Nur fünf Prozent an heimische Firmen vergeben : Nestlé: Erst wenige Aufträge für MV

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Gerangel um Millionen-Order: Die Vergabe von Aufträgen für den Bau des neuen Nestlé-Kaffeewerkes in Schwerin an Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern bleibt noch hinter den Erwartungen der heimischen Firmen zurück.

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29. Mai 2013, 10:58 Uhr

Schwerin | Gerangel um Millionen-Order: Die Vergabe von Aufträgen für den Bau des neuen Nestlé-Kaffeewerkes in Schwerin an Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern bleibt noch hinter den Erwartungen zurück. Betonfertigteile, Rüstarbeiten, Blitzschutz- und Erdungsanlagen sowie Elektroarbeiten aus Schwerin, Rohrleitungen für Elektroanlagen und Sanitär aus Malchow, Erdbauarbeiten aus Waren, dazu die Erschließung des Baufeldes, die Versorgung der Container-Stadt mit Strom, Wasser, Telefon: Bislang wurden Leistungen im Wert von zehn Millionen Euro an Unternehmen aus MV vergeben, teilte Klaus Reisenauer, Chef der Auftragsberatungsstelle (ABST) Mecklenburg-Vorpommern, gestern in Schwerin mit. Die Unternehmen hätten von Nestlé eine faire Chance im Wettbewerb erhalten.

Die heimischen Firmen hatten allerdings mehr erwartet: Sie haben bislang lediglich fünf Prozent der Leistungen für das insgesamt 220 Millionen Euro teure Werk in ihren Orderbüchern. Knapp die Hälfte der Projektkosten fallen für den Werksbau an - geschätzte 110 Millionen Euro. Einen der größten Aufträge, den Rohbau für 20 Millionen Euro, hatte Ende vergangenen Jahres das bayrische Bauunternehmen Dechant Hoch- und Tiefbau aus Weismain erhalten. Insgesamt hatten sich 55 Unternehmen aus Deutschland um den Auftrag beworben, elf aus MV unter anderem aus Schwerin, Parchim, Rostock, Neustrelitz und Waren. 60 bis 80 Prozent der Leistungen sollten in der Region bleiben, versicherte Seniorchef Alois Dechant noch Dezember. Nestlé hatte sich entschlossen, nicht auf einen Generalauftragnehmer zu setzen, sondern auf Firmen aus der Region. Tiefbauer, Zimmerer, Metallbearbeiter, Trockenbauer, Fassadenbauer, Estrichleger, Tischler, Landschaftsbauer, Elektriker - 33 verschiedene Positionen reiht die Gewerkeliste auf.

Noch bleibt Nestle von den eigenen Vorgaben weit entfernt: Nestlé-Baumanager Ulrich Walter hatte vor einem Jahr Aufträge im Wert von 60 Millionen Euro für Firmen aus MV in Aussicht gestellt. In den kommenden Wochen steht indes die Vergabe weiterer Leistungen an. Für den Einbau der Innentüren, Brandschutz- und Innentore sowie von Stahlbühnen habe die Auftragsberatungsstelle 21 Unternehmen aus MV benannt, teilte ABST-Chef Reisenauer mit. Bis Ende Mai sollen zudem die Arbeiten für die Dacheindeckung, weitere technische Gewerke und die Estricharbeiten vergeben werden.

Der Lebensmittelriese hat für sein neues Werk einen sportlichen Zeitplan aufgestellt: Ab Ende 2013 soll in Schwerin die Produktion starten, Ende 2014 das Werk seine volle Kapazität erreichen und auf zwölf Linien je Stunde insgesamt 450 000 Kaffeekapseln herstellen, hatte der Konzern angekündigt. Nestlé lässt sich seine 220-Millionen-Investition zu 22,5 Prozent vom Steuerzahler finanzieren: Das Unternehmen kann mit bis zu 50 Millionen rechnen.

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