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Roman "Sokops Rache“ : Neuer Ostsee-Krimi aus Wismar

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Der Hinstorff Verlag hat eine neue Reihe gestartet. Ostsee-Krimis bereichern das Verlagsprofil. Jüngste Neuerscheinung ist "Sokops Rache" von Birgit Lohmeyer. Die Autorin erzählt keine klassische Kriminalstory.

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erstellt am 15.Mär.2012 | 08:08 Uhr

Der Hinstorff Verlag hat eine neue Reihe gestartet. Ostsee-Krimis bereichern das Verlagsprofil. Jüngste Neuerscheinung ist "Sokops Rache" von Birgit Lohmeyer. Die Autorin, in Jamel bei Wismar lebend, erzählt keine klassische Kriminalstory um einen eifrig ermittelnden Kommissar und einen raffinierten Täter. Henry Sokop ist bereits verurteilt. Er hat 15 Jahre Haft abgesessen, weil er seinen Vater erschossen haben soll. Sokop leugnet die Tat bis heute, sein Bewährungshelfer Weller wird später mehr dazu erfahren.

Zunächst muss Sokop in Wismar seine bescheidene Bleibe einrichten und sich nach alten Bekannten umschauen. Denn noch weiß er nicht genau, wer damals seinen Vater umgebracht hat. Es muss aber einer von denen sein, die Schaden erlitten hatten im dubiosen Gebrauchtwagenhandel, den Vater und Sohn mit geschickten Diebstählen gewinnbringend erweitert hatten. Und bald hat Sokop eine Spur, nur verliebt er sich in die Tochter seines Opfers. Wie soll er sich verhalten?

Die spannende Geschichte um einen Mann, der nur für seine Rache lebt, ist psychologisch überzeugend dargestellt. Das geschichtsträchtige Flair der kleinen Hansestadt und eine Reihe bizarrer Figuren, die Sokops Alltag schwierig machen, prägen die unverwechselbare Atmosphäre dieses originellen Romans.

Birgit Lohmeyer, Jahrgang 1958, studierte Erziehungswissenschaft und Kriminologie und arbeitet seit 1998 als freie Autorin. Sie schrieb Erzählungen, Kurzgeschichten und Romane, außerdem journalistische Texte. Die Erfahrungen aus ihrer sozialen Arbeit in Gefängnissen, in der Drogenszene und im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli fließen ein, auch in "Sokops Rache" spürt man die fundierte Sachkenntnis. Und der Bewährungshelfer Weller hat ein ausgeprägtes Profil bekommen. So verwundert es nicht, dass bereits der nächste Krimi in Arbeit ist. Er heißt "Wellers Zorn".

"Zum Krimi bin ich eher zufällig gekommen", erzählt die Autorin. "Der Verlag, dem ich mein Manuskript schickte, machte gerade eine Krimi-Reihe. Und man fand meine Arbeit dafür passend." Und so nahm sie diesen Schicksalswink auf. "Dabei sehe ich mich nicht als klassische Krimiautorin. Ich bevorzuge die Psycho-Thriller, die Motivation der Figuren ist mir wichtig, der psychologische Hintergrund."

Auch als Leserin liebt sie diese Romane, ihr großes Vorbild ist die amerikanische Krimi-Autorin Patricia Highsmith ("Der talentierte Mr. Ripley").

Aus Sehnsucht nach Idylle wurde ein Kampf gegen Rechts

Viele Jahre lebten die Lohmeyers, Birgits Mann ist der Musiker Horst Lohmeyer, in St. Pauli in Hamburg. Doch dann nahm ihre Sehnsucht nach Ruhe und ländlicher Idylle überhand, sie suchten und fanden das alte Forsthaus in Jamel bei Wismar. 2004 zogen sie um. "Wir wussten zwar, dass im Dorf ein aktiver Rechtsradikaler wohnt, aber das hat uns damals nicht gestört."

Inzwischen ist das längst anders. Jamel ist bundesweit bekannt als Hochburg der Neonazis, die Mehrheit im Dorf lebt ihre rechtsradikale Gesinnung offen aus. "Ich gebe zu, dass wir manchmal Angst haben", erklärt die Schriftstellerin. Schließlich haben die Lohmeyers aus ihrer Ablehnung keinen Hehl gemacht. Und sie beweisen Zivilcourage. Seit 2007 setzen sie mit ihrem Rock-Open-Air ein deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz. Zu Pfingsten werden sie an der Aktion "Kunst offen" teilnehmen, und für September ist ein Open-Air-Gottesdienst am alten Forsthaus geplant. "Das Dorf hat einen schlechten Ruf", sagt Birgit Lohmeyer. "Wir wollen mit diesen Aktionen auf die Situation hier aufmerksam machen. Wir wollen hier bleiben, die Landschaft ist so schön und es gibt viele nette Menschen. Wir fühlen uns trotz allem sehr aufgehoben."

Für ihr Engagement wurden die Lohmeyers im Februar mit dem Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen geehrt. Und oft kommen Journalisten zu ihnen, sogar aus Israel, Russland und Kanada. "Das Interesse der Medien ist groß, an dem Dorf, an unserem Alltag. Wir finden das gut, denn die Öffentlichkeit ist für uns auch ein gewisser Schutz. Wir müssen mit unseren Nachbarn leben, auch wenn wir ihre Gesinnung nicht teilen", unterstreicht Birgit Lohmeyer.

Ihren Standpunkt macht sie immer wieder deutlich, gerade hat sie eine Miniatur "Worte gegen rechts" geschrieben für einen Wettbewerb des Schriftstellerverbandes.


Birgit Lohmeyer: Sokops Rache. Hinstorff. 223 S., 9,99 Euro


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