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Hoffnung bei ehemaliger Angestellten : Neuer Job nach Schlecker-Pleite

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Damit hatte sie nicht gerechnet: 13 Jahre lang stand Silke Schünemann im Schlecker-Markt. Doch als für die Drogeriemarktkette die Insolvenz kam, sah sie sich schon im Wartezimmer der Arbeitsagentur sitzen.

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erstellt am 03.Aug.2012 | 06:28 Uhr

Schwerin | Damit hatte sie dann doch nicht gerechnet: 13 Jahre lang stand Silke Schünemann im Schlecker-Markt - "und das sehr gern", sagt die Schwerinerin. Doch als in Europas einst größter Drogeriemarktkette nach halbjähriger Zitterpartie der Insolvenzverwalter Ende Juni endgültig die Lichter ausschaltete, sah sich die 41-Jährige schon im Wartezimmer der Arbeitsagentur sitzen. "Auf einige Monate Arbeitslosigkeit hatte ich mich längst eingestellt", sagt Silke Schünemann. Bis zum Schluss hatte sie im Schlecker-Markt den Ausverkauf organisieren müssen - "furchtbare Wochen", erinnert sie sich: "Das war, als wenn man seinen eigenen Arbeitsplatz verkauft." Dann Hoffnung im Jobcenter: Ein Bewerbertraining habe man ihr in der Arbeitsagentur zunächst angeboten, und eine Umschulung für einen Job in der Hotel- und Gaststättenbranche. "Das hätte ich gemacht", erklärt Schünemann - muss sie aber nicht mehr. Fernseher und Glühbirnen, statt Duschgel und Haarspangen: Seit vier Wochen verkauft sie im Schweriner Real-Markt in der Technikabteilung. "Ist interessant, nach 13 Jahren mal etwas anderes zu machen", freut sie sich über den neuen Job. Montags beworben, donnerstags Vorstellungsgespräch, freitags eingestellt, drei Tage später Arbeitsbeginn - Silke Schünemann ist eine der wenigen Schlecker-Beschäftigten, die im Turbogang binnen weniger Tage über die Jobbörse der Arbeitsagentur einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. "Die meisten der Kolleginnen haben aber noch keinen neuen Job", weis die Schwerinerin. Für Silke Schünemann ist das Kapitel Schlecker, wie sie sagt, abgeschlossen - für hunderte ihrer ehemaligen Kolleginnen allerdings noch lange nicht.

Ihre Chancen, schnell wieder einen vergleichbarer Job zu finden, stehen vor allem auf dem Land schlecht: Der Großteil der Schlecker-Beschäftigten werde von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sein, befürchtet Verdi-Gewerkschaftssekretärin Sigrid Knoll in Greifswald. Bislang hätten nur wenige Betroffene einen neuen Job gefunden - zum Teil befristete Stellen zu Tarifbedingungen im Einzelhandel aber auch in anderen Branchen. Bei anderen erweisen sich die bislang bei Schlecker gezahlten höheren Tariflöhne von 10 bis 13 Euro je Stunde als Einstellungshemmnis. Die Betroffenen seien von den Arbeitsagenturen stattdessen Stellen zu deutlich schlechteren Bedingungen angeboten worden, erklärte die Gewerkschaftssekretärin. 400-Euro-Jobs, Stundenlöhne von 4,50 oder 5 Euro: "Das ist unmöglich, davon kann man nicht leben", meinte Knoll.

Vier Wochen nach dem Aus für die Drogeriemarkt-Kette waren in MV Anfang August 776 Schlecker-Beschäftigten noch ohne neuen Job, teilte die Landesarbeitsagentur gestern mit. 220 von ihnen würden derzeit an Qualifizierungslehrgängen und Bewerbungstraining teilnehmen, 94 hätten einen neuen Job gefunden. Insgesamt gebe es derzeit 736 offene Stellen im Handel. Für die Betroffenen würden die Arbeitsagenturen gemeinsam mit den Kammern und der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) des Landes spezielle Jobbörsen organisieren und Bewerbungstraining, ergänzende Qualifizierungen, Mobilitätshilfen, Umschulungen sowie Eingliederungszuschüssen anbieten.

Nach den Ankündigungen der Politik sind die Erwartungen bei den Schlecker-Beschäftigten hoch: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte vorgeschlagen, ehemalige Schlecker-Beschäftigte in Pflegeberufe sowie als Erzieherinnen zu vermitteln. Die dafür notwendigen Umschulungen scheiterten bislang allerdings an den hohen Zugangsvoraussetzungen. Es sei "unanständig" mit derartigen Ankündigungen Hoffnung zu schüren, die nicht erfüllt werden, meinte Knoll: Da wurde viel "heiße Luft" verbreitet worden. Bislang sei noch immer nicht geklärt, wie Qualifizierung erfolgen soll. Dabei hätten allein in Vorpommern hätten 56 ehemalige Schlecker-Beschäftigte Interesse an einem neuen Job im Pflegebereich bekundet.

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