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Neuer Landtag in Schwerin: Millionen-Projekt startet

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erstellt am 02.Aug.2012 | 06:56 Uhr

Schwerin | Die Luft im ehemaligen Festsaal ist staubig. Abgerissene Holzballus traden liegen auf dem Boden, Teile des Mauerwerks sind freigelegt, Betonflächen blitzen durch abgetragene Verkleidungen - der sogenannte Sondierungsabriss im Schweriner Schloss hat begonnen. Die gute Nachricht: "Bisher sind noch keine Risiken sichtbar geworden, die wir nicht einkalkuliert hätten", sagte gestern Landtagsdirektor Armin Tebben.

Für die gesamte Baumaßnahme sind rund 21 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfallen sieben Millionen Euro auf den neuen Plenarsaal, der im alten Festsaal entstehen soll. Zehn Millionen Euro kostet die Sanierung des Burgsee- und Schlossgartenflügels, in dem sich auch der bisherige Festsaal befindet. Sie wurde notwendig, um die Spätfolgen des Schlossbrandes von 1913 sowie der anschließenden improvisierten Baumaßnahmen zu beheben, wie Tebben erklärt. Das betrifft vor allem die statische Instandsetzung. Hinzu kommen rund vier Millionen Euro für die neue Infrastruktur. Weitere 4,5 Millionen Euro sind als Reserve für den Fall eingeplant, dass die Bausubs tanz stärker geschädigt ist als bisher angenommen.

Das Büro "Dannheimer & Joos Architekten" - Gewinner des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Plenarsaals - hat im Vorfeld allerdings gründlich recherchiert. "Bislang haben sich alle Thesen der Architekten bewahrheitet", sagt Tebben und zeigt auf eine Wand im alten Plenarsaal. Durch ein Loch kann man erkennen, dass die Original-Mauer ein ganzes Stück dahinter liegt. Das hatte Architekt Tilman Joos bereits vorhergesagt. Auch die These, dass die historischen Verzierungen im ehemaligen Goldenen Saal nach dem Brand fast alle abgeschlagen wurden, hat sich durch den Sondierungsabriss im später dort eingebauten Festsaal vorerst bestätigt. Im angrenzenden Presseraum sind noch die Brandspuren im Mauerwerk zu erkennen. Durch die Umbauarbeiten wird die ursprüngliche Raumstruktur des Goldenen Saales wieder hergestellt.

Die größte Herausforderung stellt dabei die Entfernung des 50er-Jahre-Betons dar, von dem nicht zu viel auf einmal herausgenommen werden darf, ohne Gegengewichte etwa über die Decke zu schaffen. Das "gewichtsneu trale Bauen" zieht den Umbau zwangsläufig in die Länge. Tebben hofft, dass die gesamten Arbeiten bis zum Ende der Legislatur fertig sein werden.

Der alte Plenarsaal soll in den kommenden Monaten stärker für Veranstaltungen genutzt werden. Unklar ist noch, wie man mit dem Kunstwerk umgehen will, das sich hinter der Lobbywand gefunden wurde. Das Bild von Horst Strempel, das Ende der 40er-Jahre entstand, zeigt ein Landwirtschaftsmotiv im Stil des Sozialistischen Realismus. Erhalten bleiben soll es auf jeden Fall, sagt Tebben. Ob oder wo es gezeigt wird, sei jedoch noch offen.

Fest steht dagegen, dass die Standzeiten für die Gerüste an der Fassade des Schlosses künftig reduziert werden sollen. Auch sollen die Baustellen optisch freundlicher gestaltet werden.

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