Nach der Pleite der P + S Werften : Neuanfang für Werftingenieure

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Für die insolventen P+S Werften hat sich am Standort Stralsund eine neue Beschäftigungsperspektive ergeben. Ein neu gegründetes Konstruktionsbüro soll Spezialisten am Standort halten.

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13. März 2013, 09:58 Uhr

Stralsund | Für Schiffskonstrukteure und Entwicklungsingenieure der insolventen P+S Werften hat sich am Standort Stralsund eine neue Beschäftigungsperspektive ergeben. Mitte Februar dieses Jahres ist nach Angaben von Axel Schulz, Bevollmächtigter des Insolvenzverwalters, ein eigenständiges Konstruktionsbüro gegründet worden. An der Shipdesign Stralsund GmbH (SDS) ist zu 50 Prozent die in Rostock ansässige Neptun Ship Design GmbH beteiligt, wie Neptun-Geschäftsführer Helge Sell gegenüber unserer Zeitung bestätigte.

Neptun Ship Design beschäftigt in Rostock rund 110 Ingenieure. Das Unternehmen bietet weltweit Dienstleistungen in Entwicklung, Konstruktion und Design von Schiffbau- und Offshore-Projekten an. "Mit der Gründung der SDS soll die Möglichkeit geschaffen werden, die qualifizierten Ingenieure der P+S-Werften mit ihrer technologischen Kompetenz und ihrer Erfahrung im Schiffbau in der Region zu halten", begründet Sell das Engagement von Neptun Ship Design am Sund. Partner im Unternehmen Shipdesign Stralsund ist das bundesweit arbeitende Steuerberatungsunternehmen BBO, das ebenfalls 50 Prozent der Anteile am Konstruktionsbüro hält.

Bevollmächtigter Axel Schulz sieht in der Gründung von SDS die Chance, den im Schiffbau notwendigen technologischen Vorlauf für neue Projekte und Aufträge zu schaffen und zusätzliche Arbeit "von außen" für die Konstrukteure und Entwickler in Stralsund zu organisieren. Denn solange für die insolvente Stralsunder Volkswerft im P+S-Verbund kein Investor gefunden ist, bleibt die weitere Beschäftigung des spezialisierten Ingenieurspersonals vakant. Momentan liegen dem Insolvenzverwalter "noch keine schriftlichen Angebote von möglichen Investoren vor", wie Schulz gegenüber unserer Zeitung sagte.

Laut Neptun-Manager Sell erhalten die betroffenen Ingenieure der P+S-Werften zunächst "ein Qualifizierungsangebot in der Transfergesellschaft", wo sie zwischen zwei Schiffsdesign-Systemen wählen können. Wer sich für das von SDS genutzte System "Aveva Marine" entscheidet, könne sich nach der Schulung bei SDS bewerben. "Die Ingenieure werden involviert in den weiteren Bau der für die dänische Reederei DFDS bestimmten RoRo-Carrier sowie in weitere Projekte auf der Volkswerft Stralsund", blickt Sell voraus.

Zudem verfüge Neptun Ship Design über einen "sehr guten Auftragsbestand aus dem internationalen Spezialschiffbau", was eine Zusammenarbeit mit SDS in Stralsund sinnvoll mache. Zurzeit lägen bei Shipdesign Stralsund Aufträge bis Ende 2013 vor, die es ermöglichen 50 Ingenieure einzustellen.

Konstrukteure und Entwicklungsingenieure von P+S, die sich auf das zweite Schiffsdesign-System "Uni Graphics" qualifizieren wollen, empfehlen sich damit für eine Anstellung bei der Bremer Lürssen Werft, wo dieses System genutzt wird. Lürssen übernimmt mit Wirkung zum 1. Mai 2013 die Peene-Werft in Wolgast mit zunächst 200 Mitarbeitern im gewerblichen und 85 Mitarbeitern im administrativen Bereich. Hinzu kommen 61 Auszubildende. Dem Neustart in Wolgast blickt Peene-Werft-Betriebsratschef Carsten Frick "mit Zuversicht" entgegen. Durch die langjährige Zugehörigkeit zur Hegemann-Gruppe kennen die Schiffbauer an der Peene "die Bremer Mentalität".

Wie Lürssen ist auch die Wolgaster Werft fokussiert auf den Bau von Marine- und Behördenbooten sowie Spezialschiffen. Bereits jetzt werden an der Peene in Kooperation mit Lürssen die Deckshäuser für vier neue Fregatten der Deutschen Marine gefertigt. Ende Februar war in Wolgast auf dem dritten von insgesamt vier Behördenbooten für die schwedische Coast Guard der Flaggenwechsel vollzogen worden. Die zwei ersten Küstenwachschiffe hatten im Sommer 2012 die Werft in Richtung Schweden verlassen. Nach der Insolvenz der P+S-Werften mussten die beiden verbliebenen Aufträge neu verhandelt werden. Im April dieses Jahres soll mit KBV 034 das vierte Coast-Guard-Schiff planmäßig abgeliefert werden.


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