Partei „Bürger für Mecklenburg-Vorpommern“ : Neuanfang für AfD-Aussteiger

Der Unternehmer Michael Bertram trat ohne Gegenkandidat fürs Amt zum Parteichef an und erhielt 100 Prozent der Stimmen.
Der Unternehmer Michael Bertram trat ohne Gegenkandidat fürs Amt zum Parteichef an und erhielt 100 Prozent der Stimmen.

Ehemalige Mitglieder gründen eigene Partei. Politikwissenschaftler: Sie werden es vermutlich schwer haben

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21. Januar 2018, 20:45 Uhr

Der einfache Teil ist um 12.50 Uhr erledigt: Die rund 20 Männer und Frauen in der Wassermühle bei Greifswald haben die Satzung verabschiedet. „Ab jetzt sind wir existent“, sagt Matthias Manthei und lächelt. Vier Monate nach der Abspaltung von der AfD haben Politiker um die Landtagsabgeordneten Bernhard Wildt und Matthias Manthei eine eigene Partei gegründet: die Bürger für Mecklenburg-Vorpommern (BMV).

Der Vorsitzende Michael Bertram sieht die neu gegründete Gruppierung als bürgerlich-konservative Regionalpartei. „Wir wollen uns zu 100 Prozent auf unser Bundesland konzentrieren”, sagt Bertram. Die bestehenden Parteien seien auch immer ein Teil einer Bundespartei. Die BMV sieht der 52-Jährige dagegen eher ein bisschen als „CSU des Nordens.“ Der neue Vorstandsvorsitzende ist auf der Gründungsversammlung am Sonnabend ein gefragter Mann: Er eilt von einem Interview zum anderen. „Soviel wie heute musste ich noch nie reden“, sagt Bertram. Das dürfte vor allem an seiner und der politischen Vergangenheit vieler BMV-Mitglieder liegen. Rund drei Viertel der Parteigründer sind AfD-Aussteiger.

„Die Partei zieht Radikale und verrückte Spinner an. Es wird immer nur Endzeitstimmung verbreitet”, geht Bertram mit seiner Ex-Partei hart ins Gericht, für die er bis Oktober 2017 ein Amt im Landesvorstand bekleidete.

Auch die beiden Stellvertreter Bertrams haben der Alternative für Deutschland abgeschworen. „Es gab so viele Vorkommnisse. Das war nicht mehr tragbar. Ich möchte mit diesen Leuten nicht mehr in Verbindung gebracht werden”, sagt der Co-Vorsitzende Lars Wilhelm. Der zweite Co-Vorsitzende, Bernhard Wildt, hatte im September 2017 die Reißleine gezogen. Er verließ mit drei weiteren Politikern die AfD-Fraktion im Schweriner Landtag und gründete mit diesen die Fraktion Bürger für Mecklenburg-Vorpommern. Als einen Grund nannte er die mangelnde Distanzierung von Gewalt und Fremdenhass. „Extremistische Einflüsse werden wir in der BMV nicht dulden“, betont Wildt.

Als potentielle Zielgruppe für die neue Partei sieht Wildt „eine große Zahl von Menschen in unserem Bundesland, die eine politische Heimat suchen.“ Viele seien von den etablierten Parteien enttäuscht oder würden von bestehenden rechten Parteien wegen derer Radikalität abgeschreckt. Die BMV solle die neue Heimat für Konservative werden. Doch dieses Vorhaben dürfte der erheblich schwierigere Teil werden.

„Neue Parteien haben es in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern sehr schwer“, sagt der Rostocker Politikwissenschaftler Jan Müller. Es fehle generell an „Rekrutierungsmaterial“. Eine Partei benötige aber einige hundert Mitglieder, um dauerhaft bestehen zu können. Auch im politischen Wettbewerb mit den anderen Parteien werde es die BMV wohl nicht einfach haben. „Die CDU als direkter Konkurrent ist vor allem auf kommunaler Ebene noch sehr stark“, erklärt Müller.

Durch die Fraktion im Landtag sei der BMV allerdings bereits eine mediale Präsenz gewährleistet. Den ersten Test für die neu gegründete Partei sieht Müller im kommenden Jahr in den Kommunalwahlen. „Da wird sich zeigen, wie viele Kandidaten sie aufstellen können”, so Müller.

Eines kann er der neuen Partei aber bereits bescheinigen: Die Abgrenzung zur AfD scheint ihnen gelungen zu sein. „Es spricht kein Rechtspopulismus aus ihr.“


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