinen Vertrag aufgelöst. Fuchs, der in der Belegschaft großen Rückhalt genoss, war erst seit Anfang August als Vorsitzender der Geschäftsführung tätig, um die Werften wieder auf Kurs zu bringen. "Nachdem klar ist, dass sich eine Zukunft für die P+S-Werften nicht ohne Insolvenz gestalten lässt, möchte ich das weitere Verfahren nicht begleiten", teilte Fuchs am Donnerstagabend mit. Er möchte "nicht dauerhaft Teil eines Insolvenzteams" sein.

Die Stralsunder P+S-Werften werden bereits seit Ende August durch einen vorläufigen Insolvenzverwalter geführt: Berthold Brinkmann. In dem Abwicklungsverfahren will Brinkmann die Werften für einen Verkauf vorbereiten. Mehrere Unternehmen, darunter die arabische Abu Dhabi Mar-Gruppe und die Tamsen-Werft in Rostock hatten bereits Interesse an dem zahlungsunfähigen Unternehmen gezeigt.

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