zur Navigation springen

Millionenaufwand : Neubrandenburg "putzt" Denkmäler

vom

Die Stadt Neubrandenburg "putzt" ihr mittelalterliches "Tafelsilber" heraus und zementiert gleichzeitig ihre DDR-Architektur. Millionen flossen in die mittelalterliche Wehranlage samt Kirchen und das Franziskanerkloster.

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 10:38 Uhr

Neubrandenburg | Die Stadt Neubrandenburg "putzt" ihr mittelalterliches "Tafelsilber" heraus und zementiert gleichzeitig ihre DDR-Architektur. Millionen flossen in die mittelalterliche Wehranlage samt Kirchen und das Franziskanerkloster, das gestern nach mehr als zwei Jahren Bauzeit als Regionalmuseum eröffnet wurde. "Dort werden die Brüche in der Geschichte thematisiert", sagte Museumsleiter Rolf Voß. Davon hatte die Stadt viele. Zuletzt als DDR-Vorzeige-Bezirks- und -Sportstadt wuchs Neubrandenburg nach 1945 von rund 20 000 auf mehr als 90 000 Einwohner, verlor aber bis heute rund ein Drittel der Menschen wieder.

Unweit des Klosters wird in der Innenstadt für rund 30 Millionen Euro das Plattenbau-Ensemble des Hauses der Kultur und Bildung (HKB) saniert, zu dem der 56 Meter hohe HKB-Turm ("Kulturfinger") gehört. Das HKB war in den 1960er-Jahren als dominantes Gegenstück zur halb zerstörten Marienkirche angelegt worden und sollte die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung der DDR demonstrieren. Forderungen nach einem Abriss wies die Stadt nach 1990 immer wieder zurück.

Das im 13. Jahrhundert gegründete Franziskanerkloster wurde mit EU-Hilfe für rund sieben Millionen Euro restauriert und ist Startpunkt der Museumsmeile. "Museen sind die wahren Schatzkammern unserer Identität", erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zur Eröffnung. Von den Kosten für sein ältestes Gebäude hat Neubrandenburg 1,8 Millionen Euro selbst getragen. Das sei in Zeiten von Kürzungen bei der Kultur eine "sehr bemerkenswerte Summe", lobte Neumann. "Wir brauchen solche Angebote für die Gäste aus dem In- und Ausland", begründete der Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) die Förderung durch Land und EU.

Zur Museumsmeile gehören die teils sanierten Stadttore, Kirchen, eine Kunstsammlung und die Wehranlage. Dazu kommt ein Lehrpfad, der die Gedenkstätten der Kriegsgefangenen- und stalinistischen NKWD-Lager in Fünfeichen und die frühere Staatssicherheit-Bezirkszentrale umfasst sowie an Stätten jüdischen Lebens erinnert.

Das Kloster erhielt einen modernen gläsernen Vorbau, der Gäste schon am Stadteingang anlocken soll. Auf drei Etagen im Refektorium - dem Speisesaal - und im Dormitorium - dem Schlafsaal - wird die wechselvolle Geschichte von Stadt und Umfeld gezeigt, das sich immer sehr an Brandenburg und dem etwa 100 Kilometer südlich gelegenen Berlin orientierte. So übergab der Markgraf Johann von Brandenburg am 4. Januar 1248 in Spandau dem Ritter Herbord von Raven den Brief zur Stiftung für Neu-Brandenburg, das am Tollensesee im Stargarder Land entstehen sollte. Die Urkunde fiel einem der Stadtbrände zum Opfer, aber die Stadt begeht immer am 4. Januar "Geburtstag". Besucher ordnen zum Leidwesen von Oberbürgermeister Paul Krüger aber immer noch Neubrandenburg eher dem Land Brandenburg als Mecklenburg zu.

Im Museum wird auf die Zerstörung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg, am Kriegsende 1945 sowie die DDR-Zeit eingegangen. Dabei erinnert unter anderem ein rund acht Meter langer Torpedo an die Torpedo-Versuchsanstalt in der NS-Zeit. Auch auf die produktive Lebensphase des Dichters Fritz Reuter (1810-1874) in der Stadt sowie an "Turnvater Jahn" wird erinnert.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen