zur Navigation springen

Vor allem Neukunden sind betroffen : Neue Regeln für Immobilienfonds

vom

Keine Frage: Immobilien als Geldanlage sind beliebt. Nicht nur die stetig steigenden Preise für Häuser und Eigentumswohnungen sind dafür ein Beleg. Auch Offene Immobilienfonds sind bei Anlegern gefragt.

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2013 | 10:25 Uhr

Keine Frage: Immobilien als Geldanlage sind beliebt. Nicht nur die stetig steigenden Preise für Häuser und Eigentumswohnungen sind dafür ein Beleg. Auch Offene Immobilienfonds (OIF) sind bei Anlegern gefragt. Vom 1. Januar bis zum 30. April investierten sie fast 1,7 Milliarden Euro in diese Fonds. Zum Vergleich: Aktienfonds konnten im selben Zeitraum gerade mal rund 4,4 Millionen Euro einsammeln.

"Die Fonds sind nach wie vor eine gute Möglichkeit, Geld breitgestreut in Immobilien anzulegen", erklärt Prof. Steffen Sebastian von der Universität Regensburg. "Mit Offenen Immobilienfonds können Anleger sich auch mit kleineren Beträgen an Immobilienprojekten beteiligen", sagt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Die Fonds investieren in Immobilien, meist Bürogebäude oder Einkaufscenter. Mieteinnahmen und Wertsteigerungen sollen Erträge bringen. Um das Risiko der Investition zu mindern, werden viele verschiedene Gebäude oft auch in unterschiedlichen Ländern gekauft. Laut einer Studie von Prof. Sebastian sind OIF damit vor allem für Kleinanleger geeignet. Der Grund: Anleger mit vergleichsweise wenig Mitteln können bei direkten Immobilieninvestments kaum streuen.

Anders bei indirekten Immobilienanlagen wie Offenen Immobilienfonds: Hier kann sich ein Privatanleger mit weit weniger Kapitaleinsatz an Immobilien beteiligen und von den Vorteilen der Anlageklasse profitieren. Einen Anteil an einem Offenen Immobilienfonds gibt es bereits ab einem Betrag von 25 Euro.

Allerdings kämpfen viele Fonds derzeit mit Problemen. "Einige Fonds sind geschlossen, andere werden gerade abgewickelt", erklärt Verbraucherschützer Mai. Eine Folge der Finanzkrise 2008. Damals zogen vor allem institutionelle Anleger innerhalb kurzer Zeit viel Geld ab. Um die Auszahlungswünsche bedienen zu können, mussten die Fonds auf ihre Reserven zurückgreifen und gerieten in Schieflage. Damit sich das nicht wiederholt, wurden im Anlegerschutzgesetz neue Regeln für die Offenen Immobilienfonds beschlossen, die erst am 1. Januar in Kraft getreten sind. Der wichtigste Punkt: Anleger müssen ihre Anteile nun 24 Monate halten, bevor sie sie komplett wieder zurückgeben dürfen. Außerdem gibt es eine Kündigungsfrist: Zwölf Monate vor der beabsichtigten Rückgabe muss der Kunde unwiderruflich erklären, dass er seine Anteile zurückgeben will. Pro Kalenderhalbjahr kann er Anteile im Wert von 30 000 Euro loswerden, unabhängig von Ersthalte- und Kündigungsfrist.

Nun hat sich das Regelwerk noch einmal geändert. Am 22. Juli traten weitere, strengere Bestimmungen in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt gilt das Kapitalanlagegesetzbuch, das die AIFM-Richtlinie in deutsches Recht umsetzt. Diese EU-Richtlinie über die Verwalter alternativer Fonds betrifft auch Offene Immobilienfonds. Die Folge für Anleger: Der Freibetrag von 30 000 Euro entfällt für Neuanlagen.

Die OIF werden damit ein wenig unflexibler. Anleger kommen nicht mehr so schnell an ihr Geld. "Allerdings ist das Produkt im Vergleich zu anderen Sparprodukten nach wie vor flexibel", erklärt Prof. Sebastian. Sparer sollten bei Immobilienanlagen generell einen langen Atem haben. Mindestens fünf Jahre sollten die Anteile gehalten werden, um entsprechende Renditen zu erzielen.

Betroffen sind von der neuen Regelung nicht alle Anleger gleichermaßen: Sie gilt nur für Neuanlagen. Das heißt: Anleger, die bereits jetzt Geld in Offene Immobilienfonds investiert haben, können weiterhin Anteile im Wert von 30 000 Euro pro Kalenderhalbjahr zurückgeben, ohne Fristen beachten zu müssen.

Grundsätzlich sollten Anleger auch bei Offenen Immobilienfonds hinter die Fassade schauen, findet Verbraucherschützer Mai. "Werfen Sie einen Blick auf den Immobilienbestand, die Liquiditätsquote und den Vermietungsstand." Mit diesen Kennzahlen könnten Anleger versuchen, den Fonds einzuschätzen. Außerdem sollte nur ein Teil des Vermögens in OIF investiert werden. "Andernfalls ist das Risiko einfach zu groß."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen