Kritik von Opposition : Neue Ausbildung für Kita ab Herbst

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Erstmals Ausbildungsvergütung für angehende Erzieher

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21. Juni 2017, 21:00 Uhr

Trotz politischen Koalitionsgegrummels, die neue Ausbildung für Erzieherinnen für Krippen, Kindergärten und Hort kommt. Nach zweitägigem Hin-und-her zwischen SPD und CDU im Landtag stand heute Mittag fest, ab neuem Lehrjahr können 125 Schulabgänger ihre Ausbildung zum „Staatlich anerkannte/r Erzieher/Erzieherin von 0 - 10 “ beginnen.

An fünf staatlichen Berufsschulen soll der dreijährige Ausbildungsgang angeboten werden. Bislang gibt es 50 Bewerber. Jetzt hat das Kultusministerium die Bewerbungsfrist bis 1. Juli verlängert. Erstmals werden Auszubildende in dem Bereich Lehrlingsgeld bekommen. Je nach Lehrjahr und Einigung der Tarifpartner können von 820 Euro bis 970 Euro verdient werden.

Den Gesetzentwurf stellten gestern die Geschäftsführer der Landtagsfraktionen beider Koalitionspartner Thomas Krüger (SPD) und Vincent Kokert (CDU) vor. Nach einem heftigen Koalitionskrach in der letzten Woche kam es zu den Nachverhandlungen, die zu Veränderungen führten. Im Juli soll der Landtag das Gesetz beschließen.

So wird die Berufsbezeichnung der neuen Absolventen den jetzigen Erziehern mit vierjähriger Ausbildung angeglichen, allerdings mit der Ausnahme, dass die neue Ausbildung nicht für den Bereich junger Erwachsener gilt. Thomas Krüger: „Wir haben das Ziel, dass es in den Kita keine Zwei-Klassen-Ausbildung gibt. Für uns gilt, gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ Das müssen allerdings die Träger der Kita im Land mit den Gewerkschaften aushandeln. Von der Erziehergewerkschaft GEW kam jedenfalls schon einmal Lob für die Neuregelung.

Für die CDU war ein wesentlicher Knackpunkt, dass auch die freien beruflichen Schulen die Ausbildung übernehmen können. Das habe bislang nicht im Gesetz gestanden. „Freie Träger werden an der Ausbildung beteiligt“, so die Zusage von Vincent Kokert. Dazu muss das Schulgesetz geändert werden. Zudem wurde die Liste der Berufe, mit denen Bewerber mit Zusatzqualifizierung als Seiteneinsteiger infrage kommen, um Gemeindepädagogen und Sonderpädagogen ergänzt. Grund für das neue Gesetz: Etwa ein Viertel der 11 000 Beschäftigten in den Kitas gehen in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand.

Kritik kommt von der Opposition: Jacqueline Bernhardt (Linke) fürchtet eine „Aufweichung des Qualitätsgebotes in den Kitas“. „Auch wenn mit der namentlichen Gleichstellung der Ausbildungsabschlüsse eine Gleichwertigkeit suggeriert wird, ist diese noch lange nicht hergestellt“, so Bernhardt. Für die AfD kommt die Einigung „viel zu spät“.

Kommentar "Das ist erst der Anfang" von Max-Stefan Koslik

Ja, es rumpelte mächtig in  der Schlussphase der Novelle des Kindertagesförderungsgesetzes – so heißt das Kita-Gesetz im Beamtendeutsch – zwischen SPD und CDU. Wo die Ursachen dafür liegen und wie viel verletzte Eitelkeit dabei war , das mögen die Koalitionspartner unter sich klären. Denn, wenn die ersten „Staatlich anerkannten Erzieher“ in die Kita kommen, dann ist das Rumpeln der Vergangenheit längst verklungen.

Die Probleme aber werden auch dann noch die gleichen seien:  In den Kindergärten und Kinderkrippen  baut sich ein erheblicher Fachkräftebedarf auf. Ein Viertel aller Erzieherinnen  sind schon jetzt älter als 55 Jahre. Rein statistisch gehen Jahr für Jahr 250 Erzieherinnen in den Ruhestand. Auch deshalb die Eile. Die Geburtenzahlen im Land steigen kontinuierlich. Das ist erfreulich. Andererseits ist die Landesregierung  in der Pflicht, die Kita-Kapazitäten zu erhöhen, da sie per Gesetz  jedem Kind einen Kita-Platz garantiert.  Und schließlich nimmt die ohnehin schon sehr hohe Betreuungsquote im Land weiter zu.  Während 2014 noch 97500 Kita-Plätze im Land benötigt wurden, waren es 2016 schon 101 500. 

 SPD und CDU haben  zu Beginn der Legislatur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als einen Schwerpunkt ihrer Politik benannt. Auch deshalb war der politische Streit auf der Ziellinie schwer nachvollziehbar. Aber das ist erst der Anfang. Die Akkreditierung des neuen Ausbildungsgangs durch die  Kultusministerkonferenz und damit seine bundesweite Anerkennung, dürfte ein viel größerer Brocken werden.   Bisher  ist es  nicht mehr als eine  Hoffnung von CDU-Fraktionschef Vincent Kokert. Das wird noch ein langer Weg. Helfen könnte, dass mehr und mehr Bundesländer gezwungen sein werden, ihre Erzieherausbildung zu reformieren.

Andererseits ist die Reform an den  Kita in Richtung  dualer  Ausbildung kein Einzelfall. Im Bund wird an einer Reform der Ausbildung für Pflegeberufe gearbeitet, die im Übrigen von der ehemaligen Bundesfamilienministerin und künftigen Ministerpräsidentin, Manuela Schwesig, vorangetrieben wurde. Auch diese Reform läuft auf eine kostenfreie berufliche Ausbildung und eine angemessene Ausbildungsvergütung hinaus. Und was im Bund geht, das sollte auch in den Ländern funktionieren. Diesen Reformen werden weitere folgen. Und weiterer Streit – wohl auch.

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