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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 18:14 Uhr

Neue Runde im Einbaum-Streit

vom

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erstellt am 13.Mai.2010 | 06:02 Uhr

Schwerin | Der Schlagabtausch um den Verlust historisch wertvoller Einbäume ist in die nächste Runde gegangen. Energisch wies Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch (CDU) inzwischen Vorwürfe des Verbands der Landesarchäologen in der Bundesrepublik zurück. Dessen Vorsitzender Jürgen Kunow hatte vor Kurzem in der Verbandszeitschrift behauptet, der Verlust der 2002 in Stralsund geborgenen Steinzeitrelikte sei auf Fehlentscheidungen in den Ministerien und letztlich sogar der früheren Finanzministerin Sigrid Keler (SPD) zurückzuführen (unsere Zeitung berichtete). Mecklenburg-Vorpommerns früherem Chef-Archäologen Friedrich Lüth stellte Kunow in seinem Artikel einen Persilschein aus und ihn als Opfer widriger Umstände dar.

Lüth allerdings war von einer Expertenkommission als Hauptschuldiger für den Verlust der 5000 Jahre alten Holzfragmente ausgemacht worden. Er hätte dafür sorgen müssen, dass die Einbäume in Wasserwannen gelagert werden, statt lediglich zu versuchen, sie bis zum nicht absehbaren Beginn der fachmännischen Konservierung feucht zu halten. So war das Holz vertrocknet und zerbröselt. Zu dieser Einschätzung steht Minister Tesch offenbar immer noch. Nach Informationen dieser Zeitung warf er Kunow und seinen beiden Mitautoren - darunter Lüths damaliger Mitarbeiter Hauke Jöns - in einem Brief vor, unwissenschaftlich, einseitig und parteiisch zu argumentieren. Unter anderem seien die Einbäume keineswegs, wie von Kunow behauptet, noch 2004 zu retten gewesen.

Bei seinem Grußwort auf der Jahrestagung des Archäologenverbandes am vergangenen Dienstagabend erwähnte Tesch die Einbäume übrigens mit keinem Wort. Auch Kunow schwieg sich darüber aus, dankte stattdessen dem Minister herzlich für die Einladung nach Schwerin. Die angereisten Archäologen wollten in der Orangerie des Schlosses lieber das Essen genießen als sich "zu alten mecklenburgischen Kamellen" zu äußern, wie einer sagte.

Tesch kündigte unterdessen an, mehr für die Unterwasserarchäologie zu tun. Denn 30 Prozent der Landesfläche von Mecklenburg-Vorpommern sei vom Meer, von Seen und von Flüssen bedeckt. Darum liege "ein erheblicher Teil unseres archäologischen Kulturguts unter Wasser", so der Minister. "Dafür müssen wir Sorge tragen." Zum Beispiel wurden bereits rund 2000 Wracks in der Ostsee kartiert. In einem ersten Schritt soll nun der Landesverband für Unterwasserarchäologie gut 35 000 Euro für ein Boot, Ausrüstung und einen Koordinator bekommen. In dem Verband sind 60 Taucher organisiert, die ehrenamtlich in ihrer Freizeit unter Wasser Denkmäler finden, melden, vermessen und schützen.

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