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Auswirkung der Kreisreform : Neue Schilder braucht MV

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Nach der Reform, die aus zwölf nur noch sechs Landkreise machte und vier Städten die Kreisfreiheit nahm, hat der große Schildertausch begonnen. Knapp die Hälfte aller Ortseingangsschilder muss durch neue ersetzt werden.

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erstellt am 18.Jan.2012 | 10:04 Uhr

Grimmen | Am Straßengraben vor Barkow bei Grimmen baut Birger Rieck eine Klappleiter auf. Der 44-Jährige prüft ihre Standsicherheit, dann tritt er vorsichtig auf die Stufen und setzt den Schraubenschlüssel am Ortseingangsschild an. Die alte, noch aus dem Jahr 1994 stammende Tafel hat ausgedient. Es dauert nur ein paar Minuten, dann hat der Mitarbeiter des Stralsunder Straßenbauamts ein neues glänzendes Schild mit dem neuen Kreisnamen Vorpommern-Rügen angeschraubt. Wenig später bekommt auch das benachbarte Poggendorf sein neues Ortseingangsschild.

Nach der Reform, die am 4. September 2011 aus zwölf nur noch sechs Landkreise machte und vier Städten die Kreisfreiheit nahm, hat in Mecklenburg-Vorpommern der große Schildertausch begonnen. Allein in der Straßenmeisterei Grimmen müssten 130 Ortstafeln geändert werden, sagt Leiter Frank Denker, der jetzt jeden Freitag seine Straßenaufsicht zum Schildertausch über die Dörfer schickt.

Knapp die Hälfte aller Schilder muss von den 24 Straßenmeistereien durch neue ersetzt werden. Das betreffe vor allem jene alten Tafeln, die noch nicht mit moderner Reflektionsfolie ausgestattet seien, sagt Denker, der insgesamt 58 Ortseingangsschilder in der Neuruppiner Filiale der Firma Dammbach-Werke aus Baden-Württemberg anfertigen ließ. Für die anderen Schilder seien Folien bestellt worden, mit denen die alten Kreisnamen einfach überklebt würden.

Landesweit erhalten bis zum Frühjahr über 700 Kommunen mehr als 3000 neue Schilder, darunter fast 1800 Tafeln an Bundes- und Landesstraßen. Je nach Straßenklasse muss die Umstellung vom Bund, dem Land, dem Kreis oder der jeweiligen Gemeinde finanziert werden. Die Gesamtkosten ließen sich deshalb nur schwer beziffern, sagt ein Experte im Verkehrsministerium. Doch bei Preisen von durchschnittlich 100 Euro pro Schild und 30 Euro pro Folie könne man von Kosten weit über 200 000 Euro ausgehen, hieß es.

Regional unterschiedlich geht auch die Umstellung voran. In manchen Gegenden wie im Landkreis Rostock kletterten die Montagetrupps schon wenige Tage nach Inkrafttreten der Kreisgebietsreform auf die Leitern, um die rechtzeitig bestellten Tafeln zu montieren. Anderenorts wie auf Rügen, wo man der fast 200-jährigen Selbstständigkeit als Kreis nachtrauert, stehen noch immer die alten Rügen-Wegweiser. In einigen Städten dagegen ist man sich noch uneins. So muss wahrscheinlich erst die neue Landrätin von Vorpommern-Greifswald entscheiden, ob am Greifswalder Stadtrand der Anreisende künftig von einer "Kreisstadt, Hansestadt oder Universitätsstadt" empfangen wird.

Unterdessen hat der Schilderklau neue Dimensionen angenommen. Einer Umfrage zufolge haben Sammler schon schätzungsweise in mehr als 40 Ortschaften Eingangstafeln als Andenken mitgehen lassen.

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