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Film-Festival in MV : Neue künstlerische Leitung gesucht

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Das Filmkunstfest in MV soll einen neuen Künstlerischen Leiter bekommen. Der Aufsichtsratschef des Festival-Ausrichters, Dr. Uwe Hornauer, bestätigt nun eine Neuausschreibung der Stelle.

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2013 | 09:46 Uhr

Schwerin | Wie soll es mit dem Filmkunstfest MV in Schwerin weitergehen? Ja, man werde die Stelle des Künstlerischen Leiters für das Filmkunstfest erneut ausschreiben - das bekräftigte Dr. Uwe Hornauer, Aufsichtsratschef des Festival-Ausrichters FilmLand MV gGmbH, auf Nachfrage unserer Zeitung. "Wir wollen wieder eine eine ruhigere Ecke kommen", so Hornauer, der im Hauptamt Chef der Landesmedienanstalt MV ist. Deshalb gehe man nach dem Wirbel um die Absage der schon designierten Künstlerischen Leiterin Elke Fentje Mülder im Februar "die Suche ganz unaufgeregt an", so Hornauer. Müders Rückzug sei "bedauerlich" gewesen. Die Ausschreibung solle nach der Juni-Aufsichtsratssitzung erfolgen.

Muss sich etwas ändern beim Filmkunstfest? Der Schweizer Rolf Breiner, der in der Jury für den Preis der deutschsprachigen Filmkritik saß, meint im Gespräch mit unserer Redaktion: Das Filmkunstfest ist ein tolles Festival - aber es steckt mehr drin.

Herr Breiner, was bedeutet das Filmkunstfest für Sie?

Der Name gibt die Richtung an: ein Fest für filmische Kunstwerke und ein bisschen mehr. Das Filmkunstfest Schwerin 2013 hielt, was es andeutet: Das kleine MV-Festival ist familiär, film- und festfreudig - so die wohlwollende Bilanz eines zugereisten Jurymitglieds. Aber es sitzt mehr drin.

Wo sehen Sie denn Verbesserungspotenzial?

Zu einem Filmfest oder Filmfestival gehören mindestens drei Dinge oder Faktoren: Filme, Location (Lage) und eine Organisation, die Filme, Jury und Publikum an ebendiesem Ort zusammenführt. Das Filmkunstfest ist als lokales Kulturereignis für jedermann etabliert und wird vom Publikum angenommen. 14 000 Besucher sind eine befriedigende Zahl auch für 2013. Allein die Programmierung der Filme lässt manchmal zu wünschen übrig, beispielsweise wenn Filme aus der Sektion Hommage Michael Gwisdek oder der Länderreihe Großbritannien parallel laufen. Der frisch gekürte Lola-Preisträger Michael Gwisdek - welch gütige Filmpreisfügung! - war bereits vorher für den Ehren-Ochsen vorgesehen. Aber nicht einmal der preisgekrönte Film "O Boy" war zu sehen. Wenn schon Star und Glamour, dann bitte gezielt und volle Pulle. Die beiden "Polizeiruf 110"-Veteranen Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler nämlich gingen unter und wurden bei ihrer Lesung unter Wert gehandelt. Sie hätten mehr Zuhörer verdient. Falscher Ort, falscher Zeitpunkt?

Wo steht Schwerin, das ja auch deutschsprachige Filmkunst zeigen und fördern will, im bundesweiten Vergleich?

Im Abseits - im Gegensatz zum Max Ophüls Preis Saarbrücken und den fränkischen Filmtagen in Hof. Ein regionales Ereignis, das bereits in Berlin kaum wahrgenommen wird. Will man mehr? Das Familiäre, Beschauliche und Entstresste sind sicher Vorteile. Gleichwohl kann und müsste sich das Filmkunstfest weiterentwickeln, sollte sich stärker über MV hinaus profilieren.

Klingt gut - aber wie soll das konkret gehen?

Einige Ansätze dazu: Der Spielfilmwettbewerb ist teilweise unausgegoren, vielleicht auch von Umständen diktiert. Welche Filme kriegt man, wen kann man nach Schwerin locken? Man sollte nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen und Jungfilmer mit einem Festivalhasen wie Ulrich Seidl ("Paradies: Hoffnung") in einen Topf rühren. Dem Dokumentarfilm müsste mehr Wert zugemessen werden, indem man eine entsprechende Jury installiert. Der Kinderwettbewerb ist ausbaufähig auf mindestens sechs bis acht Filme, beispielsweise unterteilt in vier Filme für Kinder, vier Filme für Jugendliche. Einen Hauch von Glamour dichtet man der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung an, die beide übrigens bis auf kleinere Längen gut justiert waren. Aber ist das notwendig? Fazit: Das Filmkunstfest sollte sich auf wenige Sektionen konzentrieren, beispielsweise Jungfilme, Dokumentarfilme, Kinder- und Jugendfilme, MV-Filmwerkschau und die Hommage für den Ehrenochsen-Preisträger.

International ist das Filmkunstfest doch schon - durch das jeweilige Partner-Land.

Die Sondersektion Gastland macht sich vielleicht imagemässig gut, bringt aber nicht viel bei einer Filmauswahl wie 2013 - trotz populärem Eröffnungsfilm. Warum nicht eine konzentrierte Werkschau des deutschsprachigen Films mit einigen Premieren? Einem Workshop? Und als neue Exklusivität eine Werkschau oder ein Wettbewerb der besten deutschen Trailer? Das hätte Wirkung bei Medien und bei Filmschaffenden!

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