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Lebenspark Alt Rehse : Neuer Ärger im Musterdorf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Betreiber von Lebenspark Alt Rehse wegen Betruges vor Gericht – Besitzer auf der Suche nach Investoren

Sven Flechner steht im denkmalgeschützten Park von Alt Rehse (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) und ist ärgerlich. „Wie oft haben die Brüder Wallner mir erzählt, dass sie bald Geldgeber haben“, sagt der Bürgermeister von Penzlin, zu dem auch Alt Rehse gehört. Doch das mit vielen Vorschusslorbeeren gestartete Kapitel alternativer „Tollense-Lebenspark“ in Alt Rehse ist nun endgültig zu Ende. Die Betreiber müssen sich sogar vor Gericht verantworten.

Was aus der „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ aus der NS-Zeit wird, ist weiter unklar. „Wir sind auf der Suche nach Investoren“, sagt der Münchner Immobilienmakler Gerd Preissing, dem der Park gehört.

Die Park-Geschichte ist eine lange Odyssee für die Einheimischen. Dabei wird das nächste Kapitel am Amtsgericht Neubrandenburg geschrieben. „Wir haben Anklage gegen die Betreiber des Tollense-Lebensparkes erhoben“, sagte der Sprecher der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft Gerd Zeisler. Es gehe um Urkundenfälschung, Kreditbetrug und Insolvenzverschleppung. Der Prozess soll im April beginnen. Die Beschuldigten hatten nach Durchsuchungen die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen, waren zuletzt für eine Stellungnahme aber nicht mehr zu erreichen.  

Das Dorf am Tollensesee bei Neubrandenburg war in den 1930er-Jahren mit reetgedeckten Backstein-Fachwerkhäusern als NS-Musterdorf aufgebaut worden, im Park wurden Mediziner und Pflegekräfte in Euthanasie und Rassenkunde geschult. In der DDR wurde daran nicht erinnert, die Nationale Volksarmee übernahm das idyllische Gelände.

Nach 1990 kam die Bundeswehr, „die allein acht Hausmeister hatte“, weiß Flechner. Das Militär ging, und der Bund verkaufte den Park 2006 an Preissing, der es an den alternativen „Tollense-Lebenspark“ gab, aber nie die vereinbarte Kaufsumme bekam.

Dem Immobilienmakler riss der Geduldsfaden und er verlangte 2012 den Park zurück, aber die Bewohner wollten nicht weichen. Mehrere Gerichte gaben Preissing recht, zuletzt vor wenigen Wochen das Oberlandesgericht in Rostock. Inzwischen hat sich das Gros der Leute des „Tollense-Lebensparks“ auch zerstritten. Mehrere Mitglieder, die den Betreibern Geld gegeben hatten, verlangten das per Gericht zurück, was zur Insolvenz der Betreibergesellschaft und nun zum Prozess führte.

Im Park selbst sind die Wiesen völlig verwildert, Häuser wachsen zu, einige Gebäude machen einen ausgeräumten Eindruck. „Solch ein Gelände gehört in öffentliche Hand“, meint Flechner. Allein die Auflagen beim Denkmalschutz im Park hätten immer wieder Investoren abgeschreckt.

Die Gemeinde ließ auch einen Schiffsanleger im Park bauen, der öffentlich zugänglich bleiben soll. „Wir haben das Gelände nun wieder in Besitz genommen und erstmal das Tor an der Einfahrt zugemacht“, erklärt der Anwalt des Immobilienbesitzers, Horst Förster. Nur Fußgänger dürften noch hinein. Ein paar Anwohner passen auf, dass möglichst wenig zerstört wird.

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