Anbau von Südfrüchten im Test : Neue Obstsorten braucht das Land

Aprikosen (Prunus armeniaca) der Sorte 'Kioto' hängen auf der Versuchsplantage der Landesforschungsanstalt fuer Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern in Guelzow an einem Aprikosenbaum. Foto: Frank Hormann/dapd
Aprikosen (Prunus armeniaca) der Sorte "Kioto" hängen auf der Versuchsplantage der Landesforschungsanstalt fuer Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern in Guelzow an einem Aprikosenbaum. Foto: Frank Hormann/dapd

Auf dem Versuchsgut in Gülzow werden Früchte aus südlichen Regionen darauf getestet, ob sie auch hierzulande Ertrag bringen. Ausprobiert wird der Anbau von Pfirsichen, Aprikosen und Bananen. Die Ergebnisse sind schwankend.

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10. Juli 2012, 10:00 Uhr

Den Aprikosen war der mecklenburgische Winter dann wohl doch zu kalt. Wahrscheinlich war es der starke Frost im Februar, der einige Bäume der Sorte „Kioto“ eingehen ließ, vermutet Friedrich Höhne, der auf der Versuchsplantage der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Gülzow (Landkreis Rostock) neue Obstsorten anpflanzt. Er will testen, ob angesichts des Klimawandels Früchte aus dem Süden auch in Mecklenburg-Vorpommern wachsen können. „Bei uns im Norden wird es zunehmend wärmer. Da haben auch die sogenannten Südfrüchte künftig eine Chance“, ist sich Plantagenleiter Höhne sicher. Bei den Aprikosen will er nun noch resistentere Sorten testen.
Gespannt ist Höhne auch auf die sogenannte Indianerbanane: Knapp zehn Zentimeter lang, grünschalig, ziemlich dick und etwa ein halbes Pfund schwer - so soll sie eines Tages aussehen. Noch ist an den rund 30 Zentimeter hohen Sträuchern wenig zu sehen. Die Paw-Paw, wie die Indianerbanane auch heißt, ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet, wie Höhne erläutert.

Ob sich die neuartige Banane in Mecklenburg behaupten kann, sei aber noch ungewiss, schränkt Höhne ein. Die Pflanzen wurden vor zwei Jahren eingesetzt, bislang seien aber noch keine Früchte geerntet worden. „Es gibt durchaus Interesse bei Obstbauern in Norddeutschland diese Dinge anzubauen.“ Dazu bräuchten sie aber Sicherheit, dass sich der Aufwand auch auszahle.
Zwtl.: Klimawandel - eine Chance für Südfrüchte
Neben der Indianerbanane und den Aprikosen sind auf der Versuchsplantage auch verschiedene Nussbaumarten und Pfirsiche übersichtlich in Reih und Glied angepflanzt. Auch besondere Sorbus-Sträucher, eine Kreuzung zwischen Edeleberesche und den Apfelbeeren Aronia, werden angebaut. Sie tragen bereits einige Beeren. Diese können Säften beigemischt oder in der Marmeladenproduktion eingesetzt werden. Auch bei der Spirituosen- und Apfelweinherstellung sind sie gefragt.

„Das Besondere ist, dass es sich bei der Kreuzung um einen Strauch und nicht um einen Baum handelt. So lassen sich die Früchte besser ernten“, sagt Höhne. Die Gülzower Anbauversuche deuten darauf hin, dass es schon bald soweit sein könnte.
Zwtl.: Gülzow ist Ziel für Obstbauern aus Norddeutschland
Die Anlage in Gülzow ist für Obstbauern aus ganz Norddeutschland eine wichtige Adresse. Zweimal im Jahr kommen Gruppen, um sich ein Bild von den Ergebnissen der Versuche zu machen. Steffen Schönemeyer hat vor vier Jahren die erste Pfirsichbaumplantage in Mecklenburg-Vorpommern angelegt, nachdem die Pflanzen auf der Versuchsanlage gut über den Winter gekommen waren. Doch so richtig zufrieden ist der Inhaber des Obsthofes in Eschenhörn im Landkreis Rostock mit den Erträgen noch nicht. Nach einer durchaus guten Ernte im vergangenen Jahr hängen diesmal nur vereinzelt Früchte an den Ästen. Höhne will der Ursache auf den Grund gehen und herausfinden, warum die Bäume mal viele Früchte tragen und dann womöglich mehrere Jahre lang kaum welche.
Erfolgreich aus Gülzow auf die Äcker gebracht wurde der Sanddorn.

Inzwischen stehen nahezu überall in Norddeutschland Plantagen mit den goldgelben bis roten Beeren. Auch dem waren langjährige Anbauversuche auf der Versuchsanlage vorausgegangen. „Wenn wir unsere Anlagen erweitern, dann schauen wir zuallererst nach Gülzow“, sagt Ilona Schreiber, Geschäftsführerin der Ludwigsluster Sanddorn-Storchennest GmbH. „Nur die bewährten Sorten stellen wir dann auch ins Feld.“ Ihr Unternehmen ist mit fast 100 Hektar der größte Sanddorn-Anbauer in Deutschland.
„Wir brauchen Sicherheit, dass der Anbau Erfolg hat. Nur auf dieser Basis können wir mit den Händlern verhandeln, erst recht, wenn wir Neuheiten am Markt platzieren wollen“, heißt es unisono in der Runde der angereisten Obstbauern.


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