zur Navigation springen

Aktenzeichen XY... ungelöst : Neue Ermittlungen nach 22 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mordfall Anja Lutter beschäftigt Rostocker Kripo / Unbekannter erstach 20-Jährige von hinten / Neuer Hinweis gestern Abend im ZDF

von
erstellt am 15.Jan.2015 | 07:43 Uhr

Nach mehr als 22 Jahren will die Polizei in Rostock den Mordfall Anja Lutter neu aufrollen. Die 20-Jährige aus Dummerstorf (Landkreis Rostock) wurde am 24. November 1992 ermordet – vom Täter fehlt jede Spur. „Die Kripo hat die Akten wieder hervorgeholt und sucht nach neuen Anhaltspunkten“, sagte gestern Christian Bochow vom Rostocker Polizeipräsidium. Hinweise erhoffen sich die Beamten auch von der gestern Abend ausgestrahlten ZDF-Sendereihe „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Noch während der Sendung meldete sich eine Frau, die berichtete, ebenfalls 1992 nahe Rostock als Tramperin sexuell belästigt worden zu sein. Insgesamt sind bei der Polizei seit gestern 16 Anrufe eingegangen. Diese Hinweise werden nun geprüft, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums am Donnerstag. Weitere Details nannte sie zunächst nicht.

Der 24. November 1992, es war ein kalter und nebliger Dienstag, besuchte Anja Lutter das Abendgymnasium in Rostock. Gegen 20.15 Uhr war der Unterricht vorbei und sie verabschiedete sich von den Mitschülern. Die 15 Kilometer bis Dummerstorf wollte sie trampen. Trotz Warnung der Eltern fuhr sie häufiger die Strecke per Anhalter. Zeugen gaben später an, dass sie die junge, selbstbewusste Frau an jenem Abend in der Neubrandenburger Straße (südliche Ausfallstraße B  103) das letzte Mal lebend gesehen haben. Anja habe an einem Trabant 601 gestanden und sich mit dem Fahrer unterhalten. Das Kennzeichen: ROS für den damaligen Landkreis Rostock.

Bei den Eltern in Dummerstorf kam die Frau nie an. „Wir suchten überall, überprüften alle Autos, die mit dem Verschwinden von Anja etwas zu tun gehabt haben konnten“, erinnerte sich zehn Jahre nach der Tat Bernd Scharen, damals Leiter der Mordkommission, im Gespräch mit unserer Redaktion. Anja Lutter blieb verschwunden. Erst vier Monate nach dem Verschwinden, am 23. März 1993, fanden Arbeiter die Leiche der Frau in einem Wassergraben in der Conventer Niederung bei Börgerende. Hände und Füße waren gefesselt und mit Steinen beschwert. Gerichtsmediziner bestätigen später, dass Anja mit einem Messer von hinten erstochen wurde und verblutet war. Vom Täter nimmt die Kripo an, dass er aus der Region stammen könnte. Das Versteck der Leiche deutet auf genaue Ortskenntnisse hin.

Auch ein Fahrrad spielte bei den Ermittlungen eine große Rolle. Es war in der Nähe des Leichenfundortes entdeckt worden und hatte am Rahmen Fasern, die vom Opfer stammten. Möglich, dass der Täter die tote Frau mit dem Rad transportiert hatte. Auffallend war ein auf dem hinteren Schutzblech angebrachter Inventar-aufkleber: „Rat der Stadt Rostock, Abt. Volksbildung“. Doch auch das Fahrrad führte bisher nicht auf die Spur des Täters.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen