Kreiswappen : Neue Landkreise gut gewappnet?

Dr. Antje Koolman ist die Hüterin der Wappenrolle im Landeshauptarchiv Schwerin.
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Dr. Antje Koolman ist die Hüterin der Wappenrolle im Landeshauptarchiv Schwerin.

Zweieinhalb Jahre nach der Kreisgebietsreform: Vorpommern-Greifswald konnte sich endlich auf ein Kreiswappen einigen / Ludwigslust-Parchim hat den Stierkampf noch nicht entschieden

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21. Februar 2014, 11:55 Uhr

Das ging gründlich daneben: Schon ein Jahr nach der Kreisgebietsreform präsentierte Landrat Heiko Kärger (CDU) im Sommer 2012 stolz das neue Kreiswappen für den Großkreis Mecklenburgische Seenplatte. Den darauf abgebildete Fischadler mit einem Fisch in der Kralle benutzen allerdings auch Rechtsextreme und Anhänger völkischer Mystik als anti-christliches Symbol. So hatte der inzwischen verstorbene Hamburger Neonazi und Rechtsanwalt Jürgen Rieger sich ein ähnliches Symbol sogar als Bildmarke schützen lassen. Kärger reagierte sofort und zog den Entwurf zurück.

„Ein gutes Wappen braucht seine Zeit“, sagt die promovierte Archivrätin Antje Koolman. Die Mitarbeiterin im Landeshauptarchiv Schwerin ist Hüterin der Wappenrolle, die das Land Mecklenburg-Vorpommern 1991 eröffnet hat. Genau 348 Einträge über Wappen von Gemeinden, Ämtern und Kreisen sind auf der Wappenrolle derzeit eingeschrieben, die in Wirklichkeit eine ganz profane Hängeregistratur ist.

Wappen gab es schon in der Antike und im Mittelalter etwa als Bild auf einem Schild, an dem sich Freund und Feind erkennen sollten. Daraus entstand die Wappenkunde, Heraldik, eine historische Hilfswissenschaft mit einem 800-jährigen Regelwerk, auf dem das Vorurteil verstaubter Altertümelei lastet.

Viele Regeln sind noch heute gültig. „Neben Gold und Silber dürfen nur die vier Farben rot, schwarz, grün und blau verwendet werden“, erklärt Antje Koolman. Außerdem sollten die Symbole schon im Mittelalter bekannt gewesen sein, denn die Heraldik setzt auf Traditionen. Neumodische Motive, wie etwa eine Skihalle für das Wappen von Wittenburg hätten kaum eine Chance.

Doch der Wunsch nach eigenen Hoheitszeichen besteht trotz strenger Reglementierung bis heute. „Das Wappen ist wie der Name Teil der Identität“, so Frau Koolman. Es findet sich auf Siegeln und amtlichen Schreiben, in den Kreisverwaltungen und bei öffentlichen Auftritten des Landrates. Vier der sechs neuen Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern haben ihr neues Wappen bereits. Nur Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim hinken hinterher.

Die Vorpommern beschlossen nach einigen Debatten und einem Einlenken des Strasburger Bürgermeisters Norbert Raulin erst auf einer Kreistagssitzung im Dezember 2013 ihr neues Kreiswappen. Raulin wollte ursprünglich seine einst märkische Stadt Strasburg mit einem kleinen brandenburgischen roten Adler im Wappen vertreten sehen. Schließlich einigte man sich auf den roten Stettiner Greif als alleiniges Wappentier. Noch ist das neue Wappen vom Innenministerium nicht genehmigt. Aber das Genehmigungsverfahren geht voran, hieß es. Noch länger dauert der Einigungsprozess im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Bekanntlich hat jeder Mecklenburger seinen eigenen Kopf – im Kreis Ludwigslust-Parchim sogar seinen eigenen Stierkopf.

In Ludwigslust steckt der Stier die Zunge aus, hat silberne Hörner und ein Halsfell. Die Parchimer schwören dagegen auf ihren Wappenstier, der keine Zunge aussteckt und auch kein Halsfell, dafür aber schwarze Hörner hat. Einen Sieger hat dieser Stierkampf im neuen Großkreis noch nicht gefunden.

Im März wird sich der Ausschuss für Verwaltungsmodernisierung des Kreistages auf einen Vorschlag einigen. „Das Ergebnis wird den Abgeordneten im Mai zur Abstimmung vorgelegt“, sagt Kreissprecher Andreas Bonin. Dann muss das Innenministerium über das Wappen nach einem Gutachten des Landeshauptarchivs entscheiden. Für die vorpommersche Scholle übernimmt das Landesarchiv Greifswald diese Aufgabe.

Die Hüterin der Wappenrolle ist mit den neuen Kreiswappen bisher zufrieden. Die Symbole entsprechen den Regeln, sind unverwechselbar und auch stilistisch sauber, sagt Antje Koolman.

Selbstverständlich ist das nicht. Denn gerade bei Gemeindewappen inflationieren inzwischen Kornähren und Eichenblätter. Auch bei Möwen und Abtsstäben meldet Frau Koolman mittlerweile häufig Kritik an. Zwar treffen die Symbole der Landwirtschaft und Wälder für manch eine Gemeinde zu, ebenso wie die Nähe zur Küste oder die Vergangenheit als Kirchenacker. Doch gerade diese Beliebigkeit ist nicht gewollt. So einmalig wie möglich sollte das Wappen sein.

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