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2500 Beschäftigte betroffen : Neue EU-Pläne setzen Biosprit-Werke matt

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Strengere Regeln für Biokraftstoffe bringen die Öko-Treibstoffbranche in Bedrängnis. Bioenergie aus Feldfrüchten soll gedeckelt werden. Allein in MV sind davon Schätzungen zufolge 2500 Beschäftigte betroffe.

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2013 | 09:34 Uhr

Schwerin | Zukunftsangst auf dem Rapsacker: Die von Brüssel geplanten strengeren Regeln für Biokraftstoffe bringen die Öko-Treib stoffbranche in MV in Bedrängnis. Die EU-Kommission will Bioenergie aus Feldfrüchten mit einem so genannten Iluc-Malus belegen, der diese Treibstoffe in der Öko-Bilanz schlechter stellen würde. Brüssel begründet die Pläne damit, dass der Anbau für Biokraftstoffe die Nahrungsmittelproduktion verdränge, zu Landnutzungsänderungen und zur Abholzung des Regenwaldes führe. Das würde die Branche "von heute auf morgen stilllegen", kritisierte Robert Figgener, Chef des Ecomotion-Biodieselwerkes Sternberg und Präsident des Verbandes der Bio kraftstoffindustrie.

Allein in MV sind davon Schätzungen zufolge 2500 Beschäftigte betroffen, europaweit 220 000. Nachdem Brüssel jahrelang Pflanzensprit als Heilmittel im Kampf gegen zu hohe Treibhausgase gepriesen und mit Millionen gefördert hat, soll die Produktion nun wieder eingedämmt werden. Die EU-Pläne würden den Biodiesel schlechter stellen als Diesel aus fossilen Rohstoffen aus Tiefseebohrungen, so Figgener. Biokraftstoffe seien nicht für Hunger und Waldrodungen verantwortlich. Für den Rapsanbau seien vielfach zuvor stillgelegte Flächen genutzt worden. Zudem fehlten Erkenntnisse, inwieweit Biokraftstoffe zu Landnutzungsänderungen führten.

Brüssel geht weiter: Erst im Juli hat der Umweltausschuss des Europaparlaments Pläne gebilligt, den Anteil der Biokraftstoffe am Spritverbrauch auf 5,5 Prozent zu deckeln. Bislang gilt: Bis 2020 soll der Anteil auf bis zu zehn Prozent ausgebaut werden. Das würde die Auslastung der Werke weiter belasten, erklärte Figgener. Das Sternberger Biodieselwerk, das erst 2005 für 32 Millionen Euro aufgebaut und zu einem Drittel gefördert worden war, hatte bereits 2009 wie andere Anlagen in MV nach drastischen Steuererhöhungen die Produktion zeitweise einstellen müssen. Jetzt sei es zu 60 Prozent ausgelastet. Ein Werk in Lubmin hatte Insolvenz anmelden müssen, später einen Investor gefunden. Inzwischen wurde dort die Biodieselproduktion auf Bioöl umgestellt. Jetzt die Vorschläge aus Brüssel: "Das ist Kapitalvernichtung", meinte Figgener.

Die EU-Pläne bringen auch die Bauern auf: Damit verliere der für die Landwirte wichtige Rapsanbau an Attraktivität, kritisierte Bauernpräsident Rainer Tietböhl. Die Tierhalter würden zudem wichtige Eiweißfuttermittel verlieren, die stattdessen durch teure Soja-Importe ersetzt werden müssten.

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